Interview
Einzelhandelssprecher Erich Weiss zur Fußgängerzone der Zukunft
Laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) hat der City-Handel ein erhebliches Umsatzminus, bis zu 70 Prozent, zu verzeichnen. Können Sie dies aus Gesprächen mit ihren Kollegen bestätigten?
Die von Ihnen beschriebene Situation ist Fakt und nicht zu leugnen. Die Hoffnung aber von allen, die mit Handel zu tun haben, ist, dass mit der Zeit Normalität einkehrt. Der Handel glaubt, dass das Bedürfnis nach sozialen Kontakten und Begegnungen doch so groß ist, dass mit der Zeit wieder mehr Betrieb in der Innenstadt und damit auch in den Geschäften ist.
Die Auswirkungen der Corona-Krise bedrohe ganze Stadtzentren, so der HDE-Hauptgeschäftsführer, denn ohne lebendigen Einzelhandel gebe es keine attraktiven Innenstädte. Deswegen wird an die Politik appelliert, ein Sonderprogramm zur Innenstadtentwicklung aufzulegen mit jährlich mindestens 500 Millionen Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Können Sie sich diesem Appell anschließen und welche Summe würden Sie für Pirmasens für ausreichend halten?
Es ist üblich, dass Funktionäre und Lobbyisten immer dann nach staatlicher Hilfe rufen, wenn Veränderungen anstehen. Selten können die, die unter den wirtschaftlichen Folgen von Veränderungen zu leiden haben, auch selbst dafür aufkommen, dass sich die Rahmenbedingungen verbessern. Auch wir in Pirmasens wollen unsere Fußgängerzone den Anforderungen der Zukunft anpassen. Das heißt, wir wollen die Fußgängerzone so gestalten, dass sich die ortsansässigen Bürger und die aus dem Kreis gerne dort aufhalten, vor allen Dingen aufhalten können. Dazu muss die Möblierung stimmen (eine Erneuerung ist nötig), das gastronomische Angebot muss vielfältig sein und dazu einladen, dass man sich dort aufhält und unterhalten wird.
Ist erst mal die Frequenz wieder in Ordnung, dann kommen die Geschäfte, die Umsätze, fast von alleine wieder zurück. Wer an Schaufenstern vorbei bummelt und etwas sieht, was ihm gefällt und es bezahlen kann, dann wird auch was gekauft, was eigentlich keiner braucht. So hat Geschäft seit Jahrhunderten funktioniert und das wird auch für die Zukunft gelten. Aber wir brauchen in der Innenstadt die Publikumsfrequenz und das ist nicht alleine Aufgabe des Innenstadt-Handels.
Für Pirmasens, denke ich, würden fünf Millionen Euro benötigt, um so aufgestellt zu sein, dass in der Region die Menschen sagen: Das musst du gesehen haben, da musst du mal hin, da gehe ich wieder hin.
Von Ansprüchen an Land und Bund runter auf die regionalpolitische Ebene. Welche Möglichkeiten hat die Kommunalpolitik, das Ruder herumzureißen und den Menschen wieder mehr Vertrauen in die Zukunft zu geben? Finden Sie, dass die Stadt Pirmasens mit ihrem Innenstadtkonzept weiterhin auf dem richtigen Weg ist?
Diese Frage beantworte ich natürlich mit am liebsten, auch wenn mir bei der Antwort das Herz blutet. Die Möglichkeiten, dass die Stadt das Ruder herumreißt, ist eine Hoffnung, die nicht erfüllt werden kann. Weder in Pirmasens noch sonst wo. Was die Stadt machen kann und machen wird, ist, den öffentlichen Raum in der Fußgängerzone wieder so herzurichten, dass er top ist. Dann wird die Stadt die Stelle des City-Managers wieder neu besetzen (hoffentlich bald), damit die von Herrn Weidlich begonnene Arbeit, zum Beispiel mit den Pop-up-Stores, fortgesetzt werden kann.
Die Verbraucher sollen erkennen, dass Innenstadt mehr ist als nur einkaufen, sondern Treffpunkt des sozialen Lebens und Aufenthaltsraum im Freien, aber auch durch die Gastronomie in der Innenstadt. Wir alle leiden unter den Veränderungen. Erstens, weil die sowieso unaufhaltsam laufen, da sich mit der Zeit alles verändert, aber hinzu kommt, dass die Pandemie mit ihren Einschränkungen für vieles wie ein Beschleuniger gewirkt hat und wir teils fassungslos auf das Ergebnis dieser Veränderungen sehen.