Pirmasens
Älteste Bäume in Pirmasens: Brandkrustenpilz bedroht Linden hinter dem Alten Rathaus
Eine der fünf Linden ist nicht zu retten. Drei weitere sollen mit Pflegemaßnahmen vielleicht noch erhalten werden können. Nur eine von ihnen zeigt ein positives Ergebnis, das die Stadtverwaltung aufatmen lässt. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, für die am Donnerstag eine Spezialistin aus Zweibrücken anreiste: Eine Schalltomographie wurde an allen fünf Bäumen gemacht, um quasi in den Baum hineinsehen zu können, ohne die Rinde anzubohren.
Fast wie bei einer Wärmebildkamera
24 Sensoren werden auf zwei Ebenen an jeden Baum angelegt, die an der Rinde wirken – fast so, als bekäme der Baum ein EKG. „Das Prinzip ist simpel“, erklärt Francesca Waeldin, die die Untersuchung mit ihrem Unternehmen übernommen hat. Auf jeden Sensor klopft sie mit einem Hammer. Die Schallwelle wird von aufgenommen und in einem Computerprogramm registriert. Wie gerade und wie schnell die Schallwellen durch den Baum durchgehen, errechne das Programm, erläutert die Zweibrückerin. Am Ende wisse man sicher, ob die Stellen zwischen den Sensoren schadhaft sind oder nicht. Das Ergebnis gleicht im Grunde der Aufnahme einer Wärmebildkamera – bloß, dass Rot keine Wärme anzeigt, sondern den Schaden durch den Pilz.
Bei dem Baum, der nicht mehr zu retten ist, sei der Schall von Sensor 16 zu Sensor 19 ungebremst durchgegangen. „Das Innere ist mehr oder weniger hohl“, erklärt die Fachfrau die Bedeutung des Messergebnisses. Die Linde müsse schnellstens gefällt werden, denn es sei nicht abzusehen, wie lange der Baum noch standhalten werde. Die Situation sei deswegen so gefährlich, weil der Baum – so er denn fällt – mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Haus mit Garten treffen würde, weil die Krone besonders in Richtung der Immobilie gewachsen sei. Wenn der Baum dann Blätter trage und blühe, könne starker Wind zur Gefahr für die Bewohner des Hauses werden.
Neue Behandlungsform noch in der Testphase
Der Pilzbefall wurde bei einer Routineuntersuchung durch die städtischen Baumkontrolleure bemerkt. Diese wurde vorgenommen, nachdem eine Kastanie im künftigen Pikopark umgefallen war. Der Pilz hat sich offenbar von der Kastanie weiter zu den Linden ausgebreitet. Der befallene Baum steht nur wenige Meter von dem Ort entfernt, an dem die Kastanie fiel.
Laut Jankwitz handelt es sich um den heimtückischen Brandkrustenpilz, der hauptsächlich Buchen, Ahorn und Linden befällt. Der Pilz führt in Baum und Wurzeln zu einer Moderfäule, die von außen nicht sichtbar ist. Scheinbar gesunde Bäume mit begrünten Kronen fallen ohne Vorwarnung um. Erst dann wird der Pilz sichtbar. Die Schadstellen sehen verbrannt aus, daher auch der Name für den Pilz, dem Jankwitz und sein Team gerne mit einem anderen Pilz zu Leibe rücken würden. Doch diese Behandlungsform befindet sich noch in der Testphase, die Pilze sind noch nicht erhältlich. Derzeit liefen Forschungen, sagt Francesca Waeldin.
Steg soll über die Wurzeln führen
Jankwitz will die weiteren befallenen Bäume mit Kronenrückschnitt, weiteren Zugtests und anderen Untersuchungen vor der Fällung retten. Außerdem soll die Vitalität der Bäume gefördert werden. Dafür soll der Boden um die Bäume herum mit einem Mineraliencocktail und Pflanzenkohle angereichert werden. Es handelt sich schließlich nicht um irgendwelche Bäume: Es ist die älteste Baumgruppe der ganzen Stadt, die da hinter dem Alten Rathaus seit den 1880er Jahren steht. Die Pirmasenser identifizieren sich geradezu mit den Bäumen. Bei der Planung des neuen Pikoparks hatten die Planer sogar den Serpentinenweg in dem Bereich so konzipiert, dass über die Wurzeln der Linden ein Steg führen sollte, während der Rest gepflastert wird.
Der Brandkrustenpilz komme in jüngster Zeit immer häufiger vor, berichtet Francesca Waeldin, die davon ausgeht, das dies auf die Trockenheit der vergangenen Jahren zurückzuführen ist sowie auf die weiter steigende Umweltbelastung. Der Einsatz des Sachverständigenbüros kostet 1000 Euro und wird aller Wahrscheinlichkeit nach im kommenden Jahr wiederholt. Es sei wichtig zu wissen, wie schnell sich der Pilz ausbreitet, um reagieren zu können, sagt die Waeldin.