Pirmasens Linden abgeholzt: „Es bricht mir das Herz“

Die fünf Linden an der Kaffeetreppe sind weg. Lediglich an einem Baumstumpf ist ein deutlicher Schaden erkennbar. Die Treppe ble
Die fünf Linden an der Kaffeetreppe sind weg. Lediglich an einem Baumstumpf ist ein deutlicher Schaden erkennbar. Die Treppe bleibt gesperrt

Die Linden an der Kaffeetreppe sind weg, nur noch Baumstümpfe sind übrig. Eine notwendige Maßnahme, sagt die Stadt. Anwohner sind entsetzt und äußern Zweifel.

Drei Tage lang brauchten Forstarbeiter mit Unterstützung eines riesigen Schwerlastkrans, um die fünf Linden an der Kaffeetreppe zu beseitigen. Das Holz wird zum Heizen genutzt. Die Verwaltung sieht nach der Fällung ihre Diagnose bestätigt.

Gleich mit Beginn der Fällung meldeten sich die ersten Anwohner, die entsetzt waren, dass die Stadt jetzt tatsächlich alle Bäume fällen will. Eine Frau in der Brückengasse, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, kann nicht verstehen, dass alle Bäume in einem Zug beseitigt werden. „Wieso fangen die nicht mit einem Baum an und prüfen, ob die Messungen in Ordnung waren“, fragte sich die Frau, die sich nun nach dem Verschwinden der Bäume sorgt, wie sich das Kleinklima in der Ecke entwickeln wird. „Mit der Sonneneinstrahlung wird das schlimm“, so ihre Befürchtung.

Ein Baumstumpf zeigt klar, dass hier eine Krankheit den Baum von innen zerfressen hat.
Ein Baumstumpf zeigt klar, dass hier eine Krankheit den Baum von innen zerfressen hat.

„Es bricht mir das Herz“, meint der Pirmasenser Heinrich Forster, der die Fällarbeiten aus der Schäferstraße verfolgt und die Frage stellt, wieso nicht wenigstens die zwei noch intakten Bäume stehen bleiben könnten. „Es ist eine Tragödie“, findet auch Uli Pletsch, früherer Kreisvorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz, der sich abends an der Kaffeetreppe einfindet und um Fassung ringt, angesichts der Baumstümpfe.

„Der Baum sieht nach nix mehr aus“

Die Frage nach dem Grund für die Fällung aller Bäume, begründet der Leiter des Garten- und Friedhofsamtes, André Jankwitz in einem Beitrag der Stadtverwaltung auf Instagram, mit der höheren Angriffsfläche der Bäume ohne die drei anderen. „Wir müssten die Kronen ganz stark reduzieren. Da bleiben ein paar Blättchen übrig. Der Baum sieht nach nix mehr aus“, so Jankwitz in dem Beitrag. Der Brandkrustenpilz sei durch die anderen Bäume bereits im Boden, und in wenigen Jahren müssten auch die zwei übrig gebliebenen Bäume weg, so Jankwitz.

An den meisten Baumstümpfen ist rein optisch nichts zu sehen von einer Erkrankung.
An den meisten Baumstümpfen ist rein optisch nichts zu sehen von einer Erkrankung.

Die Aktion mit Schwerlastkran und einem Dutzend Forstarbeitern sowie Häcksler hat laut Sabine Sturm von der Pressestelle der Stadtverwaltung über 20.000 Euro gekostet. Eine Fällung mit weniger Aufwand sei nicht möglich gewesen, da der Fällbereich in die Gärten und umliegenden Häuser reiche. Ein Absägen und Absetzen sei auch nicht möglich, da die Aufräumarbeiten Wochen gedauert hätten. „Wir haben die kostengünstigste und sicherste Methode gewählt“, so Sturm.

Die Frage, ob sich nach der Fällung der Bäume der Befund der Gutachterin bestätigt habe, beantwortet Sturm mit dem Verweis auf die Präsentation im Stadtrat vom 11. Mai. „Die Ergebnisse haben sich im Rahmen der Fällarbeiten bestätigt“, so Sturm knapp.

Gutachten bestätigt Pilzbefall

Wie die Stadtverwaltung auf die Gutachterin Francesca Waeldin aus Zweibrücken kam, erläuterte Sturm mit Verweis auf die Dringlichkeit der Prüfung. Zunächst hätten die städtischen Baumsachverständigen den Pilzbefall festgestellt. Die Stadt habe eine Zweitmeinung gewünscht und deshalb Waeldin beauftragt, da sie eine deutschlandweit anerkannte und unabhängige Gutachterin in der Nähe sei. „Dies bot sich an, statt jemanden aus der Ferne zu beauftragen“, erläuterte Sturm weiter. Die Spezialgeräte von Waeldin habe die Stadt nicht. Ihre Schalltomografie habe 1000 Euro gekostet. Waeldin habe bereits in der Vergangenheit für die Stadt auf dem Waldfriedhof gearbeitet.

Ein riesiger Schwerlastkran beförderte die Forstarbeiter über die Luft in die Baumkronen zum Abholen der abgeschnittenen Baumtei
Ein riesiger Schwerlastkran beförderte die Forstarbeiter über die Luft in die Baumkronen zum Abholen der abgeschnittenen Baumteile.

Treppe bleibt gesperrt

Das Holz der Bäume wird für Heizzwecke verwendet. Die Kronen und Äste mit viel Laub und Grünanteil gehen über die Firma Lahner Forst in eine Spezialheizanlage. Die Stämme bleiben in Pirmasens, wie ein Mitarbeiter vor Ort erzählte.

Die Treppenanlage bleibt übrigens weiter gesperrt und wird mit Schlössern und Ketten gesichert. Nachdem die Bäume weg sind, lautet die Begründung nun, dass die Treppen zu gefährlich seien, wie ein Mitarbeiter vor Ort erläutert, wenn Passanten die Kaffeetreppen nutzen wollen.

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