Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Mord im Porno-Kino: Polizei ermittelt seit über vier Jahrzehnten

Das Europa-Movie in der Hauptstraße. Hier wurde Ende Juli 1980 die 30-jährige Geschäftsführerin erstochen aufgefunden.
Das Europa-Movie in der Hauptstraße. Hier wurde Ende Juli 1980 die 30-jährige Geschäftsführerin erstochen aufgefunden.

Vor fast 43 Jahren wurde im ehemaligen „Europa-Movie“ in der Hauptstraße die 30-jährige Inhaberin ermordet. Der Täter wurde nie geschnappt. Bei dem sogenannten Cold Case laufen derzeit wieder Ermittlungen, auch unter Einbindung anderer Polizeibehörden.

Da Mord nicht verjährt, sei der Fall immer wieder aufgenommen und überprüft worden, bestätigte der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Westpfalz, Bernhard Christian Erfort. So würden derzeit wieder Ermittlungen laufen. Aber aus ermittlungstaktischen Gründen macht die Polizei momentan keine weiteren Angaben zu dem Verbrechen.

Was war geschehen in der Nacht zum Donnerstag, am 31. Juli 1980 in der Sex-Film-Disco? Offenbar hatte ein Unbekannter die 30-jährige Inhaberin des Porno-Kinos erstochen. Die Obduktion der Leiche im Gerichtsmedizinischen Institut der Saar-Universität in Homburg ergab, dass die Frau an den Stichverletzungen im Herzbereich verblutet war. Laut Angaben der Pathologen war der linke Lungenflügel, die Luftröhre und eine Lungenschlagader verletzt worden.

Pförtner war schon weg

Eine Nachbarin war die letzte Zeugin, die die junge Frau in der Nacht zum Donnerstag kurz vor Mitternacht lebend gesehen hatte. Die Geschäftsführerin war gegen Mitternacht vermutlich alleine in dem Lokal, in dem Sexfilme gezeigt wurden. Der alte Mann war, der gewöhnlich als Pförtner in einem kleinen Raum neben der Tür sitzt, die Gäste gegen Bezahlung einließ und auch die Filme einlegte, war längst gegangen. Das Geschäft lief an diesem Abend, geht man von der Abrechnung aus, nur schleppend. Grund genug früher Schluss zu machen.

Doch die 30-Jährige kam nie zu Hause an. Als ihr Lebensgefährte um 2.30 Uhr aufwachte und feststellte, dass seine Bekannte immer noch daheim war, verließ er die Wohnung und lief zur Hauptstraße 98 zu der Film-Disco. Das Lokal war verschlossen, aber durch einen Türspalt war noch Licht in dem Raum zu sehen. Als auf sein Klopfen hin niemand öffnete, alarmierte der Mann die Polizei.

Ein Sexualverbrechen?

Die Funkstreife brach die Tür auf. Die Beamten fanden mitten im Raum liegend die Leiche der Inhaberin. Sie war vollständig bekleidet. Direkte Hinweise auf ein Sexualverbrechen wurden zwar nicht entdeckt, aber seien auch nicht auszuschließen, so der Oberstaatsanwalt in Zweibrücken. Auch informierte er, dass von der Tatwaffe, einem spitzen Gegenstand, jede Spur fehlt.

Ein Siegelring mit diesemeingravierte Symbol wurde bei der Leiche gefunden. Der Ring gehörte nicht der ermordeten Frau.
Ein Siegelring mit diesemeingravierte Symbol wurde bei der Leiche gefunden. Der Ring gehörte nicht der ermordeten Frau.

Eine Spur fand sich dann doch: ein silberner Ring mit türkisblauer Platte und einem Cannabisblatt eingraviert. Der Ring zählte nicht zum Eigentum der Ermordeten, könnte also dem Täter gehören. Insgesamt gingen bei der Kripo, die damals eine Sonderkommission aufgestellt hatte, zwar zahlreiche Hinweise ein, aber eine heiße Fährte war nicht darunter. Ebenso wenig gab es Fallentscheidende Tipps von den Zuschauern, die im Februar 1981 die Sendung „XY ungelöst“, gesehen hatten. In der Fernsehsendung, damals noch mit Moderator Eduard Zimmermann, war der Fall präsentiert worden. Gesucht wurde beispielsweise eine Frau in einem grünen Auto, das in der Mordnacht gegenüber dem Europa-Movie geparkt hatte. Ein Pirmasenser Taxifahrer berichtete, dass in diesem Wagen eine blonde Frau saß. Diese Frau wurde als Zeugin gesucht, die sich dann nach der Sendung meldete, allerdings keine entscheidenden Hinweise geben konnte.

Akten mittlerweile digitalisiert

Insgesamt gingen 60 Anrufe bei der Kripo Pirmasens und im Münchner XY-Studio ein. Davon gaben zehn Anlass zu weiteren Ermittlungen. Oberstaatsanwalt Wilhelm Sattler sagte damals gegenüber der Presse, dass „wir froh sind über ein solch großes Echo aus der Bevölkerung. Wir hoffen auf weitere Hinweise.“ In der Tat, hat es „immer wieder Hinweise auf mögliche Täter gegeben“, so Pressesprecher Erfort auf eine Anfrage der RHEINPFALZ, wie solche ungeklärten Fälle von Polizei und Justiz gehandhabt werden. „Die Fall-Akten werden beim Polizeipräsidium Westpfalz vorgehalten und sind digitalisiert“, sagte Erfort. Derzeit könnten aber aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben gemacht werden.

Bei dem Symbol auf dem Ring handelt es sich um ein Cannabis-Blatt, aus dem bekanntlich Hasch hergestellt wird.
Bei dem Symbol auf dem Ring handelt es sich um ein Cannabis-Blatt, aus dem bekanntlich Hasch hergestellt wird.
Die Schlosstreppen im Bau: noch ohne Stierkopf, ohne Wasserkaskaden, der pure Beton. Rechts das Volksbank-Gebäude, der damaligen

75 Jahre Lokalredaktion Pirmasens

Im Mai 1947 erschien erstmals ein Pirmasenser Lokalteil der RHEINPFALZ. Das war die Geburtsstunde der „Pirmasenser Rundschau“. Hier sehen Sie unsere Berichterstattung zum Jubiläum.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x