Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Einst Raketenstation, heute Naturparadies

Auf Karotten ist der Glanbulle Kuhnibert ganz scharf, weiß Andreas Bauer von der Pollichia.
Auf Karotten ist der Glanbulle Kuhnibert ganz scharf, weiß Andreas Bauer von der Pollichia.

Wo bis vor 40 Jahren Flugabwehrraketen der US-Army lagerten, grasen heute friedlich Glanrinder und Zwergzebus. Auf dem Gelände der ehemaligen Raketenstation im Haßlocher Wald, das vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause bietet, erfüllen sie einen wichtigen Auftrag.

Grünes Blatt, Kleiner Feuerfalter, Rotbraunes Ochsenauge, Weißgraue Sumpfgraseule und Purpurstreifen-Zwergspanner: Das sind nur fünf von 208 Schmetterlingsarten, die Experten des rheinland-pfälzischen Naturschutzvereins Pollichia 2018 auf der ehemaligen Nike-Raketenstation am Südrand des Haßlocher Waldes auffinden und bestimmen konnten.

Wurde früher die 16 Hektar große Fläche durch die Benutzung der US-Army offengehalten, ist es seit 2017 das Beweidungsprojekt mit Glanrindern und Zwergzebus, das für den Erhalt dieser großen Artenvielfalt auf dem Gelände sorgt, das vom Ambiente her an englische Parks erinnert.

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Nicht nur bei Faltern: „Mit Knoblauchkröte, Berg-, Kamm- und Teichmolch, Gras-, Laub-, Spring- und Grünfrosch weist das Areal auch eine Vielzahl an Amphibien auf“, erklärt Andreas Bauer im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Wir haben viele Anstrengungen vor allem für die Kreuzkröte unternommen, die erst wieder in den Rheinauen vorkommt“, so der Zweite Vorsitzende der Pollichia-Kreisgruppe Neustadt, der die Fläche federführend für die Naturschützer betreut.

An seltenen Vogelarten sind Heidelerche, Flussregenpfeifer, Baum- und Brachpieper sowie der Ziegenmelker zu verzeichnen, für den Naturschützer nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus der Schweiz nach Haßloch kommen. Zum großen Artenspektrum gehören bei den Libellen auch die Gold-Azurjungfer und der zu den Mistkäfern zählende Stierkäfer, der drei Hörner am Halsschild aufweist und von der Beweidung profitiert, ergänzt Pollichia-Präsident Michael Ochse aus Weisenheim am Berg.

Aktuell sind es 15 Rinder, die 14 der 16 Hektar Gesamtfläche vom Baumbewuchs abschnittsweise eingesetzt frei halten. Insbesondere von der Spätblühenden Traubenkirsche, einer invasiven, ursprünglich aus Nordamerika stammenden Baumart. Punktuell werden auch Schafe eingesetzt, um den Kiefernaufwuchs niederzuhalten.

Glanrinder seit dem Sommer im Einsatz

Erst seit dem Sommer sind drei Glanrinder, eine stark gefährdete Haustierrasse, mit dabei. „Anderthalb Jahre alt, eine Tonne schwer, nicht behäbig, weiß sein Gewicht einzusetzen“: So charakterisiert Andreas Bauer „Kuhnibert“ . Mit dem großen Glanbullen beginnt er sich jetzt anzufreunden. Dabei sind nicht nur Futterkarotten hilfreich. „Ganz wild sind sie auf Bananen“, verrät der Neustadter augenzwinkernd. Für die Tiere des Haßlocher Halters Norbert Kühn wurde ein Offenstall gebaut, den bis auf die Leitkuh allerdings keiner der vierbeinigen Landschaftspfleger betritt. „Die gucken nur trübselig rein“, hat Bauer beobachtet.

Künftig soll es mehr in Richtung Glanrind gehen, da dieses mehr Fleisch hat und deshalb besser zu vermarkten ist als die mageren Zwergzebus. Auf dem Gelände vermehren sich die robusten Rinder problemlos. Bislang gab es 20 Geburten, resümiert Bauer.

„Ein Leuchtturmprojekt“, freut sich Johannes Haid. Der Schwetzinger ist als Mitarbeiter der US-Army auch für die Raketenstation zuständig, deren Renaturierung ein Ausgleich für Baumaßmaßnahmen des US-Depots Germersheim war. Die Haßlocher Zwergzebus und Glanrinder locken viele Besucher aus nah und fern an. Gesellen sich in der Abenddämmerung noch Rehe und/oder Wildschweine aus dem umliegenden Wald dazu, weht ein Hauch europäischer Savanne über die Raketenstation.

Auch der Kleine Feuerfalter profitiert vom Beweidungsprojekt.
Auch der Kleine Feuerfalter profitiert vom Beweidungsprojekt.
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