Neustadt Willkomm-Gewerbeverein verschärft Ton gegenüber der Stadt
„Wir diskutieren nur die Standorte für Parkhäuser. Derweil läuft uns die Zeit davon.“ Martin Denzinger, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Parken bei der Willkomm, sparte am Donnerstagabend bei der Mitgliederversammlung des Gewerbevereins nicht mit Kritik an der Stadt, die zum Jahreswechsel die Parkraumbewirtschaftung einführt. Bestandteil des neuen Parkkonzeptes sei die Schaffung von 850 neuen Parkplätzen. Nur unter dieser Voraussetzung habe die Willkomm im Vorjahr die Entscheidung des Stadtrates mitgetragen. Die Stadt tue aber nichts dafür, die neuen Parkplätze auch zügig anzubieten. „Es gibt Interessenten, warum lassen wir die nicht einfach entscheiden, wo sie bauen wollen. Dann können wir in sechs Monaten ein Parkhaus haben“, sagte Denzinger.
Der zweite Willkomm-Vorsitzende Andreas Böhringer wirft der Stadt vor, sich auf den Vorarbeiten der Willkomm auszuruhen: „Wir arbeiten mit, wir suchen Betreiber, aber wir können doch nicht selbst ein Parkhaus bauen.“ Die Stadt sei nur schnell, wenn es darum gehe, die Parkautomaten aufzustellen und Gebühren zu erheben. Sie stehe im Wort, sich bei der Suche nach einem Investor einzubringen oder selbst Geld in die Hand zu nehmen. Da komme aber überhaupt nichts. Der Willkomm-Vorsitzende Stephan Solomon griff das Thema Wirtschaftsförderung auf: „Es gab die klare Zusage, dass Willkomm, Handwerkerschaft und IHK sich beim neuen Konzept einbringen können und auch externer Rat eingeholt wird. Dieses Versprechen ist nicht eingehalten worden.“ Stattdessen habe eine Arbeitsgruppe von Stadtratsmitgliedern am Aufsichtsrat der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (WEG) vorbei die Ausschreibung formuliert. Mit der künftigen Aufgabenbeschränkung auf die reine Wirtschaftsförderung werde die Idee eines integrierten Stadtmarketings aufgegeben. Damit sei die enge Vernetzung von Verwaltung und Gewerbeverein, mit der Neustadt ein Alleinstellungsmerkmal gehabt habe, gefährdet. Solomon berichtete von einem Gespräch mit Oberbürgermeister Hans Georg Löffler (CDU), der nur bereit gewesen sei, eine Kostenzusage für das Honorar von Stadt-Marketing-Berater Karl Eggers und die Geschäftsführung der Willkomm durch die WEG für 2015 zuzusagen. „Was 2016 kommt, wissen wir nicht. Wenn die Geschäftsführung an uns hängen bleibt, wird es schwierig“, so Solomon. Ob die Tourist- , Kongress- und Saalbau (TKS) GmbH einspringe, sei offen. Solomon sprach von einer „neuen Eiszeit der Wirtschaftspolitik“, die im Rathaus einziehe: „Es mangelt an Wertschätzung für unsere Arbeit und damit wird Wertschöpfung verschenkt.“ Er könne sich nicht vorstellen, wie bei solch einem Klima die Stadt bei der nächsten Umfrage der IHK zur Wirtschaftsförderung besser abschneide. Daran könne ein neuer Wirtschaftsförderer, der vermutlich erst in einem halben Jahr seinen Dienst antrete, nichts ändern. (wkr)