Pirmasens
Sozialbetrug in Pirmasens: RTL-II-Doku erreicht hohe Quoten
Der Fall von Mike und Angelique, die in Pirmasens wegen Sozialbetrugs verurteilt wurden, hat in den vergangenen Wochen bundesweit für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Das junge Paar hatte eine Zeit lang in Pirmasens gelebt und war in der Fernsehsendung „Armes Deutschland – Stempeln oder abrackern“ des Privatsenders RTL II zu sehen. Dort hatten die beiden offen über ihren Sozialbetrug berichtet: Mike bezog zeitgleich Bürgergeld und Arbeitslosengeld I, rund 8000 Euro mehr, als ihm zugestanden hätte. Die Staatsanwaltschaft hatte sie wegen Betrugs angezeigt, rund um die Verhandlung vor dem Amtsgericht Pirmasens hatte sich das junge Paar im vergangenen Jahr von einem Kamerateam begleiten lassen.
Das Format „Armes Deutschland“ ist mittlerweile in der elften Staffel zu sehen. Dabei werden Menschen aus ganz Deutschland begleitet, die nahe an der Armutsgrenze leben und teilweise Sozialleistungen beziehen. Mit den Einschaltquoten zeigt sich der Sender zufrieden: Im Zeitraum zwischen dem 1. Januar und dem 27. Mai dieses Jahres seien pro Folge 654.000 Zuschauer in der Zielgruppe der über 14-Jährigen erreicht worden. Das sei „sehr gut“, so der Sender.
In Marktanteilen sehe das für den gleichen Zeitraum aus wie folgt: Durchschnittlich habe das Format 7,1 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe der 14 bis 49-jährigen Zuschauer sowie fünf Prozent Marktanteil bei den 30 bis 59-jährigen Zuschauern erzielt.
5,5 Millionen gestreamte Minuten pro Woche
Doch nicht nur im Fernsehen selbst, auch im Streaming, also der Wiedergabe im Internet, habe die Doku überzeugt, sagt der Sender. Das Streamen läuft über RTL+, gerechnet wird dabei in abgerufenen Minuten. „Armes Deutschland“ verzeichne dort pro Woche 5,5 Millionen gestreamte Minuten.
Ende Mai lief die vorläufig letzte aktuelle Folge der Sendung. Zu sehen war die Zeit nach der Gerichtsverhandlung, bei der die beiden zu jeweils 80 Sozialstunden verurteilt worden waren. Angelique erhielt eine jugendrichterliche Verwarnung, Mike wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Monaten verurteilt, die über drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Beide erzählten in der Sendung davon, dass sie ihre Sozialstunden in einem Seniorenheim angetreten haben.
Wann „Armes Deutschland“ im Fernsehen weitergeht, steht laut RTL II noch nicht fest. Erfahrungsgemäß gebe es gegen Ende des Jahres noch einmal neue Folgen. Ob Mike und Angelique, die mittlerweile nach Edenkoben gezogen sind, noch einmal in dem Format zu sehen sein werden, sagte der Sender nicht.
Das Paar hatte bereits im vergangenen Jahr für Empörung in der Stadt gesorgt, nachdem es im Fernsehen davon berichtet hatte, dass es in Pirmasens aus einer Telefonzelle gespendete Bücher einsammle, um diese zu verkaufen.
