Pirmasens Über die Grenzen gegangen

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„Tortour Cyclocross“ – so heißt ein neues, ziemlich außergewöhnliches Querfeldein-Radrennen in der Schweiz. Die erste Auflage der Tortur mit Start und Ziel in Schaffhausen beinhaltete drei Tagesetappen in den Kantonen Schaffhausen, Thurgau und Zürich mit insgesamt 207 Kilometern und 2820 Höhenmetern bei winterlichen Temperaturen. Der Kurs führte durch Schnee und Matsch, Hindernisse wie Treppen oder querliegende Baumstämme waren zu bewältigen. Unter den 84 Startern aus zehn Nationen waren einige ehemalige und aktuelle Mountainbike-Profis wie der Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von 1996, Thomas Frischknecht, und der Schweizer Nationalfahrer Lukas Winterberg. Sieben Teilnehmer konnten das Rennen nicht beenden. Mit dabei und das sehr erfolgreich: die aus Waldfischbach-Burgalben stammende Carina Weidler und ihr Lebensgefährte Martin Tietz aus Kaiserslautern. Ex-Mountainbike-Profi Tietz kam nach 8:46:56 Stunden als Gesamtvierter ins Ziel, Weidler war in 11:06:46 Stunden die zweitschnellste von vier gestarteten Frauen. „Ich bin dabei auch über meine Grenzen gegangen“, sagt die 27-jährige Extremsportlerin. Vor allem in technischer Hinsicht habe ihr das Rennen alles abverlangt. Sie betont: „Ich bin kein Risiko eingegangen, ich habe die Veranstaltung als Erlebnis- und Abenteuerwochenende, nicht als Rennen eingestuft.“ Technisch noch nicht so anspruchsvoll war der 21 Kilometer lange Prolog (120 Höhenmeter) am Freitag. Dennoch war’s nicht einfach für die Waldfischbacherin, wie sie erzählt: „Unglücklicherweise wurde ich zwei Tage vor dem Rennen auf dem Fahrrad von einem Auto angefahren, wobei ich mir eine fiese Steißbeinprellung zuzog, so dass es vor allem berghoch unangenehm war, kräftig in die Pedalen zu treten.“ Ihren Freund Martin Tietz für dieses sportliche Ereignis zu gewinnen, dauerte nicht lange. Trotz eines Infekts in der Woche vor dem Rennen zeigte sich der gebürtige Weimarer, der jetzt in Kaiserslautern wohnt und in einem Radsportgeschäft in Weselberg arbeitet, topfit und behauptete sich trotz kurzer Vorbereitungszeit unter den Schweizer Profifahrern. Am Samstag stand die „Königsetappe“ an. 96 Kilometer und 1600 Höhenmeter galt es bei diesem neuen Ultraformat zu bewältigen. „Die Bedingungen waren schwierig. Wir fuhren etwa 65 Prozent der Strecke auf Schnee und Schlamm. Dementsprechend viel Technik wurde uns abverlangt“, berichtet Tietz. Er gehörte einer Verfolgergruppe an, von der er sich etwa 60 Kilometer vorm Ziel absetzte, um Jagd auf die drei führenden Crosser zu machen. Und das mit Erfolg: Am Ende wurde der Wahl-Westpfälzer in 4:33:17 Stunden Dritter der zweiten Etappe. Tietz: „Diese Platzierung habe ich aber dem Umstand mitzuverdanken, dass ein Topfahrer aufgrund eines technischen Defekts zurückfiel.“ Der nach der ersten Etappe führende Winterberg fiel wegen eines Felgenbruchs sieben Kilometer vor dem Ziel auf Rang sechs zurück. Carina Weidler indes sammelte Grenzerfahrungen. „Mit den Temperaturen kam ich super zurecht, wir hatten auch bei minus 13 Grad trainiert. Extrem gefordert hat mich jedoch der Untergrund. Knöcheltiefer Matsch und teilweise fast knietiefer Schnee machten das Fahren für mich zu einer technisch und auch konditionell sehr schwierigen Angelegenheit. Für mich waren die technischen Ansprüche hier zu hoch.“ Am letzten Wettkampftag standen den Athleten 90 Kilometer und 1100 Höhenmeter bevor. Der Schweizer Winterberg sicherte sich noch den Gesamtsieg bei den Einzelfahrern, Frischknecht belegte bei den Zweierteams an der Seite von Urs Gerig Rang eins. Und Carina Weidler freute sich, nicht nur die Finishermedaille um den Hals zu haben, sondern Platz zwei bei den Frauen erkämpft zu haben. Und das trotz besagter Steißbeinprellung: „Das Auf- und Absteigen aufs Rad, wie ich es geübt hatte, konnte ich nach dem Unfall so nicht umsetzen.“ Das Absteigen sei verletzungsbedingt wenig ästhetisch vonstattengegangen, konnte sie über das Missgeschick nachträglich scherzen. Und sie versprach: „Nächstes Jahr sind wir wieder am Start!“

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