Pirmasens / Südwestpfalz
Ärzte: MVZ Südwest wird größer
Dass sich das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Südwest weiter vergrößert, scheint absehbar. Geschäftsführer Axel Motzenbäcker spricht von „aussichtsreichen Gesprächen“ mit Ärzten, die sich dem Zentrum anschließen könnten. Neben weiteren Fachärzten komme wohl bald noch ein Standort dazu, verrät er. Genaueres wollen er und MVZ-Mitgründer Wolfgang Leidecker noch nicht verraten. Erst stünden Verhandlungen mit dem Zulassungsausschuss an. Was Motzenbäcker dann doch verlauten lässt: Auch in Pirmasens will das MVZ weitere Ärzte aufnehmen.
Schwierigkeiten mache den Ärzten die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung, die vorschreibt, wie viele Sitze es für die einzelnen Fachrichtungen in einer Region gibt. Pirmasens, Zweibrücken und der Kreis Südwestpfalz bilden eine gemeinsame KV-Region. Leidecker zufolge stammt die Bedarfsplanung „noch aus einer Zeit, in der man der Auffassung war, dass es zu viele Ärzte gibt“. Die begrenzten Sitze sollten demnach verhindern, dass sich zu viele Ärzte einer Fachrichtung in derselben Stadt ansiedeln und sich gegenseitig die Patienten abjagen.
Hautarzt gesucht
So dürften sich in der KV-Region Pirmasens, Zweibrücken, Südwestpfalz drei Hautärzte ansiedeln. Damit ist das Gebiet für andere, die sich niederlassen könnten, gesperrt. Die drei Hautärzte gibt es auch. Sie sitzen aber alle in Zweibrücken – weit weg von Patienten in Dahn, Hauenstein oder Heltersberg. Deshalb kritisiert die Leidecker die Bedarfsplanung für die Region. Das MVZ wolle die Situation verbessern. „Wir suchen händeringend einen Hautarzt“, sagt Motzenbäcker offen. Das MVZ wolle – wenn es einen aussichtsreichen Kandidaten gibt – versuchen, mit dem Zulassungsausschuss über einen Sonderbedarf zu verhandeln. „Wir brauchen mehr Ärzte“, bringt es Leidecker auf den Punkt. Es gebe in der ganzen Region und darüber hinaus einen „massiven Ärztemangel“. Der Allgemeinmediziner sieht „ein brutales Versagen der Politik in den letzten Jahrzehnten“.
Im Team des Pirmasenser Urologen Horst Brenneis, der auch zum MVZ gehört, ist seit Ende vergangenen Jahres Regina Nissle angestellt. Die 36-Jährige ist Fachärztin für Urologie. In diesem Fall habe das MVZ beim Zulassungsausschuss erfolgreich einen Sonderbedarf angemeldet, erklärt Motzenbäcker. Auch hier wäre eigentlich kein Sitz frei gewesen, doch man habe argumentiert, dass der Bedarf eben trotzdem da ist und Brenneis die vielen Patienten alleine nur schwer betreuen kann. „Ich habe monatelange Wartezeiten“, erklärt Brenneis auf Nachfrage. Notfälle habe sein Team immer eingeschoben, aber auf reguläre Termine müssten Patienten lange warten. Das soll sich nun ändern. Zudem gebe es Patientinnen, die sich in der Urologie eine Frau als Ärztin wünschen. Dem könne die Praxis nun nachkommen. Regina Nissle habe in der Praxis bereits „ordentlich zu tun“, sagt Brenneis.
Auf Medizin konzentrieren
Nissle kommt aus dem Saarland und hat einen Pfälzer geheiratet: Ihr Mann, der Allgemeinmediziner Jean-Marc Nissle, ist Gesellschafter beim MVZ. „Wir haben Regina Nissle gleich mitverhaftet“, scherzt Motzenbäcker. Das MVZ sei froh, dass sich die Urologin dem Ärzteverbund angeschlossen hat. Zuvor hatte sie in der Klinik in Sulzbach gearbeitet.
Für Ärzte bietet das MVZ praktische Vorteile, wirbt Leidecker. „Viele junge Kollegen wollen nicht allein eine Praxis führen“, meint er. Der Verwaltungsaufwand sei immens, doch im MVZ übernimmt eine eigene Abteilung mit drei Mitarbeiterin diese Arbeit. „Die Kollegen konzentrieren sich auf die Medizin.“ Den Landarzt der 50er-Jahre, der immer im Einsatz war, gebe es nicht mehr. „Gerade Frauen haben mit Recht andere Ansprüche“, findet Leidecker. Flexible Arbeitszeiten und die Balance zwischen Arbeit und Privatleben stünden mehr im Fokus. Zudem nutzen die Praxen des MVZ das gleiche IT- und Verwaltungssystem. Fallen an einem Standort Mitarbeiter aus – zum Beispiel, wenn die Erkältungssaison ihren Höhepunkt hat – könnten Angestellte der anderen Standorte aushelfen. Vor Weihnachten gab es so viele Influenza-Fälle, „dass wir die Praxis in Hermersberg teilweise geschlossen und das Personal in Waldfischbach zusammengezogen haben“, erzählt Leidecker. Während der Corona-Pandemie hätten die Standorte des MVZ „ein Riesenglück“ gehabt: Die Mitarbeiter hätten sich nur vereinzelt angesteckt.
