Pirmasens „Igittigitt“ gibt es mehr als genug
Der Pirmasenser Wohnungsmarkt sei nicht der schlechteste, meint Martin Zepp-Linse vom Mieterverein. Es fehle jedoch an vernünftigem Wohnraum für Leute, die kein üppiges Gehalt haben. „Eine Ghettobildung muss vermieden werden“, sagt Zepp-Linse und warnt vor einer Konzentration auf hochwertigen Wohnraum.
Natürlich weiß der Vorsitzende des Mietervereins Westpfalz von vielen Beispielen in Pirmasens, die das Negativbild der Stadt geprägt haben. Häuser, in denen seit Jahren kein Cent investiert wurde, mit einer Elektrik, die aus der Wohnung ein Pulverfass macht, und Sanitäranlagen bis „Igittigitt“, wie sich Zepp-Linse ausdrückt. Diese Sorte Wohnungen fände man in Pirmasens hauptsächlich im untersten Preissegment und davon gebe es mehr als genug. Über die Ursachen mag der Anwalt nicht spekulieren. Allerdings seien viele dieser Objekte als Altersvorsorge gedacht gewesen und hätten sich ab einem bestimmten Punkt sehr ungünstig entwickelt. Irgendwann fehlten dann die Einnahmen für die nötigsten Reparaturen und eine Abwärtsspirale setzte sich in Gang, an deren Ende ein Dauerleerstand steht. Gerade für die Bezieher von kleinen Einkommen oder von Hartz IV herrsche ein Mangel an Wohnraum, der auch bewohnbar ist. „Die Zahl der Bezieher von staatlichen Transferleistungen geht hoch und hier ist auch Bedarf an Wohnungen. Da fehlt es in Pirmasens“, so die Beobachtung von Zepp-Linse, der täglich die Sorgen der Mieter aus der ganzen Stadt hört. Große Mieten könnten da nicht gezahlt werden. 3,58 bis 3,68 Euro zahle das Jobcenter pro Quadratmeter und Monat für eine Wohnung. Für die durchschnittlichen Wohnungen in der Stadt werde zwischen 3,70 und 4,40 Euro pro Quadratmeter gezahlt und das findet Zepp-Linse auch einen angemessenen Preis, der für die Instandhaltung des Objekts reicht und dem Vermieter eine gute Verzinsung garantiere. „Mehr als man bei der Bank bekommt auf jeden Fall.“ Das Gros der Vermieter könne die Lasten des Hauses auch tragen, sofern sie nicht der Sorte Vermieter angehörten, die von der ganzen gezahlten Miete den eigenen Lebensunterhalt bezahlten. Die gängige Meinung, dass im Pirmasenser Wohnungsmarkt kein Geld zu verdienen sei, werde auch durch das Engagement auswärtiger Investoren in der Stadt widerlegt. „Es gibt einige Objekte in der Stadt, die gezielt von auswärts aufgekauft, saniert und entwickelt werden. Wir haben Investoren, bei denen klappt es.“ Die Bauhilfe habe beispielsweise einige Häuser abgestoßen, die jetzt besser dastünden als zuvor. „Ich höre aus diesen Häusern, dass die Sanierung funktioniert hat.“ Zu dem schlechten Bild von Pirmasens habe auch eine Reihe von betrügerischen Immobiliengeschäften vor 20 Jahren beigetragen. Anlegern aus Großstädten waren Wohnungen mit Mietzusagen verkauft worden, die sich am Preisniveau von Stuttgart oder Karlsruhe orientierten. Die Finanzierung erfolgte über Kredite, die von der hohen Miete abbezahlt werden sollten. Einer Miete, die in Pirmasens nie bezahlt würde. Die Folge waren eine Reihe von Zwangsversteigerungen. „Solche Investoren brauchen wir hier nicht.“ Die im Innenstadtforum geforderte Schaffung von hochwertigem Wohnraum für Besserverdienende hält Zepp-Linse für gerechtfertigt, warnt aber davor, die sozial schwächeren Schichten in der Stadt zu vergessen. Und hier sieht er die Bauhilfe in der Pflicht. „Ein privater Vermieter kann das nicht immer stemmen. Hier ist die Stadt und deren Tochter, die Bauhilfe, gefordert.“ Das Engagement der Bauhilfe in Projekten wie Patio im Winzler Viertel findet Zepp-Linse zwar gut, hätte die Investition aber lieber in Wohnungen gesehen, die einem größeren Kreis von Mietern zugute kommen. Einen Mangel erkennt er auch im günstigen Wohnraum für junge Pirmasenser. „Die wollen keinen Schnickschnack, aber eine vernünftige Ausstattung.“ Und hier werde wohl bald für Pirmasenser Unternehmen die Notwendigkeit bestehen, selbst in Wohnungen zu investieren für ihre dringend gesuchten Fachkräfte. „Das wird dann wieder so wie damals, als die Brauerei oder große Fabriken eigene Wohnungen für ihre Arbeiter hatten.“ (Foto: Kadel)