Forst RHEINPFALZ Plus Artikel Was die Leidenschaft für den Weinbau mit Berghütten zu tun hat

Markus Spindler ist Winzer und Kletterer.
Markus Spindler ist Winzer und Kletterer.

Markus Spindler hat nicht nur eine Leidenschaft für den Weinbau. Der Önologe ist ein erfahrener Bergsteiger, der sowohl auf Eis als auch auf Felsen unterwegs ist. Eine Steilvorlage für sein jüngstes Projekt.

Die Berge sind seine Leidenschaft. Aber nicht nur ihnen gehört sein Herz. Markus Spindler ist aus Berufung Diplom-Önologe. Einer, der auch keine Höhen scheut. Deshalb nutzt er seine freie Zeit, um mit Pickel und Steigeisen die Gipfel der europäischen Alpen zu besteigen. Eine Leidenschaft, der er seit der Jugend frönt. Über 20 Jahre ist er schon mit Freunden aus der Schule immer wieder in den Bergen unterwegs. Ob in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder in Frankreich, das spielt keine Rolle.

„Mindestens einmal im Jahr wird es eine große Tour geben“, erzählt Spindler. In diesem Frühjahr wagte er erstmals eine Skitour im schweizerischen Wallis. „Eine ganz tolle Erfahrung“, erzählt der Forster Winzer. Seit 2010 führt er nach seiner Ausbildung in den Weingütern Dr. Deinhard (Deidesheim), Eugen Müller (Forst) und Fritz Becker (Schweigen) sowie dem Studium an der Hochschule in Geisenheim in elfter Generation das Weingut Heinrich Spindler in Forst. Somit gehört das Familienweingut zu den Ältesten in Deutschland.

Jährlich will er eine große Tour unternehmen.
Jährlich will er eine große Tour unternehmen.

Auch am Haardtrand

Der 43-jährige ist ein Kind der Natur, der nicht nur zwischen den Rebzeilen in den bekannten Lagen innerhalb der Verbandsgemeinde Deidesheim, sondern auch regelmäßig mit seinem Mountainbike im Pfälzerwald unterwegs ist. Aber seine große Liebe gehört dem Klettern. Regelmäßig geht es in die Steinbrüche am Haardtrand um Neustadt sowie in die Südpfalz. Die Faszination der Berge ist ihm anzumerken. So erinnert sich der Winzer noch an Touren zum Similaun, eben jene Stelle, wo Ötzi gefunden wurde, aber auch zum Montblanc oder zum Watzmann.

„Jede Tour ist ein Erlebnis. Besonders, wenn man mit Freunden gemeinsam unterwegs ist“, verrät Spindler. Ob auf Felsen oder Eis: Der Forster gilt inzwischen als erfahrener Bergsteiger, der aber auch kein Geheimnis daraus macht, dass er einst in eine Gletscherspalte gefallen ist, sich aber selbst aus der Not befreien konnte.

Bioweine für Kletterer

Seine Liebe zur Bergwelt sowie seine Leidenschaft für den Weinbau führte vor einiger Zeit dazu, dass er die Idee entwickelte, eine eigene Weinkollektion auf den Markt zu bringen, die beides verbindet. Es sind drei Weine namens Bouldering, Alpine und Free Solo. Dahinter stehen hochklassige Bioweine des kletternden Weinmachers, wie sich Spindler selbst nennt. Es sind „Climbwines“.

Als „Einstiegswein“ nennt Markus Spindler den „Bouldering“, einen Cuvee der Rebsorten Weißburgunder, Riesling und Sauvignon Blanc, einen leichten, charaktervollen und fruchtigen Wein des Jahrgangs 2022. Beim eigentlichen Bouldering umschreibt der Begriff Climb einen spielenden Klettereinstieg, kurzen Zustieg und ein sich entwickelndes Körpergefühl. Kein Risiko also. Übertragen auf Wein heißt das für Spindler direkter Zugang, leichter Körper und filigrane Frucht. Sprich: einfach Spaß. Das begeistert Weinliebhaber, die gleichermaßen die Natur und das Klettern lieben.

Große Erfahrung

Der „Alpine“ wiederum, ein hundertprozentiger Riesling aus den Forster Lagen, ist wie die nächste Stufe, der Climb, eine große Erfahrung, komplexes Zusammenspiel von körperlicher Kondition, Seiltechnik, Fels, Eis und Wetter. In der Beschreibung des Weins heißt das dann: großes Terroir, selektive Handlese, klassischer Ausbau im Doppelstück Holzfass mit langem Hefelager.

Seinen dritten Wein „Free Solo“, einen maischevergorenen Grauburgunder aus der neuen Kollektion, lässt sich am einfachsten mit „ohne alles“ definieren, sowohl für den Bergsteiger als auch für den Weinliebhaber. Denn beim Klettern heißt das ohne jegliche Sicherung, hohes Risiko, Balance von Körper, Geist und Schwerkraft. Und beim Wein: ohne jegliche Behandlung und Filtration, eine Balance von Weinberg, Handwerk und Kellerflora. Einfach wild.

Kennt die Sprache

Spindler versteht es, die Sprache der Bergsteiger mit jener des Weinbaus zu verbinden. Dazu verwendet er noch Begriffe aus dem Englischen. Er liebt die Auseinandersetzung seiner beiden Leidenschaften, die auch bei seinen Weinen spürbar wird. Es sind keine Floskeln, sondern sie spiegeln seine Kreativität und seinen Mut in der Freizeit ebenso wider wie die Herausforderung im Beruf zu suchen.

Erstmals präsentiert hat der Forster seine Idee bei der Pro Wein in Düsseldorf, eine der führenden Fachmessen. Er hat damit nach eigenen Angaben bei vielen Weinliebhabern Begeisterung ausgelöst. Indes seien nicht nur seine Kletterleidenschaft und seine Liebe zum Weinbau Ideengeber gewesen, erzählt Spindler. Denn ihn habe schon immer ein bisschen gestört, dass die Berghütten doch „sehr bierlastig sind“, dort oft kein Wein angeboten werde. Das soll sich jetzt ändern. Als Mitglied im Deutschen Alpenverein, Ortsgruppe Neustadt, wirbt der Forster jetzt ebenfalls mit seiner Kollektion „für gepflegten Weingenuss“ in den Hütten und Sporthotels in der internationalen Bergwelt.

Die Begeisterung sei schon da, zeigt sich Spindler überzeugt. Wobei er aus eigener Erfahrung spricht. Denn mit seinen Freunden hat er in den Höhen schon so manchen Tropfen aus den bekannten Forster Lagen genossen.

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