Pirmasens Investition in „Industrie 4.0“
Seit 2017 arbeitet die Atom Stanz- und Schneidesysteme GmbH am neu gebauten Firmensitz auf der Husterhöhe. In dieser Woche wird mit Kunden und Kollegen aus In- und Ausland Eröffnung gefeiert. Auch mit einer Hausmesse, die Weltneuheiten zeigt. Das Geschäft mit den Maschinen brummt: Trotz Umzugs hat die deutsche Atom-Tochter den Umsatz gesteigert.
Christopher Thornhill hat Grund zur Freude. Denn 2016 ist gut gelaufen für die Atom Stanz- und Schneidesystem GmbH: Die Tochter des italienischen Maschinenbauers Atom hat ihren Umsatz von rund 6,5 auf über sieben Millionen Euro gesteigert. Und dies trotz erschwerter Bedingungen, wie ihr Geschäftsführer feststellt. Denn der Umzug zum Jahreswechsel aus den gemieteten Räumen in Rodalben ins neu gebaute größere Firmendomizil auf der Husterhöhe vollzog sich bei laufendem Betrieb. Sie hätten sozusagen „nebenbei“ geplant und gebaut, stellt Thornhill fest – „ein großes Kompliment an die Mitarbeiter“. Auch die Belegschaft ist um zwei Köpfe auf 15 gewachsen, darunter ein kaufmännischer Auszubildender. Mitarbeiter werden übrigens weiterhin gesucht: reisebereite Techniker, also Fachleute für den Service an jenen Maschinen und Anlagen, die Kunden aus Deutschland, aus Österreich und der Schweiz, aus den Niederlanden und aus dem skandinavischen Raum kaufen. Gefragt ist für jene Maschinen längst nicht mehr der reine Techniker, denn die Elektronik nimmt dort immer mehr Raum ein – das Stichwort „Industrie 4.0“ beherrscht die Entwicklung bei Maschinenbauern. Auch beim italienischen Konzern Atom in Vigevano, der Stanz- und Schneidesysteme für verschiedene Materialien und Branchen entwickelt und produziert, ebenfalls mit eigener Software. Nur ein Beispiel für die rasch fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung ist ein neuer Schneidetisch, der automatische Zufuhr von Material, Zuschnitt und – neu – die maschinelle Entnahme des Produktes vereint. Beispiel Nummer zwei ist die Anlage „All in one“ (Alles in einem) – eine Weltneuheit aus der Atom-Entwicklung, sagt Thornhill sichtlich stolz. Denn die erledigt nun alleine, wofür man bisher drei Maschinen benötigte. Automatisch. Dieser Schneidetisch mit geschützter Software kann daher weit mehr als schneiden: Er kann etwa eine Lederhaut so vermessen, berechnen und schneiden, dass diese optimal genutzt wird und möglichst wenig Verschnitt anfällt. Und zwar ohne Leerlauf, betont Thornhill. Denn ist das Material vermessen und markiert, wird es auf dem Tisch nach hinten transportiert zum Schneiden – während vorne bereits der nächste Auftrag bearbeitet werden kann. Das erspare Kunden einiges, stellt Thornhill fest: Platz, Material, Kosten. Auch Personal werde weniger benötigt, meint er – zumindest an der Maschine, nicht aber bei der Arbeitsvorbereitung. Generell, glaubt Thornhill, werde durch Automatisierung nicht unbedingt Personal abgebaut in der Industrie, sondern eher verschoben – in Richtung höher qualifizierte Arbeitsplätze. Dass die neuen Maschinen auch bei den Kunden gut ankommen werden, davon ist Thornhill überzeugt. Allein für den „All in one“- Schneidetisch gebe es bereits zwei konkrete Interessenten aus der Schuhindustrie und einen aus dem Automobilbereich. Zu sehen bekommen jene Maschinen die Kunden, die ab heute zur mehrtägigen Hausmesse kommen; etwa 20 bis 30 haben bisher pro Tag zugesagt. Das neue Domizil, das insgesamt etwa zwei Millionen Euro kostete – „alles selbst erwirtschaftet und angespart“, so Thornhill – wird dann offiziell am Freitag eingeweiht. WIRTSCHAFT Atom-Ausstellung Anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Maschinenbauers Atom wurde die Ausstellung „Atom: The Cutting Factory“ konzipiert, in der zwölf Designer Möglichkeiten der Technologien zeigen. Die Schau ist nun im Rheinberger (früheres Lokal) bis 28. Mai zu sehen.