Neustadt
Wasserball: SCN-Nachwuchs kämpft um Deutsche Meisterschaft
Bei der Endrunde zur deutschen Wasserball-U18-Meisterschaft am Wochenende im Neustadter Stadionbad ist der SC Neustadt der „David“ unter den drei großen „Goliaths“ der Wasserballszene im Jugendbereich. Rund 200 Zuschauer dürfen dank des Hygienekonzepts die Spiele verfolgen. Die Gäste, der Titelverteidiger White Sharks Hannover, der ASC Duisburg sowie der SSV Esslingen, waren in den jüngsten Jahren in dieser Altersklasse dominierend.
Vor vier Jahren wollten die erfolgsverwöhnten Esslinger das neu gebildete SCN-Team nicht in der baden-württembergischen Jugendliga mitspielen lassen. Der SCN geht daher mit viel Power in das Turnier. Noch ein Rückblick: 2019 machten die SCN-Buben der Konkurrenz bei der Endrunde zu U16-Meisterschaft im heimischen Stadionbad das Leben schwer. Nach einer knappen 12:13 Niederlage gegen den SSV Esslingen waren sie schon vor zwei Jahren nahe dran an der Sensation. Immerhin gelang es dem SCN-Team in diesem Turnier, für die Fachwelt überraschend Rang drei zu holen. Die meisten Jungs sind heute noch dabei und haben sich positiv weiterentwickelt. Ein Grund waren die Einsätze im Zweitliga-Kader. 2020 hatte die Corona-Pandemie allerdings das Wasserballgeschehen in Neustadt ausgebremst. Erst jetzt im Mai und Juni gab es für das U18-Team wieder offizielle Spiele in der Qualifikationsphase zur Endrunde. Auch dabei überraschte Neustadt. Beispielsweise mit einer tapferen 6:16-Niederlage gegen Hannover in der Vorrunde und einem Sieg in der Halbfinal-Vierer-Runde gegen Gastgeber Esslingen.
Immer auf Sieg spielen
Zum Härtetest wurde zudem ein Qualifikationsturnier zum Aufstieg in die Männer-Bundesliga am vergangenen Sonntag, das der SCN-Nachwuchs – verstärkt durch drei Routiniers – souverän gewann. Ein Grund für die Erfolge ist der Weitblick von SCN-Manager Michael Heinz. Er organisierte im November während des Lockdowns mit organisatorischem und finanziellem Einsatz ein durchgehendes Hallentraining im „Moby Dick“. Jetzt sagt er verschmitzt: „Wir sind wie immer der Außenseiter, denn wir haben nicht die gleichen Möglichkeiten wie die anderen Clubs. Egal wie es ausgeht, wir sind bei den besten vier Mannschaften in Deutschland. Wir spielen in jedem Spiel auf Sieg.“ An die Jungs richtete er, weil er als BASF-Vorstandsmitglied in den USA nicht vor Ort die Daumen drücken kann, bereits zum Vorrundenturnier ein eindringliches Motivationsschreiben.
Torwart Hendrik Hummel erwartet eine besondere Herausforderung. Vor allem Hannover und Duisburg überzeugten bislang mit ihrer Torausbeute. Gelingt es Hummel, einige Angriffe der Gegner zu entschärften, dann gibt er seinem Team Aufwind und kann auch die gefährlichen Konter einleiten. Der 18-Jährige, der die 12. Jahrgangsstufe im Gymnasium Edenkoben besucht, ist hart im Nehmen. Sein Berufswunsch geht momentan „in Richtung Bundeswehr oder Bundespolizei“. Zur Vorbereitung hat er die Gegner genau studiert, sich die Videos der Spiele angesehen und dort besonders die Torjäger analysiert. Er sagt: „Druck empfinde ich nicht. Es macht einfach Spaß, richtig zu spielen. Wir können jeden schlagen.“
Finalteilnahme ein „riesiger Erfolg“
Sein Trainingsalltag unterscheidet sich von dem der Teamkollegen. So gibt es ein Reflextraining mit Tennisbällen, die schnell auf sein Tor zufliegen. Und während die anderen ihre Bahnen mit schnellen Sprints ziehen, macht er Beintraining. Das bedeutet Wassertreten mit einem Zwei-Kilogramm-Bleigürtel um den Bauch und einen fünf Kilo-Medizinball über dem Kopf. Selbst während des normalen Trainings bleibt der Bleigürtel an. Er gesteht: „Es ist schon anstrengend, aber wenn man etwas erreichen möchte, muss man hart arbeiten.“
Coach Peter Jacqué sieht mit dem dreiköpfigen SCN-Trainerteam sein Team in der klaren Außenseiterrolle. Seinen Jungs fehle einfach Spielpraxis, sagt er. So konnten im Vorjahr die ersten Vier der U18-Bundesliga immerhin eine Finalrunde austragen. „Aber wir sind stolz darauf, dass wir jetzt das vierte Team sind, das die drei Finalteilnehmer des Vorjahres, Esslingen, Duisburg und Hannover, ergänzt. Die Qualifikation für die Finalrunde ist ein riesiger Erfolg für uns.“
Doch trotz der ausgezeichneten Trainingsbedingungen der vergangenen Monate sieht Jacqué einen Nachteil: „Die Spieler der Konkurrenten wurden seit März schon in der Männer-Bundesliga eingesetzt. Sie haben also bereits Wettkampfhärte gesammelt.“ Und weil bei der überaus robusten Spielweise im Wasserball vor allem Kraft, Routine und Cleverness zählen, bleibt den SCN-Verantwortlichen nur das Motto an die Jungs: „Geht raus, habt Spaß, genießt das Turnier. Ihr habt keinen Druck, es gibt keine Erfolgsforderungen.“ Und insgeheim keimt doch die Hoffnung, zumindest einen der drei Großen durch Konzentration, Taktik und Frechheit zu besiegen.
So spielen sie
SC Neustadt: Hummel, Baaden – Bauer, Beck, Giese, Guth, Muffang, Schädler, Lukas Schwarzkopf, Tim Schwarzkopf, Spandick, Stedler, Hvric, Vagts, Ananias.