Pirmasens „Die Antwort ist einfach: Ja oder Nein“

Caprice-Geschäftsführer Jürgen Cölsch spricht im ZDF mit SPD-Kanzlerkandidat Schulz über Pirmasenser Finanzprobleme
„Ja oder Nein?“ Caprice-Geschäftsführer Jürgen Cölsch wollte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in der ZDF-Sendung „Klartext, Herr Schulz“ am Dienstagabend festnageln. Würde Schulz einen Entschuldungsfonds für Kommunen wie Pirmasens befürworten, wenn er in der Regierungsverantwortung ist, wollte Publikumsgast Cölsch wissen. Mit der Antwort des Kanzlerkandidaten, ja mit dessen komplettem Auftritt war er aber nicht wirklich zufrieden. „Es fehlte der Klartext!“
Genau hinhören
„Obwohl, wenn man genau hinhört, was Schulz am Ende sagt ...“, schränkt der Caprice-Geschäftsführer ein. Über einen Entschuldungsfonds müsse man mit dem Land Rheinland-Pfalz reden, hatte Schulz erklärt. Der Bund selbst könne darüber nicht entscheiden. Und: „Wenn wir darüber helfen können, würde ich das machen“, ließ der SPD-Mann verlauten. Dieser Satz ist es, der bei Cölsch die Hoffnung nährt, dass er mit seinem Auftritt in der Sendung etwas für Pirmasens bewegen konnte. Denn, so erklärte er gestern gegenüber der RHEINPFALZ, wenn Schulz einen Fonds tatsächlich unterstützen würde, bräuchte man von Angela Merkel – hier baut er auf Oberbürgermeister Bernhard Matheis – ein ähnliches Bekenntnis. Dann könnte sich die Landesregierung nicht mehr sträuben, findet Cölsch.
"Wenn ich Pirmasens damit helfen kann"
Der OB war es übrigens auch, der ihm den Besuch in der Sendung vermittelt hatte. Die Bertelsmann-Stiftung, die 2016 eine Studie zu verschuldeten Kommunen in Deutschland vorlegte, habe wohl beim ZDF angeregt, zu diesem Thema einen Vertreter aus Pirmasens in die Sendung einzuladen, in der Schulz Fragen aus dem Publikum beantwortete. Matheis wäre gern selbst ins Hauptstadtstudio nach Berlin geflogen, doch Politiker wollte man wohl nicht unbedingt als Fragesteller. Also habe der OB ihn gefragt. Und Cölsch, früher aktiv in der Jungen Union, heute aber nach eigener Aussage ohne Funktion in der CDU, hat Ja gesagt: „Wenn ich Pirmasens damit helfen kann“, habe er sich gedacht. Und verschweigt nicht, dass er so die Chance ergreifen konnte, als Caprice-Geschäftsführer die Situation in Pirmasens zu thematisieren.
Schnelles Internet? Selber zahlen!
Fünf Minuten waren die Stadt und ihre finanziellen Nöte zur besten Sendezeit Thema: Cölsch schilderte, wie schwer es sei, Führungskräfte oder neue Betriebe nach Pirmasens zu locken. Der Stadt fehle es schlicht an Geld. Andere Städte könnten Firmen beispielsweise schnellen Internetzugang zur Verfügung stellen. In Pirmasens musste Caprice dafür viel Geld in die Hand nehmen, sagte er gestern. Laut Bertelsmann-Stiftung liegen die zehn am höchsten verschuldeten Städte der Bundesrepublik im Westen, sechs davon in Rheinland-Pfalz. Pirmasens ist eine davon. Dies sei kein hausgemachtes Problem, betonte Cölsch im ZDF. Die Soziallasten erdrückten die Stadt. Investitionen in die Infrastruktur blieben auf der Strecke. Also: Was halte Schulz vom Entschuldungsfonds?
Am liebsten Merkel die selbe Frage stellen
Ein knappes Ja oder Nein gab es vom Kanzlerkandidaten, wie gesagt, nicht. Einen so komplexen Sachverhalt könne man nicht mit Ja oder Nein beantworten. Schulz plädierte stattdessen für Investitionen in Breitband, Schulen, die Kultur und den ÖPNV. „Alles richtig“, findet Cölsch. Zahlen müsste vieles davon aber die Stadt und die habe eben kein Geld. Daher helfe nur ein Schuldenabbau und die Entlastung bei den laufenden Kosten. Und nun? Am liebsten würde er bei der Sendung mit Angela Merkel noch einmal im Publikum sitzen und ihr die gleiche Frage stellen, sagt Cölsch. Eingeladen ist er aber nicht. So ist er froh, dass er die Pirmasenser Probleme an prominenter Stelle anprangern konnte. Und vielleicht sagen Schulz und Merkel und das Land doch noch irgendwann einfach Ja.