Neustadt
Was tun Lokalpolitiker, wenn der Friseur zu hat
„Meine Haare?“, fragt Neustadts Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) und lacht, bevor er einen Blick in den Spiegel wirft. „Es geht noch“, teilt er mit. Er sei kurz vor dem Lockdown bei dem Friseur seines Vertrauens gewesen, bei Friseur Braun in der Hauptstraße, den er schon seit Jugendzeiten regelmäßig aufsuche. Färben ist für den 42-Jährigen kein Thema: „Mein Haar wird zwar zunehmend grauer, aber ich habe mich gegen das Färben entschieden.“ Was er machen würde, wenn er noch länger auf seinen Friseur verzichten muss? „Ich habe einen Bartschneider. Wahrscheinlich werde ich mit dem an die Problemstellen gehen, wenn das Haar zu lang wird“, erzählt Weigel.
Landrat greift zum Langhaarschneider
Vielleicht sollte er sich vorher mit seinem Kollegen Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) unterhalten. Der Landrat des Landkreises Bad Dürkheim bügelt nicht nur seine Hemden, er ist auch sein eigener Friseur. Und das nicht erst seit Corona. Wegen des vollen Terminkalenders sei es immer schwieriger geworden, beim Friseur seines Vertrauens die Haare geschnitten zu bekommen. Irgendwann habe er dann einen Langhaarschneider gekauft. „Inzwischen habe ich damit Übung und weiß, wie ich rangehen muss“, erzählt Ihlenfeld und erklärt, worauf es ankommt: Der Langhaarschneider müsse verstellbar sein. „Oben 21 Millimeter, an den Seiten etwas kürzer“, teilt Ihlenfeld mit, was die optimalen Längen für seine Haare sind. In der Anfangszeit sei das Ergebnis manchmal eher suboptimal gewesen, gesteht der Landrat. So habe er einmal die Längeneinstellung des Schneiders unverändert gelassen. „Das sah ein bisschen eierkopfmäßig aus“, erinnert sich der Haßlocher. Inzwischen sei er mit den Ergebnissen seiner Friseurkunst „ganz zufrieden“. So sehr, dass er auch schon seiner Frau die Haare nachgeschnitten habe.
Landtagsabgeordnete als Friseurin
Der Landtagsabgeordneten Giorgina Kazungu-Haß (SPD) steht eine schwere Aufgabe bevor. Gemeint ist nicht die Landtagswahl im März. „Ich muss demnächst meinen vier Kindern die Haare schneiden“, stöhnt die Haßlocherin. Es ist ihr anzuhören, dass sie das möglichst lange hinausschieben möchte. „Die sind sehr kritisch und sagen deutlich, wenn es ihnen nicht gefällt“, erklärt Kazungu-Haß. Um einen Einblick in die Kunst des Friseurhandwerks zu bekommen, habe sie sich im Internet einen Film auf Youtube angeschaut. „Wenn man beim Schneiden die Haare mit einem Gummiband zusammenbindet, dann bleiben die Stufen erhalten“, erzählt Kazungu-Haß, was sie gelernt hat. Mit ihren eigenen Haaren ist die Haßlocherin Kummer gewohnt: „Meine Frisur ist leider nie perfekt.“ Vielleicht werde sie bald mal die Spitzen nachschneiden.
Wenn der Papa dem Sohn die Haare schneidet
Die Herausforderung, die Kazungu-Haß noch bevorsteht, hat ihr Landtagskollege Dirk Herber (CDU) schon längst hinter sich. Sein 13-jähriger Sohn wollte, dass der Papa ihm an der Seite die Haare kürzer schneidet. „Das habe ich mit dem Bartschneider gemacht“, berichtet der Mußbacher. Er sei froh, dass seine beiden Töchter lange Haare haben und dafür die Mama zuständig sei. „Meine Frau hat gesagt, dass es bei mir auch langsam Zeit wird mit dem Haareschneiden“, sagt Herber. Der Ortsvorsteher verrät aber, warum er nicht auf seine Frau hört, wenn es um seine Haare geht. „Ich bin etwas eigen, wenn es um meinen Kopf geht, da lasse ich nicht gern jemand dran“, gesteht der Mußbacher.
„Finger weg von der Haarfarbe“
Sybille Höchel (CDU), Beigeordnete der Verbandsgemeinde Lambrecht, ist bekannt dafür, dass sie Haarschnitt und -farbe gern und häufig wechselt. „Ich sehe aus, wie der letzte Lumpi“, stöhnt die Neidenfelserin. „Ich habe sehr dicke Haare, das wächst jetzt an den Seiten weg“, klagt Höchel. Ein „gescheiter Schnitt“ wäre dringend nötig, aber selbst zu Kamm und Schere greifen, das traue sie sich nicht zu. Wenn, dann färbe sie sich selbst mal die Haare, wenn es sie überkomme. Derzeit lasse sie aber lieber die Finger von der Haarfarbe. Denn Höchel ist zur Zeit blond. „Blonde Haare färben, das kann gewaltig schief gehen. Die werden dann irgendwie gelb“, weiß Höchel aus bitterer Erfahrung. „Wenn die Friseure noch lange geschlossen haben, werde ich mir irgendwas einfallen lassen müssen“, sagt Höchel.
Beigeordnete kommt mit Situation noch zurecht
Da hat es die Neustadter Beigeordnete Waltraud Blarr (Grüne) einfacher. Sie habe bisher nur wenige graue Haare. Dank der von ihrer Mutter geerbten Gene, wie sie sagt. Sie verwende nur gelegentlich ein Mittel, mit dem sie das Grau überdecken kann. Das mache sie dann immer selbst. Anders sei das mit dem Schneiden. „Mein Mann hat ein Schneidegerät. Ich habe schon darüber nachgedacht, das zu benutzen“, erzählt Blarr. Allerdings habe sie nur darüber nachgedacht, gehandelt habe sie noch nicht. „Vielleich frage ich mal eines meiner Kinder, ob sie sich das zutrauen“, berichtet Blarr.
Bundestagsabgeordneter schwört auf Gel
Die Bundestagsabgeordnete Isabel Mackensen (SPD) kommt mit der Situation zurecht. Sie geht nur alle drei bis sechs Monate zum Friseur, wie sie erzählt. „Ich mache mir weniger Sorgen um meine Haare als um meine Friseurin“, sagt Mackensen.
Ihr CDU-Kollege Johannes Steiniger meint zwar, dass es derzeit wichtigere Themen gebe, verrät dann aber doch, dass es bei ihm auf dem Kopf derzeit ganz lustig aussehe. Er habe es vor dem Lockdown nicht geschafft, noch einmal zum Friseur zu gehen, deshalb seien seine Haare jetzt „relativ lang“. Doch der Bad Dürkheimer hat einen Trick: „Ich verwende viel Gel, da merkt man nicht, dass die Haare so lang sind.“ Er hoffe, dass die Friseure die Ersten sind, die nach dem Lockdown wieder aufmachen dürfen. „Und bis dahin kaufe ich mehr Gel.“