Neustadt
Wie werden Spielplätze geplant?
Wann ist ein Spielplatz gut? Michael Fuhrer, der Leiter der Abteilung Stadtbild und Grün, findet diese Frage schwierig. „Das ist doch alles subjektiv: Der eine findet das gut, der andere was anderes“, sagt er. Dennoch gibt es durchaus auch objektive Kriterien. Und die erfasste die Verwaltung vor etwa zehn Jahren, als sie ein Spielplatz-Sanierungskonzept entwickelte. Dazu wurde zunächst einmal der Ist-Zustand erhoben: Wie weit haben es die Kinder zum nächsten Spielplatz? Wie ist der Altersschnitt der Kinder in den jeweiligen Vierteln, was also könnte für sie attraktiv sein? Und wie ist der Zustand der mehr als 50 Spielplätze in Neustadt? „Da waren wir damals recht gut, das hätte ich nicht gedacht“, sagt Fuhrer. Gleichwohl hat sich seither an einigen Stellen etwas getan.
Doch wie wird entschieden, wie ein Spielplatz neu angelegt wird und welche Spielgeräte dafür angeschafft werden? Baudirektorin Martina Annawald schaut zu Fuhrer und sagt lachend: „Er macht sich da wirklich gerne Gedanken.“ Der Angesprochene erzählt, dass er Fachzeitschriften liest, auf Messen geht – und auf Gartenschauen, wo gerne Neuheiten präsentiert würden. Fuhrer hat bemerkt, dass der „Spielplatztourismus“ zugenommen hat, dass also Eltern mit ihren Kindern unterschiedliche Spielplätze ansteuern. „Die Leute mögen Abwechslung, daher sind unterschiedliche Themen wichtig.“ Es sollte seiner Meinung nach aber zum Standort passen, er nennt als Beispiel Duttweiler, wo der im Herbst fertiggestellte Spielplatz ans Pfefferminzbähnel erinnert. Es würden auch Wünsche von vor Ort gehört, so gab es zuletzt in Haardt eine Bürgerbeteiligung dazu. Wenn Fördermittel fließen, sind zudem Vorgaben der Geldgeber zu berücksichtigen.
„Spielgeräte sind erschreckend teuer“
Bei der Auswahl der Spielgeräte ist die Angebotspalette enorm, wie Annawald sagt. Die Zeiten, in denen überall nur Schaukel, Wippe und Rutsche standen, sind vorbei. Beschränkt wird die Fantasie hier aber durch den Etat: „Die Spielgeräte sind erschreckend teuer“, sagt Annawald, das habe nichts mit dem zu tun, was die Bürger aus dem Baumarkt kennen. Die hohen Preise liegen nicht zuletzt an den Prüfungen, die die Geräte durchlaufen müssen.
Fuhrer und Annawald nennen ein Beispiel: Das neue Schiff auf dem Piratenspielplatz hat 180.000 Euro gekostet. Es ist aus Metall, der Vorgänger war aus Holz. „Das hält jetzt aber auch 50 Jahre“, sagt Fuhrer, der sich dankbar zeigt, dass der Stadtrat bei der Anschaffung mitgegangen ist. Entscheidend sei dabei der Spielwert gewesen. Beim Vorgängermodell seien die Kinder nach fünf Minuten mit dem Spielen fertig gewesen, nun würden sie sich 20 Minuten verweilen. Nicht nur mit Blick auf den Piratenspielplatz sagt Fuhrer: „Der Stadtrat war uns wohlgesonnen.“ Wobei er weiß, dass dies künftig nicht mehr so einfach sein werde wegen der angespannten Finanzlage. Fuhrer und Annawald gehen davon aus, dass der Spielplatz in Duttweiler der vorerst letzte war, der komplett in Eigenregie der Stadt gebaut wurde. Künftig werde ohne Fördermittel wohl kaum etwas gehen.
Regelmäßige Kontrollen
Bei der Planung von Spielplätzen bindet die Verwaltung von vornherein Spielplatzprüfer mit ein. Diese bewerten etwa die Fallhöhen und wissen, wo beispielsweise Holzhackschnitzel Stürze dämpfen sollen. Einmal im Jahr nimmt ein Prüfer alle Spielplätze genau unter die Lupe, etwa was die Standsicherheit und möglichen Verschleiß angeht. Dann müssen mitunter Spielgeräte abgebaut werden, weil sie unsicher geworden sind. Darüber hinaus gibt es vierteljährliche Kontrollen durch den externen Sachverständigen, die fast genauso intensiv sind. Ansonsten schauen Beschäftigte der Stadt nach dem Rechten, wobei das laut Fuhrer reine Sichtkontrollen sind. Das kann täglich oder auch nur zweiwöchentlich der Fall sein, abhängig vom Nutzungsgrad des Spielplatzes.
Hinweise zu Schäden kommen auch von den Bürgern, etwa über die Meldoo-App. Dem werde dann nachgegangen. Es gibt aber auch Beschwerden, die letztlich ins Leere laufen, etwa wenn Eltern sich beklagen, dass es keine Spielgeräte für sehr kleine Kinder gebe. Annawald sagt dazu: „Spielplätze sind nur für Drei- bis 13-Jährige gedacht.“ Das sei rechtlich so festgelegt. Denn jüngere Kinder seien motorisch in der Regel nicht so weit, sie nutzen zu können. Verboten sei es freilich nicht. „Da müssen dann aber vielleicht die Eltern helfen, die Leiter zur Rutsche hochzukommen.“
Keine Chance für Sonnensegel
Mit Blick auf eine andere typische Beschwerde sagt Fuhrer: „Metallrutschen können im Sommer heiß werden, da stehen die Eltern in der Verantwortung.“ Annawald sekundiert, dass die Rechtsprechung da eindeutig sei. Und sie ergänzt: „Spielplätze sind keine risikofreie Gummizone.“ Die Kinder sollten dort motorische Fähigkeiten entwickeln, da könne dann auch mal was schiefgehen und sich ein Kind etwa ein Knie aufschlagen.
Und dann ist da noch die Sache mit dem Sonnenschutz. Fuhrer und Annawald lehnen Sonnensegel klar ab. Diese seien teuer in der Anschaffung und teuer im Unterhalt, weil sie im Herbst abgehängt, gewartet und gereinigt werden müssten. Außerdem: „Vandalismus ist hier ein großes Problem“, sagt Annawald. Für den Schutz vor der Sonne werden deshalb Bäume gepflanzt. Dass es dauert, bis diese ihre Wirkung entfalten, ist den beiden freilich auch klar.
RHEINPFALZ-Serie
Die RHEINPFALZ wird in der Serie „Spielplatz-Check“ in den nächsten Wochen einige Spielplätze in Neustadt unter die Lupe nehmen und sie danach bewerten, was sie an Spielmöglichkeiten und Aufenthaltsqualität bieten.