Pirmasens
Analyse: Was in Pirmasens bei der Bundestagswahl auffällt
Drei von vier Deutschen haben sich an der Bundestagswahl vom Sonntag beteiligt. Das entspricht ungefähr der Quote von vor vier Jahren. In Pirmasens hingegen ist die Wahlbeteiligung deutlich geringer. In ganz Rheinland-Pfalz haben die Statistiker keine Kommune registriert, in der verhältnismäßig so wenige Bürger von ihrem Stimmrecht Gebrauch machten. Gerade einmal 65,9 Prozent der Wahlberechtigten Pirmasenser machten ihre Kreuze. Das sind noch einmal 2,5 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Bundestagswahl. Zum Vergleich: Unter den kreisfreien Städten belegt Mainz die Spitzenposition. Die Wahlbeteiligung liegt dort bei 80,2 Prozent. Das durchschnittliche Wahlinteresse ist in den rheinland-pfälzischen Landkreisen 4,5 Prozentpunkte höher als in den kreisfreien Städten. Bei der Bundestagswahl 2017 lag der Abstand noch bei 3,5 Prozent.
Mehr als die Hälfte der Pirmasenser stimmten per Briefwahl ab (52,8 Prozent). Dieser Wert liegt mit knapp acht Prozentpunkten deutlich unter dem landesweiten Schnitt von 61,3. Tendenziell lässt sich sagen, dass in Rheinland-Pfalz der Anteil der Briefwähler in den Städten niedriger ist als in den Landkreisen.
Hochburg der AfD
Mit Blick auf das Abschneiden einzelner Parteien und Kandidaten gibt es im Wahlkreis ebenfalls ein paar Auffälligkeiten. So kann die AfD bei den Erststimmen im Wahlkreis, zu dem neben Pirmasens noch Zweibrücken, der Kreis Südwestpfalz und Teile des Kreises Kaiserslautern zählen, punkten. Während die Partei landesweit auf 8,8 Prozent der Erststimmen sind, schaffte Wahlkreiskandidat Ferdinand Weber hier 12,6 Prozent. Nirgends im Land hat die AfD besser abgeschnitten. Aber nicht nur bei den Erststimmen ist das Phänomen zu beobachten. Bei den Zweitstimmen ist der Wahlkreis Pirmasens mit 13,1 Prozent ebenfalls eine Hochburg der Partei. Die Zweitstimmenanteile der AfD reichen von 4,3 Prozent in der Landeshauptstadt Mainz bis zu 15,4 Prozent in der Stadt Pirmasens.
Grüne schneiden schlecht ab
Für die Grünen hingegen ist er eher ländlich geprägte Wahlkreis kein gutes Pflaster. Das landesweite schlechteste Ergebnis erzielt die Partei mit einem Zweitstimmenanteil von 7,6 Prozent wie bereits 2017 im Wahlkreis Pirmasens (plus drei Prozentpunkte). In der Landeshauptstadt Mainz werden die Grünen mit 27,5 Prozent der Zweitstimmen stärkste Partei. Das schlechteste Ergebnis für die Ökopartei kommt aus der Stadt Pirmasens: 6,3 Prozent.
Die SPD gewinnt in allen Verwaltungsbezirken in Rheinland-Pfalz Zweitstimmenanteile hinzu. Den geringsten Zuwachs erzielen die Sozialdemokraten in Pirmasens (plus 3,1 Prozentpunkte). Das größte Plus ergibt sich zum Vergleich im Landkreis Vulkaneifel (plus 7,8 Prozentpunkte).
Die FDP wird zwar sehr wahrscheinlich in den kommenden Jahren in der Bundesregierung sitzen, aber ihr Wahlergebnis in Pirmasens trägt dazu nur wenig bei. Während in 32 der 36 Verwaltungsbezirke in Rheinland-Pfalz der Anteil an Erststimmen für liberale Kandidaten steigt, ist er in Pirmasens rückläufig.
In Pirmasens sorgten letztlich 441 Stimmen für einen knappen Vorsprung von Angelika Glöckner (SPD) vor Florian Bilic (CDU). Noch knapper war es in der benachbarten Südpfalz. Dort gewann SPD-Mann Thomas Hitschler mit gerade einmal 49 Stimmen das Direktmandat gegen Thomas Gebhart (CDU).