Neustadt Wochenspiegel:
Er war in der vergangenen Woche in Neustadt. Der Unbekannte mit dem berühmten Arbeitgeber. Die Rede ist von dem Tester, der im Auftrag der Feinschmecker-Bibel von Michelin die Restaurants testet und die begehrten Sterne anschließend vergibt. Das einzige Sterne-Restaurant der Stadt ist das Urgestein im Steinhäuser Hof. Der Aufstieg geht auf die Kochkünste von Benjamin Peifer zurück, der sich nach fünf Jahren bekanntlich verabschiedete, um ein Sabbatjahr einzulegen. Nachfolger Fritz Braumüller steht da natürlich in der unausgesprochenen Pflicht, den Stern zu verteidigen. Denn die begehrte Auszeichnung geht stets an das Restaurant, nicht an den Koch. Dass der Wiener Braumüller, der im berühmten Hotel Sacher gelernt hat, vor dieser Prüfung durch den anonymen Besucher stand, lag auf der Hand. Und auch wenn Maître Tanel Idil jeden Besucher wohl im Geiste danach checkte, ob der unbekannte Tester vor ihm steht, haben sie im Urgestein nichts davon gemerkt. Erst beim Bezahlen zückte der Tester seinen Ausweis und bat noch um Informationen. Urgestein-Betreiber Hanno Rink ist guter Dinge, dass es dem Michelin-Mann gut geschmeckt hat. „Eine Küche muss immer funktionieren, egal ob jetzt der Tester, der Stammkunde oder ein neuer Gast bestellt“, gibt er sich professionell und war auch im Vorfeld nicht nervös. Ob es geklappt hat und das Urgestein weiter mit einem Stern glänzen darf, verrät Michelin immer erst im November. Sterne-Köche müssen bis zur vorgezogenen Bescherung geduldig sein. Das Thema der Woche war der Bombenfund im Böbig, keine Frage. Und weil es auch einige Verwirrung in Sachen Bahnverkehr gab, sind wir an dieser Stelle so frei zu sagen: Neustadt hat keine Kosten und Mühen gescheut, den Bad Dürkheimern ein besonderes Geschenk zum Wurstmarkt zu machen. Schließlich feiert dieser anno 2016 sein 600. Jubiläum, da darf es auch mal ein wenig mehr sein. Indes haben sich die Gemüter zwischenzeitlich wieder beruhigt. Wer morgen unbedingt mit dem Zug ab der Mittagszeit, sprich: während der Entschärfung des Blindgängers, mit dem Zug zum Wurstmarkt will, zwischen Hauptbahnhof und Böbig aber nicht weiterkommt, soll ohne Probleme auf den Bus umsteigen können. Also: Durchatmen, ein wenig gelassen bleiben und dran denken, dass es Schlimmeres gibt. Den Einsatzkräften bei der Bombenentschärfung darf für morgen der Daumen gedrückt werden. Das gilt natürlich vorneweg für den Kampfmittelräumdienst. Zu beneiden sind die Experten nicht, auch wenn sie den Neustadter Blindgänger als eher einfach einstufen. Hat man ja auch nicht immer, ohne hier Parallelen zu anderen Bereichen ziehen zu wollen. Ein Schelm, wer jetzt an die Politik denkt. Im Einsatz sind auch Polizei, Ordnungsamt und Rettungsdienste. Hoffen wir mal, dass die Anwohner im Evakuierungsgebiet vernünftig genug sind und allen Anweisungen nachkommen. Klar ist es nicht angenehm, sein Haus oder seine Wohnung räumen zu müssen. Zumal ja nicht sicher ist, dass wirklich nichts passiert. Doch ist die Evakuierung alternativlos. Also: Durchatmen, ein wenig gelassen bleiben und dran denken, dass es Schlimmeres gibt.