Straßengeschichte(n)
Die Karriere des Carl Schurz in den USA
Die Carl-Schurz-Straße verbindet die Rodalber mit der Zweibrücker Straße und führt durch ehemals von den US-Streitkräften genutztes Terrain auf der Husterhöhe. Das war mit ein Grund, die Straße nach dem am 2. März 1829 in der Nähe von Erftstadt bei Köln geborenen Sohn eines Lehrers zu benennen, der 1852 nach Amerika auswanderte und dort Karriere machte.
Wie Konrad Krez (wir berichteten am 18. Oktober) war Schurz ein „Fourty-Eighter“, was nichts anderes bedeutet, dass er mit der bürgerlich-demokratischen Revolution (1848/49) versucht hatte, die Zustände in Deutschland zu verändern. Sein Plan scheiterte.
Führer der Republikanischen Partei
Über die Stationen Frankreich, Schweiz, Schottland und England wanderte Schurz aus, wie mit ihm rund 80.000 weitere Deutsche. Zuvor befreite er in der Nacht vom 6. auf den 7. November 1850 mit Hilfe des bestochenen Gefängniswärters Georg Brune seinen früheren Bonner Professor Gottfried Kinkel aus dem Gefängnis in Spandau. Gemeinsam flohen sie über Rostock und Warnemünde nach Schottland.
In den USA stieg Schurz, der zunächst in Philadelphia und dann in Watertown im Staat Wisconsin lebte, zu einem einflussreichen Führer der aufstrebenden Republikanischen Partei auf. Er hatte großen Anteil an deren Wahlsieg im Jahr 1860. Zum Dank ernannte ihn der damals gerade gewählte US-Präsident Abraham Lincoln zum amerikanischen Botschafter in Spanien. Schurz kehrte allerdings bereits nach zwei Jahren wieder in die USA zurück und erwarb sich während des amerikanischen Bürgerkriegs, in dem er auf Seiten der Unionsarmee diente, große Verdienste. 1877 berief US-Präsident Rutherford B. Hayes Schurz als Innenminister in sein Kabinett.
Sprachrohr der Deutsch-Amerikaner
Schurz machte sich verdient um die rasche Beendigung der Wirren nach dem Sezessionskrieg in den Südstaaten und leitete einen Wandel in der Indianerpolitik der Vereinigten Staaten ein. Er unterstellte die Ureinwohner, deren Angelegenheiten bis dahin wesentlich vom Kriegsministerium geregelt wurden, einer zivilen Verwaltung. Während seiner Amtszeit als Minister versuchte Schurz auch, die Bevölkerung für die Erhaltung der Wälder zu sensibilisieren.
Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass seine Ehefrau Margarethe Meyer-Schurz 1856 in Amerika den ersten Kindergarten gründete. Bis zu seinem Tod 1906 war Schurz auf vielen politischen Feldern aktiv. Er reformierte entscheidend die Verwaltungen in Amerika und setzte sich vehement für ein Wahlrecht der ehemaligen Sklaven ein. Jahrzehntelang war er der herausragende Repräsentant und das Sprachrohr der Deutsch-Amerikaner.