Neustadt Neuer Markt in Diedesfeld: Mehr als nur einkaufen

Uwe Carius hat an seinem Obst- und Gemüsestand schon erste Diedesfelder Stammkunden.
Uwe Carius hat an seinem Obst- und Gemüsestand schon erste Diedesfelder Stammkunden.

Frische Ware aus der Region, fußläufig erreichbar: Der neue Markt in Diedesfeld ist gut angelaufen – so gut, dass mittlerweile vier Beschicker am „Diddesfelder Dunnerschdach“ ihre Waren im Weindorf anbieten. Die Resonanz: durchweg positiv. Nur eine Sache fehlt den Kunden noch.

Ein Markt in Diedesfeld? Das lohne sich auf Dauer nicht für die Beschicker, meinten Kritiker nach dem Start des von der CDU initiierten Angebots Anfang Mai. Doch der Ansturm st auch in der achten Woche ungebrochen hoch, wie ein Besuch an diesem Donnerstag zeigt. Dabei hatte die CDU zu Anfang Mühe, überhaupt einen Beschicker davon zu überzeugen, nach Diedesfeld zu kommen. Nur Uwe Carius (Albersweiler) war zunächst bereit, seinen Wagen mit Obst und Gemüse auf dem Dorfplatz aufzubauen. Mittlerweile konnten drei weitere Händler gewonnen werden. „Es ist super, dass man im Dorf einkaufen kann, das hat gefehlt“, sagt Giuseppe Guglielmi. An den vier Ständen finde man mit Obst, Gemüse, Käse, Wurst, Fleisch und Backwaren alles, was man brauche. „Ich bin gespannt, was ich noch alles kaufen werde.“

Gabi und Stefan Medart finden den Markt im Ort praktisch und sind bereits zum zweiten Mal da. „Wenn die Ware stimmt, dann läuft’s“, sagt er. Der Platz sei schön, ergänzt sie, nur die Öffnungszeiten von 7 bis 12.30 Uhr seien für Berufstätige schwierig. Uwe Carius hört mit, holt seine Visitenkarte heraus und sagt: „Rufen Sie mich vor der Arbeit an, ich richte Ihnen, was sie brauchen.“ Der Obst- und Gemüsehändler ist noch immer von der Resonanz überrascht. „Die Leute kaufen gut, so hab ich das in noch keinem anderen Ort erlebt.“ Was ihm auffällt: Anderswo seien vor allem die Alten Marktgänger, in Diedesfeld ist die Kundschaft altersmäßig bunt gemischt – für die Beschicker wichtig, weil andernorts Märkte mit der alten Stammkundschaft gestorben seien, wie einige berichten.

Persönlicher Kontakt

Eine 73-Jährige ist zum ersten Mal beim Markt und mustert die Auslage. „Ich will das unterstützen. Die meisten verstehen nicht, wie wichtig so ein Markt ist, gerade für die Älteren.“ Vor allem das Brot will sie testen. „Hat das Steinofenbrot eine harte Kruste?“, will die Frau vor ihr in der Schlange am Bäckerwagen von Scheurich (Hauptsitz Essingen) wissen. Anja Höfer empfiehlt das weichere Bauernbrot. „Es läuft sehr gut in Diedesfeld“, sagt die Verkäuferin. Während sie das Brot maschinell in Scheiben schneidet, tauschen die Kunden vor dem Tresen den neusten Dorfklatsch aus, beraten, welche Backware zuerst getestet wird, oder fragen, wie es denn den Enkeln geht. Auf dem Markt wird es schnell persönlich. „Mein Mann isst jeden Tag ein Stück Kuchen zum Kaffee“, verrät etwa die nächste Kundin.

 Die Schlange am Wagen der Bäckerei Scheurich reißt nicht ab. Ein Bäckergeschäft gibt es in Diedesfeld schon länger nicht mehr.
Die Schlange am Wagen der Bäckerei Scheurich reißt nicht ab. Ein Bäckergeschäft gibt es in Diedesfeld schon länger nicht mehr.

Aus Hambach beziehungsweise Maikammer sind Susanne Wolf (38) und Rebecca Helfrich (39) auf den Dorfplatz gekommen. Eine Freundin habe vom neuen Markt erzählt. „Hier gibt es keinen Standard von irgendwo, sondern Spezielles aus der Region“, begründet Wolf. Auch Helfrich findet eine Grundversorgung in Dörfern wichtig.

Von Angebot überzeugen

„Die Kunden hier sind superlieb“, freut sich Vladi Gleber, die seit mehr als zehn Jahren auf Märkten im Umkreis von 130 Kilometern die Käsespezialitäten von Wissmann (Maxdorf) verkauft. „Und der Ausblick aufs Hambacher Schloss vom Stand aus ist auch einmalig.“ In Diedesfeld ist es Glebers erster Verkaufstag, bisher ist sie mit der Kundenfrequenz zufrieden. „Die Leute kaufen erst mal kleinere Portionen, um zu probieren“, erklärt Gleber, die ihre Kunden gerne zu der großen Auswahl berät. Mit dem würzigen Bergkäse aus der Schweiz könne man zum Beispiel nichts verkehrt machen, versichert sie einer älteren Dame. „Der schmeckt besonders, wenn sie ihn über Nudeln reiben. Darf’s sonst noch etwas sein, meine Liebe?“

Bummeln, stöbern, probieren: Bei Wissmann gibt es Käse aus verschiedenen Ländern.
Bummeln, stöbern, probieren: Bei Wissmann gibt es Käse aus verschiedenen Ländern.

Die Dame hat, was sie braucht, und zieht weiter zum Stand von Bernd und Jeanette Krämer, die auf ihrem Bauernhof Krämer in Rödersheim-Gronau nach eigenen Aussagen noch selbst schlachten und Wurst- und Fleischwaren eigenhändig produzieren. Ob die Produkte auch in Diedesfeld ankommen, wollen die beiden nun bis zur Sommerpause testen. „Wir haben Stammkunden, die die regionale Qualität schätzen“, sagt Bernd Krämer, der seit 16 Jahren auf den Verkaufswagen setzt. Von den Markttagen in Haßloch und Schifferstadt weiß er: „Nicht die Größe ist für den Erfolg eines Markts entscheidend, sondern ob ein Supermarkt in der Nähe ist.“ Anknüpfungspunkt seien auch Möglichkeiten für ein Frühstück oder einen Kaffee in Marktnähe, sodass die Leute sich länger aufhalten. Mancher wünscht sich auch eine Kleinigkeit zu essen zur Mittagszeit. „Das würde sich für Leute, die im Homeoffice arbeiten, lohnen“, so ein Kunde.

Kaffee wird vermisst

Was aber alle Marktbesucher als Wunsch nennen: einen Kaffeestand. „Sonst kauft man ein und geht gleich wieder“, heißt es da, oder: „Ein Stehtisch zum Plaudern wäre toll.“ Vladi Gleber vom Käsestand macht einen Vorschlag, der gut ankommt: „Das nächste Mal bringe ich meine Kaffeemaschine mit.“

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