Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Hauenstein und Chauffailles erneuern Partnerschaft

Ein ganz besonderes Gastgeschenk auf kunstvoller Seide überreichte Bürgermeisterin Stephanie Dumoulin (rechts) .
Ein ganz besonderes Gastgeschenk auf kunstvoller Seide überreichte Bürgermeisterin Stephanie Dumoulin (rechts) .

Ein Seiden-Geschenk setzt ein starkes Zeichen: Hauenstein und Chauffailles starten neu – mit viel Tradition und Blick nach vorn. Thomas Merz wird zum Motor der Erneuerung.

Symbolträchtiger hätte die Erneuerung der Partnerschaft zwischen Hauenstein und dem südburgundischen Textilstädtchen Chauffailles kaum ausfallen können: Eine rund 40-köpfige Delegation unter Führung von Bürgermeisterin Stéphanie Dumoulin überreichte beim Begrüßungsabend im Festsaal des Landhotels Wasgau – musikalisch begleitet vom Musikverein Hauenstein – ein hochwertiges Gastgeschenk aus kunstvoll gefertigter Seide.

Das Werk verdichtet die Renaissance-Intention und Zukunftsvision der partnerschaftlichen Tradition: Die Schuhe, die Hauenstein seit 1886 zum größten Schuhdorf gemacht haben, begeben sich symbolhaft auf die 550 Kilometer lange Reise in die einstige Textilhochburg Chauffailles, wo der charismatische Landpfarrer Lambert 1843 die Seidenindustrie als Tor zum Wohlstand einführte.

Diese seelenverwandte Verknüpfung beider Gemeinden soll auch künftig ein fester Garant für die Partnerschaft sein. Das kostbare Geschenk, das das enge Band nach einer Phase relativer Ruhe neu knüpft, brachte dies eindrucksvoll zum Ausdruck.

Auf ein starkes Europa angewiesen

Sowohl Ortsbürgermeister Steffen Mellein, der sich während der drei Tage als zugewandter Gastgeber zeigte, als auch seine französische Kollegin Stéphanie Dumoulin betonten in ihren Ansprachen, dass die Partnerschaft mit ihren alten Wurzeln in neuen Formen in die Zukunft hineinwachsen werde. „Wir alle sind in diesen unruhigen Zeiten auf unsere gemeinsamen Wurzeln in einem starken Europa angewiesen“, sagte Dumoulin, die bereits in der Amtszeit von Ortsbürgermeister Michael Zimmermann die Erneuerung der Partnerschaft angestoßen hatte. Die Umsetzung hatte sich durch die Corona-Pandemie verzögert.

Den größten Anteil an der Wiederbelebung – darin waren sich alle Redner einig – hat der „Motor dieser Renaissance“, Thomas Merz (55). Er hielt mit seinem Boule-Verein seit 1997 die Verbindung am Leben. Für diese Erneuerungsbegegnung gab es großes Lob an Merz, sein Organisationsteam um Anna Scheib, viele neue Partnerschaftsfreunde aus der vornehmlich jungen Bürgerschaft sowie Chefübersetzer Olivier Schächter. Ortsbürgermeister Mellein sieht die Zukunft der Partnerschaft „ganz nah bei den Bürgerinnen und Bürgern, vor allem aber bei der Jugend“.

Große Bühne für die Partnerschaft

Die Partnerschaftszeremonie bekam beim Jubiläumswochenende „140 Jahre Schuhgeschichte“ eine große Bühne vor Hunderten gut gelaunter Festgäste. Landrätin Susanne Ganster (CDU) erinnerte daran, dass Hauenstein und Chauffailles zu den ersten Gemeinden im Landkreis gehörten, die aus begeisterten Partnern jahrzehntelange Freunde wurden. Neben Landtagsabgeordnetem Christof Reichert (CDU) kamen viele, die der „so wichtigen Erneuerung Europas in diesen schweren Zeiten“ (Mellein) das Wort redeten.

Vor Ort lernten sich der 14-jährige Daniel und der 13-jährige Come (rechts) aus Chauffailles kennen und machten einen gemeinsame
Vor Ort lernten sich der 14-jährige Daniel und der 13-jährige Come (rechts) aus Chauffailles kennen und machten einen gemeinsamen Ausflug auf den Needingfelsen.

Für die französischen Gäste hatte das Treffen eine große kommunikative Bedeutung, dass das regionale Fernsehen „Télé-Breonnais“ die Eröffnungsfeier auf dem Pfälzer-Hof direkt übertrug. Beifall fanden auch die politischen Worte von Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hauenstein Patrick Weißler, der die aktuelle Bedeutung der europäischen Gemeinsamkeit hervorhob und Präsident François Mitterrand zitierte: „Je déteste la guerre et je déteste le nationalisme“ (Ich hasse den Krieg und ich hasse den Nationalismus). Es liege an uns, so Weißler, „uns gegen den Nationalismus zu wehren, diesen immer wieder zu überwinden und Freundschaft und Partnerschaft als Fundament unseres politischen Handelns zu etablieren“.

Erweiterung der Freundschaft ist geplant

In diesem Geist der Erneuerung und der notwendigen europäischen Gemeinsamkeit verliefen die drei Tage abwechslungsreich und in familiärer Atmosphäre. „Wir haben eine großartige Gastfreundschaft – Convivialité – in Hauenstein erfahren“, sagte Bürgermeisterin Dumoulin, die gemeinsam mit den Hauensteiner Freunden die Tradition in zeitgemäßen Formen weiterführen will.

Möglich ist zudem eine Erweiterung: Die Chauffailler Partnergemeinde Sanem-Belvaux aus Luxemburg war durch Beigeordneten Mike Lorang vertreten. „Ich werde alles dafür tun, dass wir bald eine Dreier-Partnerschaft Hauenstein–Chauffailles–Sanem sind“, sagte er beim geselligen Abschiedsabend am Hauensteiner Paddelweiher und erhielt dafür großen Beifall.

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