Pirmasens Pirmasens: Apoplex stellt sich international auf
Die Firma Apoplex medical technologies mit Sitz auf der Husterhöhe expandiert. Das Unternehmen hilft, Schlaganfälle zu verhindern. In Deutschland arbeitet Apoplex bereits mit 800 niedergelassenen Ärzten und 103 Kliniken zusammen. Jetzt wird auch der europäische Markt bearbeitet.
„Wir haben uns eine Position erarbeitet, die danach schreit, mit unseren Aktivitäten auch ins europäische Ausland zu gehen.“ Apoplex-Geschäftsführer Albert Hirtz ist nach einem langen Weg – 2004 hatte er die Firma gegründet – heute annähernd dort, wo er hin wollte. „Wir haben uns etabliert“, sagt er. Das Unternehmen mit Firmenadresse in der Delaware Avenue 1-3 (Gründerinnenzentrum) beschäftigt 15 Mitarbeiter, weitere sollen hinzukommen. „Es ist absehbar, dass wir massiv wachsen“, sagt Hirtz. Apoplex setzte im vergangenen Jahr einen siebenstelligen Betrag um „mit einer recht guten Rendite“, so Hirtz. Aber er will nicht ruhen, sondern das Geld, das Apoplex verdient, in die weitere Expansion stecken. Dazu hat er zum 1. Dezember Helmut Becker eingestellt. Der 39-jährige Wirtschaftsingenieur kümmert sich darum, die Apoplex-Technologie europaweit bei Kliniken und Ärzten zu vermarkten.
Verfahren zur Schlaganfall-Risikoanalyse entwickelt
Apoplex hat mit der Schlaganfall-Risikoanalyse SRA ein Verfahren entwickelt, um Vorhofflimmern zu erkennen und so Schlaganfälle zu verhindern. In Deutschland gebe es über eine halbe Million Menschen, die an unerkanntem Vorhofflimmern leiden und damit ein hohes Risiko haben, einen Schlaganfall zu bekommen. „Unsere Mission ist es, über den Schlaganfall-Risikofaktor ,Vorhofflimmern’ aufzuklären und diesen mit SRA zu bekämpfen“, sagt Hirtz. In Deutschland wenden bereits rund 800 niedergelassene Ärzte und 103 Kliniken die Schlaganfall-Risikoanalyse der Firma Apoplex an, hinzu kommen acht Kliniken im europäischen Raum. „Wir sind eine Gesundheitseinrichtung ohne direkten Zugriff auf den Patienten“, vergleichbar mit einem Labor, definiert Albert Hirtz sein Unternehmen. Die Schlaganfall-Risikoanalyse werde mittlerweile schwerpunktmäßig in Krankenhäusern eingesetzt, insbesondere auf Schlaganfall-Stationen (Stroke Units). Das EKG von Patienten, die einen Schlaganfall hatten, wird an die Apoplex-Server übertragen, die Daten werden ausgewertet und zurückgeschickt ans Krankenhaus. So kann ein Vorhofflimmern sofort erkannt und der Gefahr eines erneuten Schlaganfalls vorgebeugt werden. Im vergangenen Jahr seien mit dem Apoplex-Verfahren deutschlandweit fast 62.000 Patienten untersucht worden, so Hirtz. Bei knapp 9800 sei ein Vorhofflimmern festgestellt worden, bei knapp 15.000 habe ein Risiko auf Vorhofflimmern bestanden. „Alle großen Kliniken in Deutschland sind bei uns Kunden“, sagt Hirtz. In diesem Jahr hofft der Apoplex-Geschäftsführer auf einen „deutlichen Sprung“ um 40 Prozent bei den Patientenzahlen. Nun folgt also der nächste Schritt. Apoplex will seine Schlaganfall-Risikoanalyse SRA auch in Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Skandinavien oder Spanien einführen. „Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Europa“, sieht das Unternehmen einen Bedarf für sein Verfahren. Verantwortlich für die Expansion ist Helmut Becker. Er kann auf zwölf Jahre Erfahrung in medizintechnischen Unternehmen wie B. Braun und Nihon Kohden zurückgreifen – und hat eine persönliche Verbindung in die Region: Seine Frau ist in Lemberg aufgewachsen.
Expansion im USA angedacht
Albert Hirtz denkt bereits über Europa hinaus. „Erste planerische Aktivitäten“ gebe es für den Sprung in die USA. „Der US-Markt ist hochspannend“, sagt Hirtz. Ein Partner in den USA helfe derzeit, die praktischen Eintrittsbarrieren für Medizintechnik zu beschreiben. Aber das heißt nicht, dass der deutsche Markt hinten angestellt wird. Neu entwickelt hat Apoplex beispielsweise kleine, kabellose SRA-Geräte, die dem Patienten ohne viel Aufwand an die Brust geheftet werden können, um Vorhofflimmern zu erkennen. Das kann beim Arzt geschehen oder nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, um beispielsweise auch während einer Reha die Daten eines Patienten analysieren zu können. Ein weiteres Projekt könnte die Anstellung eines eigenen Kardiologen sein, der die Krankenhäuser bei der Analyse der Patienten-EKG unterstützt und eventuelles Vorhofflimmern bereits vorab diagnostiziert.