Pirmasens / Poissy
60 Jahre Jumelage: Was die Pirmasenser in Poissy erlebt und gegessen haben [mit Bildergalerie]
Wer war dabei?
Knapp 50 Personen aus Pirmasens waren am Wochenende in Poissy. Zu der Stadt westlich von Paris besteht seit 60 Jahren eine enge Partnerschaft. Nachdem das Jubiläum im November bereits in Pirmasens gefeiert wurde, stand nun der offizielle Akt in Poissy an. Mit dabei waren neben Vertretern aus der Kommunalpolitik und der Stadtverwaltung auch Teilnehmer eines Französisch-Kurses an der Volkshochschule. Außerdem fuhren zwei Lehrer des Kant-Gymnasiums mit. Es soll geprüft werden, ob wieder ein Austausch zwischen einer Schule in Pirmasens und einem Pendant in Poissy möglich ist. Aktuell unterhalten vor allem der Pfälzerwaldverein Drei Buchen sowie die Modellbare und der Kunstverein engere Beziehungen nach Poissy. Vertreter dieser Vereine gehörten der Delegation ebenso an wie des TVP, der sich in früheren Jahren um die Partnerschaft sehr verdient gemacht hatte. Angeführt wurde die Delegation vom städtischen Beigeordneten Denis Clauer (CDU).
Gibt es noch Menschen, die die Partnerschaft von Anfang an erlebt haben?
Ja, es leben noch einige Personen, die sich schon seit Jahrzehnten engagieren und auch jetzt beim Treffen dabei waren. Auf Pirmasenser Seite ist das Wolfgang Deny. Er war schon als Junge mit den Turnern vom TVP in Poissy und blieb der Jumelage bis heute eng verbunden. In Poissy gibt es mit Jean-Jacques Nicot einen Mann, der die Beziehungen der beiden Städte ebenfalls geprägt hat. Genau wie Deny kam Nicot 1968 als 14-jähriger Turner erstmals nach Pirmasens. Heute ist er als Stadtrat zuständig für die Städtepartnerschaft.
Was stand auf dem Programm?
Die Gastgeber hatten sich für die Besucher aus Pirmasens etwas einfallen lassen und präsentierten ihnen neben einer Flussfahrt auf der Seine durch Paris die zwei bedeutendsten Sehenswürdigkeiten ihrer Stadt – jeweils mit deutschsprachiger Führung: die Stiftskirche und die Villa Savoye. Während die Kirche auf eine mehr als 800-jährige Geschichte zurückblicken kann, gilt die knapp 100 Jahre alte Villa Savoye als architektonisches Highlight aus den 1920er Jahren. Deutlich jünger ist die erst kürzlich eröffnete Lucie-Aubrac-Schule. Eine Kombination aus Grundschule und Kindergarten in einem neu entstandenen Stadtviertel. Knapp 20 Millionen Euro hat das Projekt gekostet. Entstanden ist ein Gebäudekomplex, der als Passivhaus Maßstäbe in puncto Nachhaltigkeit setzen soll.
Wie wird das Jubiläum in Poissy gefeiert?
Auf dem zentralen Marktplatz vor dem Rathaus eröffneten die Vertreter der beiden Städte am Sonntag eine Fotoausstellung. Sie zeigt Motive aus Pirmasens wie den Stierbrunnen und Persönlichkeiten wie Hugo Ball. Dazu gibt es kurze französische Begleittexte, damit die Passanten mehr über die Partnerstadt erfahren können.
Was gab es zu essen?
Essen und Trinken spielt in Frankreich im Allgemeinen und bei Delegationsreisen im Besonderen eine wichtige Rolle. Demzufolge haben sich die Gastgeber Mühe gegeben. Los ging es am Freitag mit einem Empfang auf dem Gelände des örtlichen Golfclubs. Zum Aperitif wurden verschiedene Häppchen gereicht. Das reichte von Jacobsmuschel-Tartar über Tiramisu mit Lebkuchen bis hin zu Schafskäse-Auberginen-Taschen. An den Cocktailempfang schloss sich das eigentliche Essen an, bei dem Austern, Garnelen und Sushi serviert wurden, aber auch frisch gebratene Fleischspieße. Käse und Dessertvariationen sind obligatorisch.
Was am Samstag als „Picknick“ deklariert wurde, entpuppte sich als spanisch angehauchtes Buffet mit Tapas-Variationen, Oktopus und vegetarischer Paella. Als Dessert: Crema Catalana und Tarte de Queso.
Das Gala Dinner am Samstag Abend hatte vier Gänge: Auf Vitello tonnato folgte eine Hähnchenbrust mit Gemüsevariationen und Kartoffelplätzchen. Daran schloss sich die Käseplatte mit Salat an, bevor zum Höhepunkt des Abends noch die große Jubiläumstorte serviert wurde.
Welches Gastgeschenk hatten die Pirmasenser dabei?
Nachdem die Delegation aus Poissy im November Mosaike mit nach Pirmasens brachte, gab es nun im Gegenzug ein Mosaik für die Franzosen. Es zeigt den Fisch, der sich im Stadtwappen von Poissy findet, sowie den Löwen des Pirmasenser Stadtwappens. Gestaltet wurde die Mosaikmünze von Tanja Lebski, die auch für das Mosaik an der Münztreppe verantwortlich ist.
Welche Frage bleibt offen?
„Wo ist Marküs?“ Diese Frage hörte man am Wochenende seitens der französischen Gastgeber. Zum Hintergrund: Oberbürgermeister Markus Zwick (CDU) reiste erst am Samstag an und schaffte es gerade rechtzeitig zur Galaveranstaltung. Am Sonntag reiste er vormittags schon wieder mit dem Zug ab. Zwick machte private Gründe dafür geltend. Allerdings sorgte es auch in Reihen der Pirmasenser Delegation für Fragen, dass das Stadtoberhaupt ausgerechnet bei einem Treffen zum Jubiläum der Städtepartnerschaft nur wenige Stunden vor Ort war.
Ein anderer Punkt, den viele Teilnehmer auf beiden Seiten umtreibt, ist, dass die Kontakte zwischen vielen Vereinen mittlerweile großteils eingeschlafen sind. Gleiches gilt für den Schüleraustausch. Daher lautet die zentrale Frage – gerade im Jubiläumsjahr: Wie kann die Partnerschaft wieder stärker belebt werden?
