Leimen RHEINPFALZ Plus Artikel Leimen ringt um Pfarrheim: Gemeinde prüft Erbbaurecht, Kirche plant Verkauf

Im Stile der 1930er Jahre wurden Pfarrkirche und Pfarrhaus als Gebäudeensemble erbaut. Nun soll das Pfarrhaus (links) verkauft w
Im Stile der 1930er Jahre wurden Pfarrkirche und Pfarrhaus als Gebäudeensemble erbaut. Nun soll das Pfarrhaus (links) verkauft werden.

Für die Gemeinde könnte das Pfarrhaus „ein Platz für alle öffentlichen Belange“ werden. Derweil schreibt der Pfarrverwaltungsrat das Gebäude zum Verkauf aus.

Die Sache mit dem Pfarrheim in Leimen ist ein heißes Eisen. Den ersten öffentlichen Paukenschlag hat Ortsbürgermeister Alexander Frey in der Gemeinderatssitzung im Mai 2025 gesetzt. Dort gab er bekannt, dass man sich seitens der politischen Gemeinde im Rahmen der Zeit als Schwerpunktgemeinde (auf acht Jahre) ernsthaft damit befassen könnte, das Pfarrhaus zu kaufen.

Der Erste Beigeordnete Michael Schwarz, gleichzeitig Vorsitzender des Heimatvereins, informierte den zuständigen Leiter der Pfarrei Maria Königin, Pfarrer Franz Ramstetter, von diesem Ansinnen – sowohl in einem Gespräch im November 2025 als auch mit einem Anschreiben. Angedacht war dabei, in Erbbau-Pacht das Pfarrheim, gegebenenfalls auch noch den Pfarrgarten, in Anspruch nehmen zu können. Aber mit Schreiben vom März dieses Jahres wies Pfarrer Ramstetter darauf hin: „Die Möglichkeit über Erbbau-Vertrag ist uns bekannt. Dies wird aber von Seiten des Bistums aktuell nur noch bei Kirchengebäuden genehmigt.“ Und weiter: „Die Haushaltslage der Kirchengemeinde lässt dies leider nicht mehr zu.“

Angelegenheit gewinnt an Tempo

Hintergrund, weshalb die Sache nun Fahrt aufgenommen hat, ist, dass in der Ratssitzung Anfang Mai öffentlich bekanntgegeben wurde, dass seitens der Pfarrei Maria Königin daran gedacht wird, einen Teil der im Pfarrheim installierten Küche auszubauen und nach Rodalben zu bringen. In der Kirche Sankt Josef in Rodalben „ist vieles in die Jahre gekommen“, wurden die Toilettenanlage und der Boden der Unterkirche erneuert.

In Eigenleistung soll die Küchenzeile erneuert werden. Für eine neue Küche sei kein Geld da. Deshalb habe der Verwaltungsrat entschieden, die benötigten Küchenteile aus der Küche des Pfarrhauses in Leimen zu verwenden, bestätigte Pfarrer Ramstetter. Auch macht Ramstetter deutlich, dass man bei der Sanierung im Rodalber Pfarrheim einen Zeitplan aufgestellt habe, worin auch die Gegenstände aus Leimen mit berücksichtigt wären.

Bei einem Gespräch mit Pfarreileiter Ramstetter unterrichtete dieser, dass die Liegenschaftsabteilung des Bischöflichen Ordinariats in Speyer grundsätzlich beabsichtigt, das Pfarrheim zu verkaufen. Die Liegenschaftsabteilung habe beratende und genehmigende Zuständigkeit, so Ramstetter, der Verwaltungsrat des Bistums sei das Entscheidungsgremium. „Es ist kein Geld mehr da“, so Pfarrer Ramstetter.

Die Pfarrei könne den Unterhalt des Hauses nicht mehr finanzieren. Trotzdem habe er das Ansinnen der Gemeinde, mittels Erbbau-Pachtvertrag (auf 99 Jahre) über das Pfarrheim verfügen zu können, an Speyer weitergegeben, wo der Vorschlag geprüft werde. In diesem Zusammenhang macht Pfarrer Ramstetter noch einmal deutlich: „Speyer verkauft nur Pfarrheime, aber keine Kirchen.“ Kirchen könnten also im Erbbau-Pachtrecht weitergegeben werden.

Als Gründe für fehlende Finanzen führte der Pfarreileiter an: Zunahme der Kirchenaustritte, geringerer Anteil der Kirchensteuerzuteilung an die Pfarreien. Als Folge werde die Unterhaltung der vorhandenen Gebäude immer schwieriger. Da die Stiftungen keine regelmäßigen, festen Einnahmen mehr hätten, aber mit steigenden laufenden Kosten zu rechnen seien, müsse die Pfarrei reagieren, um nicht zahlungsunfähig zu werden. Dies sei der Hintergrund der Beratungen des Verwaltungsrates gewesen, sich vom ehemaligen Pfarrhaus in Leimen zu trennen.

