Pirmasens Scharfe Klänge, spitze Töne und kabarettistisches Spritzgebäck

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Die vier Untiere mischen Politik mit privaten Anekdoten zu einem mitreißenden Cocktail und servieren ihn, gewürzt mit Satire, Ironie und Verwandlungskunst ihrem Publikum, das sich an ihm berauscht. Das Bürgerhaus in Waldfischbach-Burgalben war zur kabarettistischen Verabredung am Donnerstagabend zwar nur zur Hälfte gefüllt, der Stimmung hat dies aber keineswegs einen Abbruch getan.

Marina Tamássy, Wolfgang Marschall, Philipp Tulius und Edwin Schwehn-Herter sind wahre Unterhaltungskünstler: sie packen ihr Publikum, weil sie Politik und Privat-Menschliches auf amüsante Art entlarven. Entweder, das Publikum freut sich, weil die Polit-Riege endlich mal ihr Fett abbekommt, oder sie erkennen sich gnadenlos in dem Spiegel, der ihnen Marschall mit seinen höchstpersönlichen Anekdoten vorhält. Welches Auge bleibt trocken, wenn Wolfgang Marschall von seiner leidenschaftlichen Baumschmück-Aktion berichtet. Acht Stunden hat sie gedauert, der ultimative Baum über Nacht aber derart nadelt, dass nur ein mit Schmuck überladenes Baumgerippe übrig blieb. Das Publikum lacht ungeniert und herzlich, als er vom Nachfolger-Baum berichtet, eine Blautanne, die er sogar noch zu Fasching mit Luftschlangen schmückt, die zu Ostern das Weidenkätzchengebinde unnötig macht und zum Johannes Heesters unter den Weihnachtsbäumen geworden wäre, hätte sie nicht im Sommer während einer Grillparty Funken gefangen und lichterloh gebrannt. Besinnlich, sinnlich wechselt das Kaiserslauterer Kabarett-Quartett zwischen musikalischen Einlagen, persönlichen Anekdoten und feinster Persiflage. Doch Marschall erzählt nicht nur von Weihnachtsbäumen, sondern auch von der Fingerkuppen-Erotik des Mandelschälens in der Weihnachtsbäckerei, von seinen ersten Erfahrungen mit Alkohol, die er mit den Einstiegsdrogen der Oma durchlief, und davon, dass Ikea inzwischen mal an Bestattungsmöbel denken könne – natürlich auch im Selbstbausatz. So manchen Besucher erinnert er am Donnerstag an den Kabarett-Poeten Hans Dieter Hüsch, wie er von seinem „Mystisch“, seinem mystischen Tisch aus die Texte vorträgt. Derart authentisch kann nur rüberkommen, wer selbst sein Programm konzipiert, textet und inszeniert. Wolfgang Marschall hat darüber hinaus sogar für andere renommierte, hochkarätige Kollegen geschrieben: für die „Stachelschweine“ und für Dieter Hildebrandt. Brillant ist die Persiflage von Wolfgang Schäuble, in dessen Haut Philipp Tulius schlüpft und mit ergrautem Haar aus dem Rollstuhl heraus dem Publikum erklärt, wie die Politik die Bürger konditioniert. Mit Rosenkohl und Snickers veranschaulicht er die politischen Methoden und erklärt das Rentenmodell. „Wenn ihr schön brav euren Rosenkohl esst, dann bekommt ihr nachher einen Snickers“, lockt er und erinnert an die Schokolade, den karamelligen Geschmack und die Nüsse. Nur dass später der Grieche die Schokoladen gefressen habe, das Karamell auf die Rechnung von Uli Hoeneß gehe – und für das deutsche Volk nur die Nüsse bleiben. Köstlich als Tulius-Schäuble zur Bassgitarre greift und seinen Frust und „Blues im Blut“ musikalisch rauslässt. Getoppt wird diese Nummer nur noch von Marina Tamassy, die es als Kanzlerin faustdick hinter den Ohren hat. Einerseits mädchenhaft, andererseits voller Schabernack erzählt sie, wie im Bundestag gewichtelt wird. Letztes Jahr habe sie Gregor Gysi gezogen und ihm das Buch „Was nun, kleiner Mann“ von Hanns Fallada in den Nikolausstiefel gesteckt. „Dieses Jahr ist Sigmar Gabriel dran“, sagt sie und lacht mit Schadenfreude. „Der bekommt ,Scheitern als Chance’ von Jörg-Peter Schröder.“ „Let’s fetz“, feuert sie ihr Publikum an und singt zum „Queen“-Song „Another One Bites The Dust“ im Duett mit Schäuble. Der Text wird erst zu „Wir ziehen es euch aus der Tasch“, dann outen sich die Politiker: „Man sieht es, dass ich gern nasche“, singt die Kanzlerin, „Ich trink gern aus der Flasch“, legt Schäuble nach. Marina Tamassy ist nicht nur eine wandlungsfähige Kabarettistin, sie ist eine Verwandlungskünstlerin par excellence. Die Untiere wissen, wie es geht. Sie verwandeln sich durch Kostüm und Maske, steigen kantig-komisch und respektlos in andere Rollen und verzaubern ihr Publikum mit Parodien und Persönlichem. Politisch, literarisch, musikalisch, ja sogar poetisch, nahmen sie ihr Publikum mit auf vorweihnachtliche Reise. „Solang du nicht den Nachbarn frisst, lässt Gott dich auf die Weide.“ Mit diesen Worten wollen sie die Vorstellung beenden, ernten tosenden Applaus und kommen nicht ohne drei Zugaben davon.

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