Lockerungen in der Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel „Für uns ist das der Super-Gau“

Mit ausgedünnten Reihen wird das Pirmasenser Walhalla-Kino am Donnerstag, 28. Mai, den Spielbetrieb wieder aufnehmen.
Mit ausgedünnten Reihen wird das Pirmasenser Walhalla-Kino am Donnerstag, 28. Mai, den Spielbetrieb wieder aufnehmen.

Auch wenn die Spielzeit der großen Theater im Land schon fast vorbei ist, so soll die vorgestern verkündete Öffnung weiterer Kultureinrichtungen nach Museen und Galerien den Kulturschaffenden etwas Planungssicherheit geben. So dürfen ab 27. Mai nun auch Theater, Konzerthäuser und Kinos unter bestimmten Voraussetzungen öffnen. Dennoch herrscht unter den Kulturveranstaltern in der Region noch weitgehend Verunsicherung und Enttäuschung.

Notwendige Auflagen für die Öffnung der Kultureinrichtungen sowie die Genehmigung von öffentlichen Veranstaltungen sollen in den nächsten Tagen und Wochen mit den Akteuren und Verbänden wie dem Deutschen Bühnenverein entwickelt werden, heißt es aus dem rheinland-pfälzischen Kulturministerium. Viele dieser Auflagen sind schon hinlänglich bekannt, nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Wiedereröffnung der Museen und Galerien ab dem 11. Mai. Dazu gehören Zugangskontrollen, die Sicherstellung der Nachverfolgbarkeit, die Wahrung der Abstandsregeln, eine weitgehende Beschränkung des Begegnungsverkehrs, das Tragen von Mund-Nasen-Masken und ein Hygienekonzept.

Beschlossen ist der Rahmen dessen, was möglich sein soll: Öffentliche Veranstaltungen im Außenbereich mit bis zu 100 Personen ab dem 27. Mai und ab dem 10. Juni mit bis zu 250 Personen. Im Innenraum sind solche Veranstaltungen ab dem 10. Juni mit bis zu 75 und ab dem 24. Juni mit bis zu 150 Personen erlaubt.

Walhalla-Kino ab 28. Mai offen

Gut vorbereitet sieht sich Theodor Sieber, der sein Pirmasenser Walhalla-Kino „auf jeden Fall“ aufmachen wird – zwar nicht schon am Mittwoch, 27. Mai, sondern erst einen Tag später, da die Kino-Woche üblicherweise donnerstags beginnt. Die konkreten Auflagen stehen zwar noch nicht fest, auf Basis der Vorschläge von Hauptverbandes der Filmtheater und der AG Kino hat Sieber aber für das Walhalla schon ein Hygienekonzept erarbeitet. In den Sälen werden wohl Reihen und Sitze zwischen nicht in einem Haushalt lebenden Personen frei bleiben. „Zudem werden wir versuchen, durch versetzte Anfangszeiten dafür zu sorgen, dass sich möglichst wenige Zuschauer im Foyer und in den Gängen begegnen. Ich gehe davon aus“, so Sieber weiter, „dass die Besucher im Foyer, in den Gängen und auf den Toiletten Masken tragen müssen, die sie nur am Sitzplatz abnehmen dürfen“. Außerdem werde er die Besucher bitten, möglichst vorab Online-Tickets zu kaufen, um Schlangen an der Kasse zu vermeiden. Auf diesen Online-Tickets können dann schon vorab zur Erfüllung einer möglichen Registrierungspflicht die Kontaktdaten aller Besucher vermerkt werden, denn so Sieber, „wenn sich die Besucher im Kino in irgendwelche Listen eintragen müssen, würde das wieder Schlangen verursachen“.

Trotz der langen Schließzeit, in der Sieber „jeden Monat einen vierstelligen Betrag in den Sand“ gesetzt hat, glaubt der Kinobetreiber nicht, dass nun der große Run auf das Walhalla einsetzen wird. „Ich fürchte, die Leute sind zunächst noch zu ängstlich, um in die Kinos zu strömen.“ Zudem seien auch keine neuen Filme am Start.

Was der unter „Zukunftsperspektive Rheinland-Pfalz“ vorgestellte Stufenplan der Landesregierung zur Öffnung von Konzerthäusern und Theatern für Pirmasens bedeutet, war gestern von Seiten der Stadtverwaltung nicht zu erfahren. Hilfreich dürfte die Öffnung von Theatern und Konzerthäusern für Pirmasens nach der Absage aller Veranstaltungen, insbesondere des Festivals Euroclassic aber ohnehin kaum sein. Die erste Veranstaltung ist erst für den 6. September geplant – ein Klaviertrio, das statt des Euroclassic-Festivalorchesters spielen soll. Terminiert sind außerdem – ebenfalls in der Festhalle – ein Konzert zum Abschied von Helfried Steckel als Leiter des Oratorienchores sowie die Aufführung „Ich pfeif auf die Oper“ am 31. Oktober.

Für Hans Heinen, der für die Volkshochschule Rodalben die Gräfensteiner Theaterspiele organisiert, bleibt auch nach der Ankündigung weiterer Lockerungen im Kulturbereich die Unsicherheit bestehen. Da die proklamierte „Zukunftsperspektive“ im Kulturbetrieb diese eben gerade nicht biete, würde er am liebsten das komplette Programm um ein Jahr verschieben. Veranstaltungen im Rodalber Lederer-Haus seien derzeit einfach nicht vorstellbar. Die Kapazität dort sei auf 90 Besucher ausgelegt. Bei Berücksichtigung der Abstandsregeln seien es nur noch etwa 15. Nicht viel anders sehe es in der Halle der Mozartschule aus. Statt 320 Besuchern könne man dort nur noch mit 60 rechnen. Damit lasse sich aber keine, mehrere Tausend Euro teure Veranstaltung durchführen, so Heinen.

Keine Perspektive für Veranstalter

Ganz düster sieht Roland Nilles von der Merziger Konzertagentur Kultopolis die Situation für sich und alle anderen privatwirtschaftlichen Kulturveranstalter: „Für uns ist das der Super-Gau“. Und daran ändern auch die jetzt in Mainz angekündigten Lockerungen nichts, denn „auch die geben uns überhaupt keine Perspektive. Im Moment besteht meine Arbeit nur aus Verschieben, Absagen und Vertrösten“, so Nilles, der mit vielen Künstlern in Pirmasens, Zweibrücken und anderen rheinland-pfälzischen Städten vertreten ist. „Wir haben derzeit nur Ausgaben – keine Einnahmen.“ Seinen Verlust schätzt er auf rund 20.000 Euro im Monat – und eine Besserung ist nicht in Sicht. Hinzu komme, dass noch etwa 5000 Karten von abgesagten oder verschobenen Veranstaltungen bei den Käufern sind. Nilles Konsequenz: „Solange Konzerte nicht wieder unter normalen Umständen möglich sind, werde ich nichts veranstalten“. Und selbst dann werden die Menschen so schnell nicht wieder Karten kaufen, um ins Konzert zu gehen. Zu groß sei die Angst, befürchtet Nilles.

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