Priorität läge auf dem Verkauf, um weitere Kosten zu vermeiden. Sei Erbpacht aber möglich, müsste im nächsten Schritt geklärt werden, was das für die Vertragspartner beinhalte. Diese Verhandlungen seien dann vollständig frei: „Der Verwaltungsrat ist dazu bereit“, sagt Ramstetter. Der Kirchenstiftung dürften jedoch keine Kosten entstehen.

Gemeinde hat noch keine offizielle Antwort

Aufseiten der Gemeinde Leimen zeigt sich der Erste Beigeordnete Michael Schwarz etwas befremdet. Schwarz erinnert an sein Nachfrage-Anschreiben, das bezüglich Prüfung bis dato unbeantwortet blieb. Dies befindet er auch mit Blick auf den sogenannten „Rodalber-Zeitplan“ für die dortige Pfarrheimsanierung. Man fühle sich unter Druck gesetzt. „Es wäre sinnvoll, das Gebäude nun nicht weiter in seiner Grundausstattung zu beschneiden. So wurden etwa für die Küche eigens die Räumlichkeiten angepasst, damit diese eingebaut werden konnte“, macht Schwarz deutlich.

Seit etwa Ende 2023 sei die Idee, als die Dorferneuerung im Raum stand, touristisch sowohl Gebäude (also Pfarrhaus) und den anschließenden Garten, ebenso den in die Jahre gekommenen, angehängten Wald als Ort für Gemeinschaft und Platz der Ruhe innerhalb der Dorfmitte zu implementieren, listet Schwarz auf. Gründe seien, dass im Pfarrhaus Platz für den Gemeinderat (etwa Ratssaal), auch ein Platz für alle ortsansässigen Konfessionen entstehen; Platz für die Musikgruppe zum Üben, ein Vereinsheim für alle, welche keine eigenen Räume haben, zu schaffen. „Also offen für alle öffentlichen Belange und alle Konfessionen“, so der Erste Beigeordnete.

Im Hinblick auf die Sanierungskosten im Pfarrhaus sei die Hürde sinnvoll, mit einem Erbbaurecht zu starten, begründet Schwarz die Idee. Schließlich müsse im Pfarrheim für Barrierefreiheit und Fluchtwege gesorgt werden, zudem stehe die energetische Sanierung an, da das Gebäude noch über eine alte Ölheizung verfüge. Den Ausbau im Obergeschoss, das Anlegen des Pfarrgartens und Forstmaßnahmen im Pfarrwald nennt Schwarz als weitere Kostenfaktoren. Dazu verweist er auf Präzedenzfälle wie etwa in Weselberg, Maßweiler und Geiselberg, welche aktuell auch diesen Weg eingeschlagen hätten. Deshalb sei seine Frage: „Also warum nicht in Leimen?“

Ausgebaute Küche ist kein Hinderungsgrund

Mit Blick auf das Thema Küche befand Michael Schwarz, dass diese zwar nicht als „der Showstopper“ zu sehen sei, es gehe darum, der Öffentlichkeit von Leimen gehöriges Gebäude mit angrenzendem Wald dauerhaft wertschätzend den Bürgern zu erhalten. Auch macht Schwarz, der federführend in Sachen Dorferneuerung ist, deutlich, dass das Pfarrhaus ein Teil des Sanierungsgebietes sei, also Kern der Dorferneuerung im „Quartier Mitte“. Bei der gemeindlichen Bewerbung habe man im Dorferneuerungskonzept das Pfarrhaus und das Gelände einer wesentlichen Rolle zugeführt.

Ramstetter bestätigt, dass eine öffentliche Ausschreibung zum Verkauf des Pfarrhauses vorgesehen ist. Es sei sogar schon ein interessierter Käufer vorstellig gewesen, jedoch sei dieser aufgrund der Länge der Verhandlungsdauer abgesprungen. Ein Pluspunkt für die Gemeinde: Für Schwarz steht fest, dass ein Verkauf „ein großer Verlust für die Öffentlichkeit“ bedeuten würde und eventuell auch das Zukunftskonzept der Gemeinde in Gefahr bringen könnte.

Info

Das katholische Pfarrhaus in Leimen wurde 1931/32 erbaut. Bewohnt wurde es von den jeweiligen Pfarrern. Ab 2006 stand das Gebäude leer, nachdem Pfarrer Joseph Becker weggegangen war. Unter Pfarrer Berthold Koch wurde das Pfarrheim noch komplett saniert, wobei schon da die ursprünglich geplanten Kosten von 316.000 auf 209.000 Euro reduziert werden mussten. Damals erfolgte auch der Einbau der Küche für 15.000 Euro. Diese wird von Messdienern, Kirchenchor, Katholischer Frauengemeinschaft sowie von Pfarr- und Verwaltungsrat genutzt. Das Gebäude beinhaltet eine behindertengerechte Toilettenanlage, Akustikdecke und mehr. Die Kosten wurden aus dem Dienstwohnungsfonds der Diözese Speyer komplett bezahlt.

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