Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel FWB will Sprachdefizite der Schüler verringern

Besondere Vorbereitungsklassen könnten helfen.
Besondere Vorbereitungsklassen könnten helfen.

Viele Pirmasenser Schüler haben kaum Deutschkenntnisse. Es werden Vorbereitungsklassen für diese Kinder gefordert. Davon will aber die Landesregierung nichts wissen.

Laut Helga Knerr vom Freien Wählerblock (FWB) reichen die bisherigen Vorbereitungen in Kindertagesstätten oder einzelne Deutschstunden im Unterricht nicht aus, um das Sprachdefizit vieler Pirmasenser Schüler zu verkleinern. Entsprechende Berichte von Lehrern lägen ihr vor, sagte sie bei der jüngsten Stadtratssitzung. Etliche Kinder und Jugendlichen seien erst seit kurzem in der Bundesrepublik und schulpflichtig, sodass sie keine Zeit zum Erlernen der Sprache hätten.

An der Robert-Schumann-Grundschule werden Schüler auf vorbildliche Weise auf die deutsche Sprache vorbereitet.
An der Robert-Schumann-Grundschule werden Schüler auf vorbildliche Weise auf die deutsche Sprache vorbereitet.

Es bringe auch nicht viel, die Schüler für einige Stunden aus dem regulären Unterricht zu nehmen. „Es kommt zu Störungen und manchmal auch zu aggressivem Verhalten, weil die Schüler dem Unterricht nicht folgen können“, berichtete Knerr. Eltern versuchten deshalb, ihre Kinder aus den Schulen zu nehmen, in denen der Anteil von Migranten hoch sei. Der FWB hat gemeinsam mit CDU und FDP einen Antrag formuliert: Die Verwaltung solle mit der Schulaufsicht sprechen, um spezielle Vorbereitungsklassen für Kinder ohne oder nur mit geringen Deutschkenntnissen auf den Weg zu bringen.

Lob für die Robert-Schumann-Schule

Knerr lobte ausdrücklich den Schulkindergarten der Robert-Schumann-Grundschule, in dem Kinder betreut würden, die zwar schulpflichtig, aber noch nicht schulreif seien. Außerdem gebe es dort noch Klassen der Matzenbergschule für Jungen und Mädchen mit dem Förderschwerpunkt Sprache. Gute Erfahrungen habe auch die Berufsschule mit Willkommensklassen gemacht. Die größten Probleme machten aber Schüler, bei denen zu Hause kein Deutsch gesprochen werde und das seien auch Familien, die schon länger im Land seien.

Den Förderunterricht will Sebastian Tilly (SPD) nicht allein auf Einwanderer beschränkt sehen. Annette Sheriff (Grüne) unterstützt den FWB-Antrag, sieht ihn aber besser an die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion gerichtet, die der richtige Ansprechpartner sei, da die Stadt wohl kaum alleine solche Klassen einrichten könne.

Die ADD sollte sich um die Finanzierung kümmern, findet Jochen Knerr (FWB). Die Stadt habe die entsprechenden Ideen dazu. Laut Oberbürgermeister Markus Zwick (CDU) befürwortet das Jugendamt explizit den Antrag, um Kindern einen besseren Start in die Schule zu ermöglichen. Die Sprachbarriere sei generell das größte Hindernis für einen geordneten Schulablauf.

„Problem seit 2015 bekannt“

Kritik kam von der AfD. Deren Ratsmitglied Volker Haberkost sieht die Idee als pure Symptombekämpfung. Die Probleme seien seit 2015 bekannt. Wieso der Antrag erst jetzt komme, dürfte wohl mit dem laufenden Landtagswahlkampf zusammenhängen. Das Problem sei viel weitgehender, so Haberkost, der zum Beleg auf die steigende Zahl von Schulabgängern ohne Schulabschluss verweist. 2023 beispielsweise sei bereits jeder zehnte Schüler ohne Abschluss von der Schule gegangen, so seine Informationen.

Im Mainzer Bildungsministerium verweist auf Anfrage dieser Zeitung dessen Sprecher Ulrich Gerecke auf das schon bestehende System zur Sprachbildung in Kitas und Grundschulen, „das bereits heute eine Verbindlichkeit garantiert und zugleich mit wachsenden Mitteln unterfüttert ist“, so Gerecke. „Aus diesem Grund sehen wir keine Notwendigkeit, verpflichtende Vorbereitungsklassen einzuführen“, sagt der Ministeriumssprecher. Was Gerecke auch mit den hohen Zahlen von Kindern in Kitas begründet.

Verbindliche Sprachförderung in Kitas

In Rheinland-Pfalz seien heute schon 98,1 Prozent aller Kinder im letzten Jahr vor der Schule in einer Kita, was auch auf die seit Jahren geltende Beitragsfreiheit zurückzuführen sei. „Dort erhalten sie verbindliche Sprachbildung und -förderung“, so Gerecke. Diese sei alltagsintegriert, spielerisch und im Kontext ihres Lebensumfeldes. Diese Sprachbildung werde durch den Einsatz von speziellen Sprachbeauftragten verstärkt.

Perspektivisch sollen alle Kitas im Land zu „Sprachkitas“ werden. In den Grundschulen gebe es ein differenziertes System der Sprachförderung. „Deshalb haben wir eine zusätzliche Deutschstunde in der zweiten Klasse, tägliches verbindliches Lesen sowie den flächendeckenden Einsatz des Förderprogramms ,Lesen macht stark’ etabliert“, erläutert der Ministeriumssprecher weiter. Kinder und Jugendliche mit Sprachförderbedarf erhielten bereits jetzt bis zu 15 Stunden Sprachförderung in der Grundschule in Intensivkursen.

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