Pirmasens Pirmasens: Missbrauch der Notaufnahme nimmt zu
„Das ist gar keine schlechte Idee.“ Mit diesen Worten reagiert der stellvertretende Geschäftsführer des Krankenhauses, Erwin Merz, auf den Vorschlag der Kassenärztlichen Vereinigung, Patienten mit nicht akuten Leiden in der Notaufnahme zur Kasse zu bitten. Auch das Städtische ist zu oft Anlaufstelle für Menschen mit Bagatellerkrankungen.
Es werden immer mehr: Auch das Pirmasenser Krankenhaus leidet unter Patienten, die ohne Not in der Ambulanz aufkreuzen. Pflegedirektor Erwin Merz berichtet von Menschen, die mit schon länger anhaltenden Rückenschmerzen in der Notaufnahme aufschlagen, mit einem vor Tagen angestoßenen Zeh oder mit einem verschleppten Infekt – mit Erkrankungen also, die in einem Akutkrankenhaus nichts verloren haben. Im Jahr 2016 hatten rund 20.000 Menschen die Notaufnahme aufgesucht, vor drei Jahren waren es noch 14.000. „Es kommen jedes Jahr fast 2000 Patienten mehr“, klagt Merz, der auf ein Problem verweist: „Wenn die Leute hier sind, dürfen wir sie nicht abweisen und müssen uns um sie kümmern.“ Und das, obwohl der Ärztliche Bereitschaftsdienst, der zuständig ist, wenn die Arztpraxen geschlossen sind, direkt in der Nachbarschaft in der Pettenkoferstraße sitzt. Was auch nicht abschrecke: Dass ein Arzt die Leute begutachte, ein Schmerzmittel verordne und sie auffordere, am nächsten Tag zur Weiterbehandlung den Hausarzt aufzusuchen. Weil die Kapazitäten in der Notaufnahme begrenzt sind und Bagatellerkrankungen dort nicht hingehören, würde der stellvertretende Geschäftsführer des Krankenhauses eine Selbstbeteiligung in der Notaufnahme, wie sie von der Kassenärztlichen Vereinigung vorgeschlagen wurde, tatsächlich ganz gut finden. Wobei er glaubt, dass es mit einem Betrag von fünf Euro oder so nicht getan sein wird. Ob sich so etwas gesetzlich durchsetzen lasse, sei die andere Frage, meint Merz. Um den Andrang in der Notaufnahme in den Griff zu kriegen, ist im Pirmasenser Krankenhaus vor ein paar Wochen ein so genanntes Triage-System eingeführt worden. Damit sollen direkt bei der Ankunft in der Notaufnahme die wirklich dringenden Fälle herausgefiltert werden. Speziell geschulte Fachkräfte schätzen ein, wie schnell ein Patient einem Arzt vorgestellt werden muss. Das kann bei dem Manchester-Triage-System, mit dem das Städtische arbeitet , „sofort“ bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung wie einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall bedeuten – oder zwei Stunden und mehr Wartezeit, wenn jemand mit Schnupfen in der Notaufnahme landet. Ob die Neuerung jene, die eigentlich mit ihren Wehwehchen in eine Arztpraxis gehören, abschreckt? Merz hat noch nichts davon bemerkt. Wobei es immer auch saisonale Spitzen gebe wie im Moment, wo viele Grippe-Kranke kommen. Generell sei an Mittwochnachmittagen, an Feiertagen und am Wochenende besonders viel los in der Notaufnahme. Von dem Triage-System ist März dennoch überzeugt. „Es läuft gut, auch wenn wir noch am Lernen sind.“ Mit dem System könnten echte Notfälle „ganz schnell“ erkannt werden. „Da werden eine Vielzahl von Symptomen abgefragt, bei einem Herzinfarkt beispielsweise, ob ein plötzlicher Brustschmerz aufgetreten ist und ob der in den Rücken und in den Arm ausstrahlt.“ Um auf Notfälle direkt reagieren zu können, wurde Merz zufolge auch schon personell aufgestockt. „Ein Arzt ist immer in der Notaufnahme, in der Chirurgie und der Inneren haben wir einen zweiten Bereitschaftsarzt eingestellt, um jederzeit jemanden abziehen zu können.“ Eine Erklärung, warum die Leute mit leichten Erkrankungen in die Notaufnahme rennen, hat Merz nicht. „Wahrscheinlich erwarten sie, dass es schneller geht als beim Hausarzt. Obwohl bei uns der Schweregrad der Erkrankung Priorität hat.“ Und es gerade in Zeiten wie diesen zu Wartezeiten von zwei Stunden und mehr komme. Merz räumt ein, dass vieles auch mit der Eigenwahrnehmung zu tun hat. „Manche Patienten, die mit einer Bagatellerkrankung kommen, glauben, schwer erkrankt zu sein.“