Neustadt Wie der Markt in Diedesfeld das Dorfleben prägt
„Der Dorfplatz ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht“, stellt Christina Valnion stolz fest. Auch Sabine Baßler ist am Donnerstag sichtlich gerührt, wie viele Menschen zum ersten Geburtstag des Diedesfelder Markts gekommen sind. „Wir haben so viel Herzblut, Energie und Zeit investiert und ganz viele Gespräche geführt, damit das erste Jahr so erfolgreich lief.“ Ein Markt in Diedesfeld? Das lohne sich nicht, sagten Kritiker noch vor Start. Baßler und Valnion haben sie eines Besseren belehrt. Am 3. Mai 2024 organisierten sie zum ersten Mal den „Diddesfedler Dunnerschtach“ auf dem Dorfplatz – damals war Uwe Carius mit seinem Obst- und Gemüsestand der einzige Beschicker und völlig überwältigt von der großen Resonanz auf das neue Angebot.
Auch am Jubiläums-Donnerstag hat der Händler aus Albersweiler alle Hände voll zu tun. „Die Bilanz: Wahnsinn“, sagt Carius, „die Leute sind so gut drauf, und die Diedesfelder grüßen und hupen sogar, wenn sie mich irgendwo anders sehen.“ Dann muss er schnell mit ein paar Zwiebeln bei Fischdelikatessen Schott aushelfen, der heute zum ersten Mal dabei ist. Die Schlange vor dem Fischstand reißt nie ab. Er soll das Angebot von Obst, Gemüse, Backwaren, Käse und Kaffee beim Markt auch zukünftig bereichern.
Hier trifft sich Jung und Alt
Was den Markt in Diedesfeld besonders macht: Hier sieht man nicht nur die Seniorin mit Rollator in der Schlange, sondern auch junge Mütter mit Baby auf dem Arm, Handwerker, die sich einen Snack in der Mittagspause holen und Berufstätige, die neben dem Homeoffice schnell ihren Einkauf erledigen. Eine 73-Jährige kommt „bald jede Woche“ aus Maikammer. Dass das Angebot gut läuft, erklärt sie unter anderem damit, dass die Diedesfelder einfach offener und optimistischer seien als andere. „Der Platz ist schön, die Qualität der Waren ist gut, und ich kann danach noch einen Kaffee trinken.“ Den gibt es auf Wunsch der Besucher beim Kaffeemobil von The Flying Coffee (Worms). „Ich bin gerne hier, die Leute sind herzlich“, sagt Inhaber Peter Schelle. Der Markt sei Treffpunkt für Nachbarn, Geschwister oder Klassenkameraden. „Man unterhält sich nach dem Einkauf noch bei einem Kaffee. Das spricht sich rum.“
Als familiär beschreibt Vladi Gleber von Käsespezialitäten Wissmann (Maxdorf) den Markt. „Es ist ein stückweit wie Urlaub, wenn ich hierher komme.“ Eine Gruppe aus sieben jungen Frauen aus dem Ort kommt regelmäßig auf dem Dorfplatz zusammen. „Sonst gibt’s hier ja nix, das müssen wir ausnutzen“, sagt eine. Schließlich sei das ganze Dorf da. „Manche hat man seit 20 Jahren nicht gesehen“, sagt Gerdi Becker. Die Ur-Diedesfelderin sitzt mit ihrer alten Schulfreundin Traudl Naumann aus Hambach bei einem Getränk vom Ausschank des Weinguts Glas am Tisch. „Wir hoffen, dass der Markt sehr lange bleibt“, bekräftigt Naumann.
Diedesfeld-Merchandise kommt an
Verkaufsschlager ist am Donnerstag Kleidung mit eigens kreiertem Diedesfeld-Logo. Eine 89-Jährige trägt ihres mit Stolz und verkündet: „Ich habe überall Werbung dafür gemacht.“ Das scheint zu wirken, das Logo ist vielfach zu sehen.
Um sich noch besser mit den Diedesfeldern zu verbinden, haben Valnion und Baßler den Whatsapp-Kanal „Unser Leben im Mittelpunkt“ gegründet. Rund 200 Personen verfolgen darüber Neuigkeiten rund ums Dorfgeschehen.