Pirmasens
Wie eine Familie: Neues Konzept für Kinderbetreuung in Pirmasens
Aus zwei mach eins: Künftig sind Hort und Kindertagesstätte in der Ohmbach eine Einrichtung, für die die Stadt Pirmasens die Trägerschaft übernimmt. Die handelnden Akteure seien alle im Seniorenalter, der Verein habe die Aufgabe abgegeben und sich aufgelöst, erläutert Oberbürgermeister Markus Zwick (CDU). Da der Bedarf bleibe, übernehme die Stadt, der das Gebäude sowieso gehöre.
Durch die Zusammenlegung zur Gesamteinrichtung versprechen sich die Verantwortlichen Synergieeffekte, insbesondere beim Personaleinsatz und der Raumnutzung. Die Einrichtung könne in Kombination viel flexibler agieren, erklärt Melanie Scheidel, die die Einrichtung seit September leitet.
Das Gesamtkonzept habe viele Vorteile. „Große und kleine Kinder verbringen ihre Zeit gemeinsam, achten und lernen voneinander“, erklärt Melanie Scheidel: „Wie in einer Familie.“ Auch gebe es keine Erzieherinnen, die nur für den einen oder anderen Bereich zuständig seien. „Wir arbeiten alle gemeinsam“, betont sie. Um diesen Zusammenhalt zu festigen, gebe es immer wieder Teamtage, während der sich die Mitarbeiterinnen austauschen und besprechen.
Einrichtung will eigenes Profil schärfen
Gleichzeitig soll mit der Neuausrichtung auch das pädagogische Profil weiter geschärft und das niederschwellige Beratungsangebot für Eltern sowie deren Unterstützung bei Arzt- und Behördengängen und der enge Kontakt zur Schule ausgebaut werden.
Deswegen ist es dem Leiter des Jugendamtes, Gustav Rothhaar, wichtig, sich offensiv in der gesamten Stadt umzuschauen und auf die Familien zuzugehen. „Der Blick von hier aus ins Quartier ist besonders ausgeprägt“, erklärt er. Frühkindliche Bildung sei besonders für Kinder, die es nicht leicht haben, wichtig. Nur so könnten sie erfolgreich sein und auf eigenen Füßen stehen.
Das sei wichtig, sagt auch Scheidel: „Die Kinder sollen sich von klein auf als Teil der Gesellschaft begreifen.“ Dies gelinge nur durch die starke Elternarbeit und Kommunikation auf Augenhöhe. „Nur so können wir die Kinder auffangen und unterstützen“, betont sie. Das Problem sei, dass Kinder oft nicht geschickt würden, erklärt Rothhaar. Doch frühkindliche Bildung fange im Kindergarten an. „Wenn diese nicht geboten wird, holen das die Kinder nie wieder auf“, weiß Stadtjugendpflegerin Bettina Theisinger.
Kein sozialer Brennpunkt
Die Einrichtung wollte die Stadt auch übernehmen, weil diese das Quartier maßgeblich geprägt hat. Gemeinsam mit der Bauhilfe wurde erreicht, dass es dort keinen sozialen Brennpunkt mehr gebe. „Viele der Kinder, die die Lern- und Spielstube besucht haben, sind herausgekommen aus dem sozialen Milieu und stehen erfolgreich im Beruf“, sagt Oberbürgermeister Markus Zwick.
Solche Einrichtungen gebe es laut Gesetz gar nicht mehr, erläutert er. Doch seien sie eine Spezialität in Pirmasens und genießen laut Zwick Bestandsschutz. Das sei wichtig, weil sie über ein anderes Setting verfügen als Ganztagsschulen, die für bestimmte Kinder gar nicht sinnvoll seien. Viele bräuchten einen geschützten Raum.
„Besonders das Churermodell ist eine coole Sache“, findet Stadtjugendpflegerin Bettina Theisinger. Das Modell aus der Schweizer Stadt Chur besagt, dass Kinder überall Hausaufgaben machen können: im Stehen an der Fensterbank, auf dem Bauch liegend auf dem Teppich oder wie gehabt am Schreibtisch. „Die Lernbereitschaft steigt, wenn sich die Kinder ihr Umfeld aussuchen dürfen“, bestätigt Scheidel.
Die Kinder kommen hauptsächlich von den umliegenden Schulen: von der Robert-Schumann-Grundschule oder der Wittelsbach-Schule. Doch sei die Einrichtung für die gesamte Stadt gedacht. „Wir wollen in Abstimmung mit der Leitung und unserem Netzwerk Kita- und Schulsozialarbeit gucken, wer hat den Bedarf für den Hort in der Ohmbach“, erklärt Rothhaar.
Neu ist aber nicht nur die Trägerschaft, auch das Gebäude wurde renoviert. Alle Räume sind frisch gestrichen und im Keller, wo sich der Schlaf- und Turnraum befindet, gibt es einen zweiten Rettungsweg. Weiteres Plus: Die Köchin hat ihre Stunden aufgestockt bekommen, damit alle Kinder ein warmes Mittagessen bekommen.
Gegessen wird in Etappen: zuerst die Kindergartenkinder, danach die Kinder, die aus den Schulen kommen. Insgesamt sind in der Spiel- und Lernstube 50 Kinder. Je 25 in Hort und Kita. Die Kita ist für Kinder von zwei bis sechs Jahren. Im Hort finden sich Kinder bis 14 Jahren.