Neustadt Ein Naturgarten als Visitenkarte: Warum am „Haus der Artenvielfalt“ gebaut wird
Der sonnige Novembertag kommt der Arbeitertruppe in der Erfurter Straße sehr gelegen. Mit Schaufeln und Hacken legt die kleine Mannschaft Hand an: Eine Trockenmauer soll an der aufgegrabenen Stelle entstehen. Kai Hensel, bei der Pollichia-Geschäftsstelle für Umweltbildung zuständig ist, koordiniert alles und macht einen zufriedenen Eindruck. Die kleine Baustelle befindet sich im Vorgarten des „Hauses der Artenvielfalt“ der Georg-von-Neumayer-Stiftung. Dort hat der Naturkundeverein Pollichia seine Geschäftsstelle, und es gibt im Gebäude unter anderem verschiedene Seminarräume.
Aber die Verantwortlichen möchten, dass das Haus – seinem Namen entsprechend – noch mehr zum Vorbild und auch lebendiger wird. Aus diesem Grund die Vorgarten-Baustelle. Pollichia-Geschäftsführerin Julia Schulze und Planerin und Architektin Caroline Probst erklären das neue Gartenkonzept. Bisher sei das Gelände zwar ehrenamtlich gepflegt worden, sei im Prinzip aber nicht mehr „als ein Rasen mit Kräutern“ gewesen. Durch die Neugestaltung werde nun eine naturnahe Fläche mit Wildpflanzen angestrebt, auf der es blühe und dann auch viele Insekten heimisch werden, erklärt Probst. „Wir wollen nach außen zeigen, dass das hier das ,Haus der Artenvielfalt’ ist“, so die Planerin.
Info-Tafeln für Passanten
Trotz der noch laufenden Arbeiten sind schon erste Konturen der neuen Anlage erkennbar: Es wird Wege geben und Sitzmöglichkeiten. Da der Garten auf der Südseite liege und im Sommer mit extremer Hitze zu tun habe, habe man bewusst auf eine Substrat-Variante als Bodenbelag gesetzt. In dieser Umgebung könnten die heimischen Pflanzenarten sehr gut gedeihen, sagt Probst. Durch den naturnahen Ansatz sei die 150 Quadratmeter Fläche in der Pflege nicht sehr intensiv. Dafür soll alles perfekt für Pflanzen und Tiere angelegt werden: Gehölze mit Sträuchern, eine Magerwiese sowie Stauden, kleine Wege mit Steinbänken, eine Wasserstelle für Tiere und eine Eidechsenburg. „Alle Materialien kommen aus der Region“, betont Probst.
Schulze ergänzt, dass Info-Tafeln aufgestellt werden, damit Passanten sich über das Gartenkonzept und die einzelnen Pflanzen informieren können. Neugierige seien zudem eingeladen, alles aus der Nähe zu betrachten. „Das soll einladend wirken“, so Schulze. Die Pollichia plant mit Kai Hensel zudem Projekte mit Schulen und Kitas. „Die Kinder sollen vor Ort in unserem Garten sehen und erleben, was naturnah und artenfreundlich bedeutet“, sagt Schulze.
Etliche Arbeitsstunden ehrenamtlich geleistet
Das Projekt ist über Spenden finanziert worden. Zum Teil Geldspenden, zum Teil Sachspenden und zum Teil „Zeitspenden“, also ehrenamtliche Arbeit. „Weitere Spenden wären wichtig, darüber würden wir uns sehr freuen“, so Schulze. Spenden sind möglich bei der Georg-von-Neumayer-Stiftung (IBAN: DE24 5485 0010 0010 0684 27), Kennwort HdA-Vorgarten. Probst ist der beauftragten Gartenbaufirma dankbar, dass sie das Projekt dadurch unterstützt hat, dass etliche Arbeitsstunden ehrenamtlich geleistet wurden. Außerdem habe die Wildpflanzengärtnerei aus Alzey die Hälfte der Pflanzen für den Vorgarten gespendet. Am 28. November will Probst ab 19 Uhr im Haus der Artenvielfalt über Naturgärten als Brücke zwischen Ökologie und Gestaltung informieren.