Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Schuhhändler Deichmann will bei Supremo einsteigen

Das Pirmasenser Schuhunternehmen Supremo soll weiterhin selbstständig arbeiten.
Das Pirmasenser Schuhunternehmen Supremo soll weiterhin selbstständig arbeiten.

Rückenwind für Supremo: Beim Pirmasenser Schuhunternehmen will der Branchenriese Deichmann einsteigen. Für die Pirmasenser soll sich dadurch im operativen Geschäft erst einmal nichts ändern. Das Unternehmen mit 25 Beschäftigten soll laut Deichmann weiterhin selbstständig arbeiten.

51 Prozent der Gesellschaftsanteile an der Supremo Shoes +Boots GmbH will das Essener Handelsunternehmen Deichmann erwerben. Bei Supremo sei es zu einem Gesellschafterwechsel gekommen, nachdem sich ein Teilhaber aus Altersgründen zurückgezogen habe, teilte dazu Deichmann auf Anfrage mit. Die Fasbra SE, ein Unternehmen der Deichmann-Gruppe, wolle mit 51 Prozent einsteigen. Damit sei der Pirmasenser Großhändler „für die Zukunft gut aufgestellt“ und werde weiterhin selbstständig unter der bisherigen Geschäftsführung agieren. Supremo selbst wollte sich darüber hinaus nicht weiter äußern zu der anstehenden Veränderung.

Zustimmung von Kartellbehörde steht noch aus

Dies hängt auch damit zusammen, dass die Zustimmung der Kartellbehörden zur mehrheitlichen Übernahme durch Deichmann noch aussteht. Dort liegt die Anmeldung der Übernahme zur Fusionskontrolle vor. Anmelden müssen Unternehmen nach Angaben des Kartellamtes Fusionen dann, wenn es sich dabei um einen Zusammenschluss handelt; darunter fällt auch der Erwerb von bedeutenden Anteilen wie im Fall Supremo. Außerdem müssen die Unternehmen eine bestimmte Größe haben. Damit soll verhindert werden, dass ein Unternehmen zu große Macht auf einem Markt erlangt und damit den Wettbewerb beeinträchtigen könnte.

Als Kriterium werden Jahresumsätze herangezogen. Und da liegt der Branchenprimus Deichmann allein mit zuletzt 1,9 Milliarden Euro aus seinem Deutschland-Geschäft weit über der Messlatte. Aber auch Supremo gehört mit einem Jahresumsatz von etwa 50 Millionen Euro nicht zu den Kleinen in der Branche.

Erweiterung bei Supremo angekündigt

Supremo entwickelt in Pirmasens mit 25 Mitarbeitern Schuhkollektionen für Damen, Herren und Kinder, die dann in Asien produziert werden, vor allem in China. In Hongkong existiert noch ein Schwesterunternehmen. Pro Jahr werden nach Unternehmensangaben über 8,5 Millionen Paar Schuhe verkauft und ausgeliefert. Für Kinderschuhe der Mode-Marke Tom Tailor ist das Unternehmen seit 2009 Lizenznehmer, seit 2013 für alle Schuhe der Marke. Erst im April hat Supremo den 25. Firmengeburtstag gefeiert. Gegründet wurde Supremo 1997 von dem mittlerweile verstorbenen Walter Weichhart. Sein Sohn Walter J. Weichhart führt heute die Geschäfte mit Christoph Gessner; der Prokurist und kaufmännische Leiter Michael Merl ergänzt das Führungsteam. Beim Jubiläum hatte die Geschäftsführung zugleich angekündigt, den Firmensitz in der Blocksbergstraße um bis zu 600 Quadratmeter zu erweitern. Die Folgen der Pandemie hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bisher gut bewältigt.

Mit Deichmann bekäme Supremo einen starken Partner zur Seite. Rund 15.000 Mitarbeiter arbeiten in Deutschland für Europas größten Schuhhändler in etwa 1400 Filialen sowie in der Verwaltung und in mehreren Zentrallagern für die Verteilung der Schuhe. Allein das Geschäft in Deutschland erlöst etwa 1,9 Milliarden Euro – laut Deichmann 36 Prozent des Gruppenumsatzes. Rund 58 Millionen Paar Schuhe gingen 2021 über die deutschen Ladentheken oder wurden online verkauft. Weltweit verkaufte Deichmann 2021 rund 160 Millionen Paar Schuhe in insgesamt 4300 Filialen. Der Schuhhändler ist in 31 Ländern aktiv und beschäftigt über 42.000 Mitarbeiter.

Deichmann verkauft sowohl Fremd- als auch Eigenmarken. Anfang 2020 übernahm die Essener Gruppe ebenfalls die Markenrechte für Europa an der Marke Romika, die bis dahin zur Hauensteiner Seibel-Gruppe gehört hatte.

Die meisten Fusionen werden schnell erlaubt

Der Antrag der Deichmann-Gruppe auf Übernahme der Mehrheit an Supremo datiert vom 10. November. Wie lange es dauern wird, bis ein Ergebnis vorliegt, ist offen. Erweist sich das Fusionsvorhaben in einer ersten Prüfphase als unproblematisch, gibt die Behörde den Zusammenschluss innerhalb weniger Wochen frei. Hält die Behörde jedoch eine weitere Prüfung für erforderlich, wird ein förmliches Hauptprüfverfahren eingeleitet, das innerhalb von fünf Monaten zu einer Entscheidung führen muss. Das Bundeskartellamt prüft nach eigenen Angaben pro Jahr rund 1000 angemeldete Fusionen. Ein großer Teil davon könne innerhalb der ersten einmonatigen Phase abgeschlossen werde, so die Behörde.

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