Pirmasens
Der Sonne zugeneigt: Ein Pirmasenser PV-Pionier erzählt
„Die Leute sagten: ,Da ist ein Spinner, der behauptet, aus einer Glasplatte kommt Strom’“, erinnert sich Dietrich Eschenbach. Auf die Technik der Photovoltaik sei er in den 1980er Jahren durch Berichte über Satelliten gekommen, die mit Solarmodulen Strom produzierten, erzählt der Gersbacher. 1963 kam er aus Landshut nach Pirmasens und arbeitete bei den Stadtwerken als Elektrotechniker. Eschenbach kaufte sich ein solches Modul. Zudem besorgte er sich leistungsfähige Bus-Batterien, die er mit Sonnenstrom lud. Das reichte damals nur für Kleingeräte im Inselbetrieb.
Dann startete das „1000-Dächer-Programm“ der Bundesregierung – und Eschenbach wollte zu den Ersten gehören. Für seine 1990 installierte Anlage erhielt er eine Förderung von 20.000 Mark „Die waren damals unheimlich teuer“, sagt er. Seine ersten Module hatten eine Leistung von zwei Kilowatt – im Vergleich zu heutigen Anlagen ist das nicht besonders viel.
8000 Kilowattstunden Strom werden jährlich eingespeist
Eschenbach war nach eigenen Angaben der erste Privatmann in Rheinland-Pfalz, der eine Solaranlage betrieb, die in das öffentliche Stromnetz einspeiste. Der Elektrotechniker installierte in der Folge ein Modul nach dem anderen auf seinem Gersbacher Bungalow; später bedeckten Module auch den Gartenschuppen und die Garage. Schließlich kaufte er zusätzlich ein Balkonkraftwerk. „Das habe ich in Zweibrücken in einem Schaufenster gesehen und musste es haben“, erzählt der 85-Jährige und lacht.
Damit spare er inzwischen spürbar Geld: Den selbst verbrauchten Strom muss er nicht mehr für 32 Cent pro Kilowattstunde einkaufen. Für den eingespeisten Strom erhält er inzwischen deutlich weniger Geld, weil nur die Einspeisung vergütet wird. Für einen Teil der Anlage erhielt er zeitweise die Höchstvergütung von 57,4 Cent pro Kilowattstunde. Diese Zeiten sind lange vorbei. Vorübergehend bekam er nur noch 3,5 Cent. Heute sind es nach seinen Angaben zehn Cent pro Kilowattstunde für seine Volleinspeiseranlage. Bei einer Einspeisung von 8000 Kilowattstunden pro Jahr – diese liefern seine Module heute – sei das eine willkommene Aufstockung der Rente, findet Eschenbach.
Senior scheut Investition in Batteriespeicher
Sein Haus heizt er mit Nachtspeicheröfen; Warmwasser erzeugt er per Solarthermie. Zeitweise produzieren die Module auf den Dächern mehr Energie, als Eschenbach und seine Frau im Haus verbrauchen. Auch auf der Straße vertraut Eschenbach auf Elektromotoren. Sein erstes E-Auto – nach eigenen Angaben damals das erste in der Stadt – kaufte er vor 33 Jahren. Anfangs habe er die Batterie alle zwei Jahre tauschen müssen; heute sei das deutlich komfortabler. Nun fährt er ein koreanisches Modell, das nicht nur Strom aus der Solaranlage laden kann, sondern auch eine Steckdose besitzt – darüber kann Eschenbach Strom im Haus nutzen.
In all den Jahren wäre ein Stromspeicher für ihn die beste Lösung gewesen, um tagsüber Energie zu speichern, die er nachts für die Heizung benötigt. Die Speicher seien damals jedoch zu teuer gewesen. Auch zusätzliche Module auf der Nordseite des Hauses wären noch möglich, weil moderne Module selbst bei wenig Sonneneinstrahlung akzeptable Einspeiseleistungen lieferten. „Wenn ich noch fit wäre, würde ich alle Module tauschen“, sagt er.
Als er 1963 bei den Stadtwerken begann, lief noch das Kohlekraftwerk an der Biebermühle. Heute decken erneuerbare Energieträger einen Großteil des Pirmasenser Strombedarfs. Eschenbach blickt gelassen auf eine Zukunft ohne Kohle, Öl und Gas. „Mit Gezeitenkraftwerken lässt sich mehr Strom produzieren, als die Menschheit braucht“, so Eschenbach.