Hassloch
Wieso asiatische Wasserbüffel die Pfälzer Landschaft pflegen
Denn auf der ehemaligen Nike-Raketenstation der US-Army werden Haus-Wasserbüffel (Bubalus bubalis), eine domestizierte Form des in Asien beheimateten wilden Wasserbüffels (Bubalus bubalis arnee), zur Landschaftspflege eingesetzt. Auf die wuchtigen Wiederkäuer stießen Tierhalter Norbert Kühn aus Haßloch und Andreas Bauer, zweiter Vorsitzender der Pollichia-Ortsgruppe Neustadt, bei einer Wanderung in der Nordpfalz am Donnersberg. Und waren gleich schockverliebt: „Meine Frau konnte es anfangs nicht glauben, dass jetzt auch solche Tiere auf dem Areal stehen“, erklärt Bauer mit einem Lächeln.
Mit einem Viehtransporter kamen Mitte November fünf Kühe mit drei Kälbern auf dem Gelände an. Ein weiteres Kalb wurde inzwischen auf der Fläche geboren: ein waschechter Haßlocher! Beim Nachwuchs der Büffel handelt es sich um ein Bullenkalb und drei Kuhkälber.
Rinder vertragen sich
Rangkämpfe mit den sieben bereits dort ansässigen pfälzischen Glan- und englischen Hereford-Rindern gab es nicht. Die asiatischen Verwandten wussten durch ihre schiere Größe und ihre gewaltigen Hörner zu überzeugen – selbst der massige Glanbulle Kunibert war von den eine Nummer größeren Tieren beeindruckt. Zu Kreuzungen von Hausrind und Haus-Wasserbüffel kann es nicht kommen, dazu sind die zwei Arten stammesgeschichtlich zu weit voneinander entfernt. Die Haus-Wasserbüffel wurden vermutlich vor gut 5000 Jahren vom Menschen domestiziert. Heutzutage werden sie immer weniger als Arbeitstiere eingesetzt, wichtiger ist mittlerweile die Produktion ihrer intensiv schmeckenden Milch geworden – auch für Butter, Feta, Ricotta, Mozzarella und andere Käsesorten.
„Aufgrund einiger Unterschiede im Verdauungssystem verwerten die Büffel auch Nahrung geringerer Qualität und mit hohem Zelluloseanteil besser als unsere Hausrinder“, informiert Bauer mit Blick auf die Ufervegetation der sich im Gelände befindenden Gewässer. Die „Asiaten“ verspeisen auch Binsen, Rohrkolben, Seggen, Schilf, Schwaden und Schwertlilien. Teiche und Tümpel würden so für Amphibien, darunter Molche, Kreuz- und Knoblauchkröte, Laub- und Moorfrosch, freigestellt und nicht zuwachsen. Daneben legen die wasserliebenden Kerabau, wie die Büffel auch genannt werden, durch emsiges Suhlen selbst neue, ökologisch sehr wertvolle Kleinstgewässer an.
Vierbeinige „Freischneider“
Aber auch wuchernden Brombeeren rücken sie zu Leibe, machen sich den Weg durch das mit Birken bestückte Gelände frei. 14 Hektar der 16 Hektar großen Fläche stehen ihnen dafür zur Verfügung. „Wir müssen keine Wege mehr freischneiden“, bilanziert Bauer erfreut. Darüber hinaus werden sie regelmäßig mit Heu versorgt. Als Leckerli gibt es Äpfel und Karotten.
An den Rinderfladen finden sich Dungkäfer ein, was nicht nur für eine reichhaltige Insektenwelt sorgt, sondern auch Dungkäfer-Spezialisten – sogar aus der Schweiz – nach Haßloch lockt. „Ich kann beobachten, dass Vögel auf dem Rumpf der Rinder thronen“, ergänzt Bauer. Ein Bild, das man von Afrika und den dort lebenden Madenhackern kennt, die auf großen Haus- und Wildtieren herumturnen – und in unserer Region auch an Pferden mit darauf sitzenden Staren zu sehen ist: als Aussichtswarte oder zum Aufspüren von Parasiten an den Weidetieren.
Wildschweine flüchten
Positive Reaktionen rufen die Rinder bei dort vorbeikommenden Wanderern und Radfahrern hervor. „Unsere Rentner“ haben ein wachsames Auge auf die Tiere, erklärt Naturschützer Bauer, der das Gelände für die Pollichia seit elf Jahren im Einklang mit der US-Army fachlich betreut, augenzwinkernd.
Nur auf den gewohnten Anblick einer „europäischen Savanne“, bestehend aus Rehen, Feldhasen, Wildschweinen und den Hausrindern, die früher in der Dämmerung auf dem Areal stets zusammenfanden, muss er jetzt verzichten. Die Büffel, die sich den Wildschweinen unbekümmert nähern, schlagen diese regelmäßig in die Flucht. „Die wollen nur spielen“, versichert Bauer glaubhaft.