Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Schuhbranche: Wie Supremo mit Lizenzen einen großen Umsatz macht

Die Supremo-Führungsriege (von links): Sarah Tretter, Walter J. Weichhart, Michael Merl und Alexander Gries.
Die Supremo-Führungsriege (von links): Sarah Tretter, Walter J. Weichhart, Michael Merl und Alexander Gries.

In Sachen Schuhe ist die Pirmasenser Firma Supremo eine ganz große Nummer – und das sogar ohne eigene Produktion.

Der kleine gelb-schwarze Feuersalamander Lurchi gehört wohl zu den bekanntesten Mitarbeitern der Firma Supremo. Dabei gehört die Werbefigur erst seit vergangenem Jahr zum Team. Aber Generationen deutscher Kinder und Jugendliche sind mit ihm aufgewachsen. War er einst fest mit der Marke Salamander verbunden, hat sich Lurchi selbst als Marke für Kinderschuhe etabliert. Und die wird seit 2024 vom Supremo-Firmensitz in der Blocksbergstraße gesteuert.

Das Geschäft des Schuhunternehmens unterscheidet sich dabei durchaus von dem anderer Pirmasenser Schuhbetriebe. Supremo entwickelt in Pirmasens zwar Schuhe, die in Asien hergestellt werden – das gibt es auch bei anderen Schuhfirmen –, aber Supremo hat sich gleich mehrere Lizenzen bekannter Marken gesichert, unter deren Label die Schuhe vertrieben werden.

Firma wurde 1997 gegründet

Das war bei der Firmengründung im Jahr 1997 noch ganz anders. Damals wurden vor allem Schuhe als Eigenmarken großer Kaufhausketten produziert, sogenannte private Labels. 2013 kam die Marke Tom Tailor und mittlerweile betreuen die 43 Mitarbeiter von Pirmasens aus noch zusätzlich die Sportmarke Kappa, die Bequemschuhe von Romika sowie Mustang – und nicht zuletzt die Kinderschuhmarke Lurchi. Alles in allem erwirtschaftet das Unternehmen mit diesem Geschäftsmodell einen Umsatz von 60 Millionen Euro im Jahr, sagt Walter J. Weichhart.

Die einst so wichtigen private Label machen dabei nur noch etwa zehn Prozent aus, erzählt der Firmenchef, der das Unternehmen mit seinem mittlerweile verstorbenen Vater gegründet hat. Mittelfristig hat er das Ziel, die 100-Millionen-Euro-Marke beim Umsatz zu knacken. Seit zwei Jahren hat Supremo dafür einen starken Partner an seiner Seite: Der Branchenriese Deichmann ist als Mehrheitsgesellschafter mit 51 Prozent bei dem Pirmasenser Unternehmen eingestiegen.

Firmensitz erweitert

Das bedeutet jedoch nicht, dass Supremo darüber nachdenkt, seinen Firmensitz nach Essen zu verlagern, der Konzernzentrale von Deichmann. Ganz im Gegenteil. In den vergangenen Jahren wurde in der Blocksbergstraße kräftig investiert. 1,8 Millionen Euro flossen in die Erweiterung des Gebäudes. 560 zusätzliche Quadratmeter sind so entstanden.

Weil die Geschäfte gut laufen, ist die Fläche eigentlich jetzt schon wieder zu klein, berichten Weichhart und Michael Merl. Der Manager ist seit Jahrzehnten in der Schuhbranche tätig. Bevor er zu Supremo kam, arbeitete er bei Kangaroos. Mittlerweile ist er fast 70 Jahre alt und fungiert offiziell nur noch als Berater, wie er erzählt. Zwei, drei Tage die Woche sei er noch im Betrieb. Nicht zuletzt, um seinen Nachfolger Alexander Gries als kaufmännischen Leiter einzuarbeiten. Sarah Tretter als Personalleiterin ergänzt die Führungsriege.

20.000 Reisemuster für Vertreter

Von Pirmasens aus verantworten sie pro Saison die Entwicklung von rund 3000 verschiedenen Prototypen – über alle Schuhmarken hinweg. Der überwiegende Anteil wird in Asien produziert. Und das in großen Stückzahlen. Alleine für die Vertreter werden laut Weichhart 20.000 Reisemuster pro Saison geordert. Gemeinsam mit der Hongkonger Schwesterfirma liefert Supremo jährlich nach eigenen Angaben rund 8,5 Millionen Paar Schuhe aus.

Statt auf eigene Produktion setzen die Verantwortlichen bei Supremo auf Lohnarbeit. Schuhe der Marke Lurchi werden in Italien, Spanien, Portugal sowie in Indien und Pakistan hergestellt. Trotz des bekannten kleinen gelb-schwarzen Markenbotschafters machen die Kinderschuhe aber nur einen Bruchteil des Geschäfts aus. 95 Prozent der Schuhe, erzählt Merl, werden in Vietnam und China hergestellt. In puncto Qualität hat er diesbezüglich keine Bedenken. „Kein guter chinesischer Betrieb muss den Vergleich scheuen“, ergänzt Weichhart. Merl sagt: „China ist dort, wo Portugal vor 35 Jahren war.“ Beide berichten, dass die Länder Bangladesch und Kambodscha wohl in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Schuhproduktion spielen werden.

Der Supremo-Firmensitz in der Blocksbergstraße.
Der Supremo-Firmensitz in der Blocksbergstraße.

Die Supremo-Schuhe werden online vertrieben, aber auch im stationären Handel. Einer der größten Kunden ist laut Weichhart die Firma Deichmann. Er berichtet zudem von vielen kleinen Kunden, die teilweise nur 200 bis 300 Paar Schuhe abnehmen. Ein großer Kunde, der Supremo weggebrochen ist, ist das insolvente Unternehmen Reno. Allerdings gibt es zu der Firma immer noch einen Bezug: Auf dem Reno-Areal in Thaleischweiler-Fröschen hat Supremo – wie andere Schuhfirmen auch – einen Teil der 35.000 Quadratmeter großen Lagerfläche angemietet. Weitere Supremo-Schuhe warten in der Pirmasenser Rheinstraße darauf, ausgeliefert zu werden. Zusätzlich hat die Firma in Hauenstein 4000 Quadratmeter angemietet.

Lurchis Abenteuer

Zurück zum kleinen schwarz-gelben Feuersalamander: „Ich bin mit Lurchi groß geworden“, erzählt Firmenchef Weichhart. Seine Großeltern hatten einen Salamander-Schuhladen in Bayern. Dort gab es früher auch die begehrten Lurchi-Hefte. Für die ist mittlerweile Supremo zuständig. Zweimal im Jahr werden 25.000 Hefte gedruckt. Sie gehen an Händler, die sie wiederum an ihre Kunden weitergeben. Alle zwei Jahre werden die Geschichten in einer Zusammenfassung als Buch auf den Markt gebracht. Lurchis Abenteuer – made in Pirmasens.

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