Pirmasens
Gipssäcke und Holz aus dem Garten: Pirmasenserin verwandelt Baumaterial in Kunst
Eigentlich wollte Céline Marie Peter aus Pirmasens Tierärztin werden. Das hatte sie sich zumindest während ihrer Schulzeit so vorgestellt. Ein Praktikum in einer Tierarztpraxis zeigte ihr jedoch, dass das für sie nicht der richtige Weg ist. „Ich wollte einen Beruf mit familienfreundlicheren Arbeitszeiten“, sagt Peter. Die heute 27-Jährige entschied sich nach dem Abitur daher für das Lehramtsstudium, zuerst wählte sie die Fächerkombination Deutsch und Erdkunde an der Universität in Landau. Da sie sich im Fach Deutsch doch nicht so wiedergefunden habe wie erwartet, habe sie den erforderlichen Eignungstest gemacht und im Sommersemester 2021 zu Kunst gewechselt, berichtet sie.
Sie habe Kunst schon immer sehr gemocht, sich allerdings nicht vorstellen können, das beruflich zu nutzen. „Ich konnte mich mit keiner Sparte völlig identifizieren“, erzählt Peter. So habe sie viele ihrer Werke während des Studiums nur gefertigt, da dies verlangt worden sei. „Es heißt immer, dass bis zum Ende des Studiums jeder seine Nische findet“, schildert Peter. Für sich selbst habe sie daran gezweifelt – bis der Funke tatsächlich übergesprungen sei.
Beim Renovieren Material Gips für Kunst entdeckt
„Die Vorgabe war, etwas aus zwei Materialien herzustellen. Alles andere war frei“, erinnert sich die heute 27-Jährige an das Wintersemester 2022/23. Ohne konkrete Vorlage zu arbeiten, sei herausfordernd gewesen. Da sie zu dem Zeitpunkt zu Hause gerade beim Renovieren mit Gips arbeitete und dieses Material schätzen gelernt hatte, entschied sie sich dafür. „Damit kann man super viel machen“, erzählt sie. Auf der Suche nach einem weiteren Material wurde sie beim Holzschnitt im Garten fündig. So entstand aus Gips und Holz das erste Kunstwerk, das sie zwar für die Uni, aber gleichzeitig auch für sich selbst anfertigte. Damit hatte die junge Künstlerin ihre Nische gefunden. Im November 2025 schloss sie ihr Studium mit dem Master ab, das nächste Ziel ist nun das Lehramt: Im Sommer bewirbt sie sich für ein Referendariat. Bis dahin ist sie als Vertretungslehrerin am Leibniz-Gymnasium beschäftigt.
Parallel dazu arbeitet Céline Marie Peter als selbstständige Künstlerin, ihre erste Vernissage fand Ende März bei einer Afterworkparty der Psychologin und Psychotherapeutin Alexandra Zäuner im Hermann-Jakob-Haus an der Ecke Dankelsbachstraße/Höfelsgasse statt. Dort zeigt Peter 15 ihrer Werke. Davor hatte sie während des Studiums ausgestellt, auch bei einer Mitmach-Ausstellung in der Alten Post war sie mit ihren Arbeiten vertreten.
In Gedanken entsteht die nächste Reihe
Gearbeitet wird im Atelier im heimischen Elternhaus, dort stapeln sich die Gipssäcke griffbereit unter dem Schreibtisch. Die Wände zieren Arbeiten aus dem Studium. Besondere Formen und Texturen haben es Céline Marie Peter angetan. Das Arbeiten mit Holz macht ihr zwar Spaß, benötigt aber viel Ausrüstung. Das sei in der Holzwerkstatt an der Uni kein Problem gewesen, doch zu Hause hat sie diese Werkzeuge nicht. Und so wechselt Peter das zweite Material immer wieder, während der Gips beständig ist.
Derzeit arbeitet die Künstlerin gedanklich an einer neuen Reihe. Sie würde gerne Zitate ästhetisch aufbereiten, mit der sich Menschen beispielsweise ihre Lieblings-Liedzeile ins Wohnzimmer holen können. Noch gibt es keinen Prototypen, doch vor ihrem geistigen Auge sieht Peter bereits genau, was sie machen will.
Die Serie
In unserer Serie „Wir machen Kultur“ stellen wir in loser Folge Menschen vor, die das kulturelle Leben in Pirmasens und der Südwestpfalz gestalten – als Aktive auf der Bühne oder als Macher im Hintergrund.