Neustadt
So geht es Friseuren während des Lockdowns
Als Mitte Dezember der zweite coronabedingte Lockdown beschlossen wurde, mussten auch die Friseurbetriebe wieder ihre Türen schließen – zum Leidwesen der Handwerker und ihrer Kunden. „Es stört uns, dass wir den Leuten nicht helfen können“, sagt Reinhard Schneider, Friseurmeister aus Neustadt und Landesinnungsmeister im Fachverband Pfalz. „Wir haben viele ältere Kundinnen, die jede Woche zum Haarewaschen gekommen sind. Die sind jetzt schon arm dran.“
Doch so wichtig ein gepflegtes Äußeres für das eigene Wohlbefinden auch ist, mahnt er zur Geduld: „Wenn die Haare zu lang werden, tut das nicht weh“, sagt Schneider. Er selbst und seine Kollegen bekämen momentan häufig Anfragen, Haarschnitte privat und unter der Hand zu erledigen. „Da können und dürfen wir nicht helfen“, sagt Schneider. Man wolle außerdem auch Solidarität zeigen und sich an die Kontaktbeschränkungen halten.
Ausnahmen für Auszubildende
Die einzigen, die im Friseurhandwerk momentan Kamm und Schere zur Hand nehmen dürfen, sind die Auszubildenden. Für sie stehen im März die Abschlussprüfungen an. Während die Berufsschulen geschlossen bleiben, üben die Lehrlinge weiterhin in ihren Betrieben für die praktische Prüfung. Dort gilt allerdings: Statt echten Modellen werden künstliche Übungsköpfe frisiert – mit Maske und Abstand zu den Kollegen. „Da gibt es schon Möglichkeiten“, sagt Schneider. Zum Beispiel könne der Ausbilder die Arbeitsschritte parallel an einem zweiten Kopf vormachen.
Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks, in dessen Vorstand Schneider Mitglied ist, befürchtet, dass auf die Branche in den nächsten Monaten eine Welle an Insolvenzen zukommt. „Natürlich sagt niemand offen, dass er bald nicht mehr weitermachen kann“, sagt Schneider. Klar ist für ihn jedoch: Die Friseure, die oft kleine Familienbetriebe führen, seien von der Krise stärker betroffen als größere Konzerne. Mieten und laufende Kosten müssten bezahlt werden, dazu seien oft kaum Rücklagen da. Hinzu kommt, dass es für die Inhaber, die teils alleine oder nur mit wenigen Angestellten arbeiten, kein Kurzarbeitergeld gibt. Und die staatlichen Hilfsgelder kämen auch nur zeitverzögert an. „Unternehmer müssen auch von etwas leben“, sagt Schneider.
Gutscheine nicht mehr im Umlauf
Um die Schließung finanziell zu überbrücken, haben viele Betriebe während des ersten Lockdowns im Frühjahr vergangenen Jahres Gutscheine angeboten. Diese konnten die Kunden nach der Wiedereröffnung einlösen. „Davon sehe ich im zweiten Lockdown weniger“, sagt Schneider. Der Verkauf von Haarpflegeprodukten, der laut der Corona-Bekämpfungsverordnung prinzipiell als Abholservice möglich wäre, lohne sich auch kaum – ähnliche Produkte gäbe es schließlich in jedem Supermarkt.
Deshalb möchten die Friseurinnungen mit einer besonderen Aktion auf ihre Situation aufmerksam machen: Unter dem Motto „Lasst euer Licht an“ wollen Friseure und Kosmetiker ihre geschlossenen Salons 24 Stunden lang beleuchtet lassen. „Das Friseurhandwerk hat bisher nichts getan, was man nach außen hin sieht“, sagt Schneider. „Der Endverbraucher soll mitbekommen, wie es uns geht.“
Kanzlerin macht Hoffnung
Bereits am vergangenen Freitag und Samstag haben einige regionale Friseurverbände erstmals an der Kampagne teilgenommen. Für den Fachverband des Pfälzischen Friseurhandwerks kam der Aufruf zu kurzfristig: „Wie hätten gerne noch Zeit gehabt, Plakate in die Schaufenster zu hängen“, sagt Schneider. Schließlich sollte auch für Passanten der Sinn der Aktion erkennbar sein. Am kommenden Wochenende soll aber erneut das Licht in den Salons angelassen werden – diesmal deutschlandweit.
Hoffnung, dass die Leidenszeit für seine Branche bald vorbei sein könnte, schöpft Schneider aus der Pressekonferenz von Kanzlerin Merkel am vergangenen Donnerstag. Dort war die Rede davon, unter anderem die Friseurbetriebe gleich nach den Kitas und Schulen zu öffnen – sollten die Infektionszahlen das zulassen.