FUSSBALL
FK Pirmasens bei Kickers Offenbach: Europacup-Finalist als Trainer
Sreto Ristic hat im Fußball schon einiges erlebt. Als Spieler erreichte er 1998 mit dem VfB Stuttgart das Finale im Europapokal der Pokalsieger (0:1 gegen den FC Chelsea), er schoss das erste Uefa-Cup-Tor in der Geschichte von Union Berlin, er war Profi in Portugal, China und der Schweiz, und er trainierte unter Granden wie Joachim Löw, Ralf Rangnick und Winfried Schäfer. Nun ist er 45 und nach einigen Co-Trainer-Engagements seit Anfang Januar erstmals Chefcoach. Und der Mann mit einem deutschen und einem serbischen Pass hatte bei Kickers Offenbach als Nachfolger des freigestellten Angelo Barletta einen guten Start: drei Siege, drei Unentschieden, noch keine Niederlage. Die Hessen sind wieder im Titelrennen; vier Punkte beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Steinbach. Der Traum, im achten Regionalliga-Jahr den Wiederaufstieg in die Dritte Liga zu schaffen, lebt beim DFB-Pokal-Sieger von 1970.
Finanzielle Probleme
Doch den Traditionsverein, der 2013 keine Lizenz für die Dritte Liga erhielt, drücken mal wieder finanzielle Sorgen. In der Aktion „Ehrensache“ bitten die Kickers Business- und Dauerkarteninhaber, die wegen der Corona-Pandemie nicht ins Stadion dürfen, darum, auf die Rückerstattung ihrer Gelder zu verzichten.
„Nicht so berauschend“
Zurück zu Ristic. Er blickt dem Spiel am Samstag (14 Uhr) gegen den FK Pirmasens etwas skeptisch entgegen und verweist darauf, dass der nächste Gegner in der Auswärtstabelle vor seiner Elf steht. Er erwarte „eine kampfstarke Mannschaft“, die eine Reaktion auf die 1:7-Klatsche in Großaspach zeigen werde. Während Ristic noch keine Erfahrungswerte von Heimspielen gegen den FKP hat, trat sein Innenverteidiger Lucas Albrecht schon zweimal auf dem Bieberer Berg gegen „die Klub“ an. „Die Heimspiele gegen Pirmasens waren nicht so berauschend. Da weiß man, was auf einen zukommt“, kommentiert er das 0:0 in der vergangenen Saison und die 0:1-Niederlage (Torschütze: Dennis Krob) im Spieljahr zuvor.
FKP-Trainer Patrick Fischer findet es gerade vor dem Gastspiel in Offenbach „besonders schade, dass keine Zuschauer zugelassen sind“. Ein Match vor 5000 Fans „in einem tollen Stadion“ sei für seine Schützlinge ein „Highlight der Saison“.
Wieder Training im Freien
Seit Dienstag kann man dank der deutlich gestiegenen Temperaturen auf der Husterhöhe, wo am Montag noch fünf Zentimeter Schnee lagen, wieder im Freien trainieren – erst auf Kunstrasen, inzwischen wieder auf natürlichem Grün. Nach der Soccerhallen-Notlösung der Vortage setzte Fischer für Dienstag gleich mal ein Elf-gegen-elf-Trainingsspiel an, damit sich seine Mannen „wieder an die Platzgröße gewöhnen“.
Einen guten Eindruck im Training hinterließ Yannick Grieß. Der von klein auf beim FKP spielende Innenverteidiger wurde in den vergangenen zehn Regionalligapartien nur einmal für 19 Minuten eingesetzt und könnte nach der schwachen Vorstellung von Moritz Zimmer und Kevin Frisorger in Großaspach wieder eine Option für die Startelf sein. Fischer: „Er ist ein Thema.“
Polizist Cissé muss schießen
Auf den Außenverteidigerpositionen ist dieses Mal alles klar. Da Manuel Grünnagel nach der fünften Gelben Karte für eine Begegnung gesperrt ist, spielen Sascha Hammann und Gianluca Lo Scrudato in der Abwehrkette links und rechts.
Offen lässt Fischer, ob der nach Verletzungspause wieder fitte Kapitän David Becker in Offenbach oder erst im Nachholspiel am Dienstag gegen den FC Bayern Alzenau als Sechser aufläuft. Gegen Alzenau fehlt auf jeden Fall Vize-Kapitän Salif Cissé. Der angehende Polizeikommissar, der diese Woche zweimal aus beruflichen Gründen fürs Training absagte, hat am Dienstagabend auf seinem Ausbildungsplan Schießübungen stehen.
Mit Platte in der Hand
FKP-Stürmer Konstantinos Neofytos, ehemals Profi bei den Kickers, wurde nach seinem Mittelhandknochenbruch bei der Operation am Donnerstag in der Homburger Uniklinik „eine Platte eingesetzt“, informiert Trainer Fischer. Wann der Grieche – mit Schiene – wieder am Mannschaftstraining teilnehmen kann, ist offen. Arne Neufang und Felix Bürger haben laut Fischer nach Verletzungspausen „noch einen Fitness-Rückstand“.
Der Coach erhofft sich am Samstag gegen „eine starke Offenbacher Mannschaft“ einen mutigen Auftritt seines aktuell auf einem Abstiegsplatz liegenden FKP. „Wir machen uns nicht kleiner, als wir sind“, sagt Fischer und verspricht: „Wir werden laufen, laufen und laufen.“ Und genau das befürchten bei den Kickers die Herren Ristic und Albrecht.