Neustadt
Verkehr vom Hambacher Schloss: Strengere Regeln für Touristen
Die Ausgangslage
Rund 300.000 Besucher zählt das Hambacher Schloss pro Jahr. Die Gäste müssen den Schlossberg hochfahren und auf der anderen Seite auch wieder runter. Insbesondere die Bewohner der engen Straßen Hambachs klagen über die hohe Verkehrsbelastung. Die Stadt Neustadt und insbesondere auch der Hambacher Ortsbeirat drängen seit Jahren auf ein Gesamtkonzept. Doch habe man mit der Stiftung Hambacher Schloss noch keine Einigung erzielt, sagte Verkehrsdezernent Bernhard Adams am Mittwochabend bei einer Bürgerinformation in der Grundschulturnhalle der Dr.-Albert-Finck-Schule. Während Stadt und Ortsbeirat eine Sperrung der Schloss-Auffahrt und eine Shuttle-Lösung bevorzugen, poche die Stiftung auf individuelle Zufahrtsmöglichkeiten. Es gebe demnächst wieder Gespräche. Dennoch, so Adams, „erwarten die Menschen eine Verbesserung der aktuellen Situation“.
Das Problem
Um diese Verbesserung erreichen zu können, hat die Stadt daher einen Beschluss des Hambacher Ortsbeirats aus dem Gesamtpaket herausgelöst und versucht, eine neue Regelung für den vom Schloss kommenden Verkehr zu finden. Knackpunkt ist, dass viele nicht wie eigentlich vorgesehen den Triftbrunnenweg (K14) nutzen und dann Richtung Autobahn fahren, sondern in die Bergsteinstraße abbiegen und somit im unteren Teil der Freiheitstraße landen. An einem Werktag fahren laut Stadt rund 300 bis 400 Autos zum Schloss und wieder runter. An Spitzentagen sind es bis zu 1000 Fahrzeuge. Etwa 50 Prozent des vom Schloss kommenden Verkehrs – in der Spitze rund 15/20 Fahrzeuge pro Stunde – lande deshalb im Ortskern Hambachs. „Und dort ist es extrem eng, wir haben zum Teil eine Fahrbahnbreite von unter vier Metern“, verdeutlichte Adams. Aktuell wolle man mit der Beschilderung die Touristen zwar anders lenken, das Abbiegen vom Triftbrunnenweg in die Bergsteinstraße sei „aber nicht verboten“, sagte Adams. Problematisch sei ferner, dass in vielen Navis genau diese Route vorgegeben werde.
Die Ideen
Ziel von Verwaltung und Ortsbeirat ist, dass Gäste, die vom Hambacher Schloss kommen, nicht mehr vom Triftbrunnenweg in die Bergsteinstraße abbiegen, sondern auf diesem bleiben. Für die Wege hoch zum Schloss bleibt alles unverändert. Für den abfließenden Verkehr präsentierte Adams zwei Varianten. Die Verwaltung wollte die Reaktion der Bürger hören.
Variante eins ist laut Adams „viel restriktiver als heute“ und sieht ein mehrstufiges Verfahren mit Verbotsschildern in der Bergsteinstraße vor. Problem dabei: auch viele Anlieger müssten weitere Strecken in Kauf nehmen. Variante zwei – die auch der Favorit von Adams ist, wie er sagte – setzt darauf, gleich oben an der Kreuzung zum Triftbrunnenweg die Einfahrt in die Bergsteinstraße zu unterbinden. Dafür würde wie schon oben an der Freiheitstraße eine „unechte Einbahnstraße“ geschaffen und mit einem Verbotsschild gekennzeichnet. Der Vorteil laut Adams: Der Anliegerverkehr in der Bergsteinstraße und den angrenzenden Straßen könne im Prinzip unverändert fahren. Allerdings müssten die Anlieger im Triftbrunnen- und Römerweg mit „mehr Verkehr leben“, so Adams, „denn der löst sich ja nicht in Luft auf“. Zentral sei die Entlastung der unteren Freiheitstraße.
Die Bürger
Dass 200 Bürger zur Versammlung kamen, zeigt, wie wichtig das Verkehrsthema in Hambach ist. Nach den Erläuterungen von Adams wurde intensiv diskutiert . Insbesondere aus dem Römerweg gab es etliche Stimmen, die vor weiterem Verkehr in der Straße warnten – dazu wurden auch im Vorfeld schon entsprechende Schreiben an Adams verfasst. Generell wurde auf viele Probleme in Straßen im Viertel verwiesen – Parkplätze, Gehwege, Schäden, Geschwindigkeit, Busse. Einige ärgerten sich, dass die Stadt nicht losgelöst vom Schloss eine Regelung durchsetzt. Adams antwortete, dass Land und Schloss auch Partner der Stadt seien und niemand wolle, „dass im Schloss die Lichter ausgehen“. Aufgrund der von Adams aufgezeigten Konsequenzen bei der Verkehrsverlagerung, gab es eher Sympathien für Variante zwei, da diese die Anlieger weniger belasten würde. Eine Abstimmung dazu gab es aber nicht.
Der Ortsbeirat
Pascal Bender, Hambachs stellvertretender Ortsvorsteher, sprach von einer „Quadratur des Kreises, denn wir kriegen keine 100-Prozent-Lösung“. Für ihn sei klar, dass Hambach zudem ein Parkraumkonzept brauche. Zugleich seien die „Bürger auch in der Pflicht beim Thema Nachsicht“. Ortsvorsteherin Gerda Bolz freute sich auf RHEINPFALZ-Nachfrage über die „konstruktiven Vorschläge und dass es nicht zu emotional war“.
Die nächsten Schritte
Die Verwaltung hat am Mittwochabend etliche Aussagen der Bürger und ihre Vorschläge protokolliert und zugesagt, diese zu prüfen. Dies gilt etwa für eine Idee, oben an der Kreuzung Triftbrunnenweg/Bergsteinstraße mit einer Pfeil-Beschilderung das Rechts-Abbiegen zu unterbinden, weil man dann nur geradeaus weiterfahren dürfe. Danach ist der Ortsbeirat an der Reihe. Er soll sich für Variante eins, Variante zwei oder den Status quo aussprechen. Wird eine der Varianten gewählt, beginnt eine einjährige Testphase. Adams zufolge wird eine Entscheidung im Ortsbeirat noch in diesem Jahr angestrebt.
Der große Wunsch
Ein Bürger sprach der großen Gruppe am Mittwochabend aus dem Herzen: „Seit sechs Jahren warten wir auf ein tragfähiges großes Konzept beim Schlossverkehr. Das wäre die Variante, die am besten wäre. So verschieben wir die Belastung von einer Straße zu den anderen.“ Dafür gab es lauten Applaus. Carmen Wunn, Abteilungsleiterin Stadtplanung, sicherte wie Adams zu, dass die Stadt dran bleibe und ergänzte: „Wir lassen nicht locker.“ Zugleich gehe es darum, einzelne Bausteine bei Verkehrsregelungen zusammenzufügen. Aus ihrer Sicht werde eine Vollsperrung des Schlossbergs und somit gar kein touristischer Verkehr „nicht kommen“.
