Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Unterwegs mit OB Weigel: Was motiviert den Amtsinhaber?

Ein Lieblingsplatz von Marc Weigel: der Wasserturm in Duttweiler.
Ein Lieblingsplatz von Marc Weigel: der Wasserturm in Duttweiler.

In Duttweiler ist Oberbürgermeister Marc Weigel aufgewachsen. Hier gibt es einen besonderen Ort, an dem sich für ihn private Erinnerungen und berufliche Aufgaben verbinden.

Marc Weigel nimmt den Wahlkampf ernst. Zum zweiten Mal bewirbt er sich in seiner Heimatstadt Neustadt um das Amt des Oberbürgermeisters. Vor acht Jahren setzte sich der heute 46 Jahre alte FWG-Politiker im ersten Wahlgang mit 58,1 Prozent der Stimmen gegen die Konkurrenten Ingo Röthlingshöfer (CDU/21,8 Prozent) und Pascal Bender (SPD/20 Prozent) durch. Inzwischen ist er seit gut siebeneinhalb Jahren im Amt und als Stadtoberhaupt weitgehend unangefochten. Ein Indiz dafür: Alle anderen politischen Vertreter des Stadtrats haben auf eigene Bewerbungen verzichtet.

Am 15. Juni wird trotzdem nicht nur Marc Weigels Name auf dem Stimmzettel stehen. Denn mit Steffi Karbach ist an Ostern noch eine zweite Bewerberin ins Rennen eingestiegen. Die parteilose 40-Jährige engagiert sich vor allem bei den Omas gegen Rechts. Weigel findet es gut, dass es im Wahlkampf nun einen Austausch gibt. Er nimmt diesen an und will so die Neustadter wie vor acht Jahren von sich überzeugen. Daher sieht man stadtweit flächendeckend Wahlplakate mit seinem Konterfei. Weigel besucht alle Ortsteile und die Kernstadt und stellt sich Fragen der Bürger, er diskutiert in mehreren Runden mit Karbach. Und er hat ein 56 Seiten starkes Wahlprogramm zusammengestellt, in dem er die Stadtthemen aus seiner Sicht darstellt und auf die bisherige und künftige Entwicklung abzielt.

Ganz Neustadt im Blick

Wer sich mit Marc Weigel unterhält, spürt: Für ihn ist diese Ernsthaftigkeit selbstverständlich, für ihn ist das auch ein Zeichen des Respekts gegenüber Amt sowie Wählerinnen und Wählern. Dabei genießt er auch Momente, in denen es mal nicht so trubelig ist. Zum Spaziergang mit der RHEINPFALZ hat er daher bewusst den Wasserturm in Duttweiler als Ziel ausgesucht. Im kleinen Weindorf wuchs Marc Weigel auf. Er kennt die Geschichte des 1929 erbauten Wasserturms und wie von dort aus unter anderem Haßloch und Duttweiler versorgt werden. „Es ist das Wahrzeichen Duttweilers“, so Weigel.

Das Gebiet auf einer kleinen Anhöhe bietet Idylle pur. Man ist umgeben von Weinbergen. Viele Radfahrer sind hier unterwegs. Auch Weigel schätzt den Blick. Denn man schaut auf ganz Neustadt: mit den markanten Punkten Hambacher Schloss, Kalmit, Weinbiet. „Man hat von hier etwas Abstand zur Stadt, sieht aber alles und kann alles gut durchdenken.“ Der volle Terminkalender verhindere häufigere Ausflüge zum Wasserturm. Er habe aber natürlich auch Zeit fürs Private und schöpfe so Kraft, gehe dann gerne spazieren und wandern oder genieße einen guten Film oder ein gutes Essen mit einem schönen Wein. Seit ein paar Wochen ist dann da zudem noch Töchterchen Pauline. „Sie lässt mich die Welt mit anderen Augen sehen“, räumt Weigel offen ein. Auch für sie wolle er Neustadt weiter gestalten. „Ich will nicht, dass sie mal sagt: Papa hat das an die Wand gefahren.“

„Man muss mit allem rechnen“

Dass die vergangenen siebeneinhalb Jahre Themen wie den Deponieskandal sowie Corona und die Folgen des Ukrainekriegs bringen würden, habe er natürlich nicht ahnen können. „Ich wusste damals, dass mein Leben ein anderes werde würde mit einem intensiveren Arbeiten und mehr Verantwortung“, sagt Weigel. Seine Amtszeit habe ihn gelehrt: „Man muss mit allem rechnen.“ Für ihn seien diese Jahre wie im Flug vergangen. Er sei stolz, die großen Krisen gemeistert zu haben. Zugleich sei es gelungen, in Neustadt vieles nach vorne zu bringen. Projekte, von denen lange nur gesprochen wurde, würden nun greifbar. Es fallen Stichworte wie Hauptbahnhof oder Landesgartenschau. Er sei froh über die Unterstützung dabei, habe aber auch „meinen Anteil“. Diese Arbeit wolle er weiterführen.

Zum Amtsantritt am 1. Januar 2018 sei vieles komplett neu gewesen. Denn Oberbürgermeister sei ja kein Lehrberuf. Als langjähriger FWG-Vertreter im Stadtrat habe er zwar über politische Erfahrung verfügt und als ehrenamtlicher Beigeordneter von 2009 bis 2014 auch Verwaltungserfahrung gesammelt, „aber Oberbürgermeister ist schon etwas ganz anderes“. Durch die erste Amtszeit fühle er sich gestärkt und habe durch neu hinzugewonnene Ämter wie im Städtetag oder Bezirkstag eine „stärkere Durchsetzungsfähigkeit“. Er spüre die Anerkennung auch dadurch, dass auf höheren Ebenen wie Land und Bund gesehen werde, „bei uns wird was umgesetzt, das sind nicht nur Luftblasen“. In seiner Rolle fühle er sich wohl, betont der Oberbürgermeister. Allerdings habe er lernen müssen, damit umzugehen, dass er auch Adressat von Menschen ist, die einfach allgemein unzufrieden seien.

Früher als Helfer im Weinberg mit dabei

Weigel wohnt mit seiner Familie im Schöntal am Waldrand, seine Mutter lebt unverändert in Duttweiler. Nach der OB-Wahl wird Weigel mit der Familie Urlaub machen. Reisen mag er, würde gerne Asien und die USA erkunden. Aber jetzt wird familientauglich erst mal Bayern angesteuert. Obwohl er bis zu seiner ersten OB-Amtszeit sehr gerne Lehrer war, vermisse er den Beruf nicht. Er befinde sich nun eben in einem „neuen Kapitel meines Lebens“. Dazu gehöre, Neustadt so gut es geht zu präsentieren. Veranstaltungen wie der Rheinland-Pfalz-Tag seien dabei wichtig – auch wenn sie viel Arbeit bedeuteten. „Ich will, dass die Leute positiv über die Stadt sprechen, sie gerne herkommen, weil es hier gute Geschäfte, Gastronomen und Winzer gibt.“ Das sei auch ein Aspekt der Wirtschaftsentwicklung.

Zurück zum Wasserturm: Weigel hat den Treffpunkt nicht nur ausgesucht, um in der Idylle über den Job zu sprechen. Direkt am Wasserturm befinden sich auch „unsere Wingerte“. Die Großeltern hatten noch einen klassischen Mischbetrieb. Später lief der Weinbau dann nebenbei mit, man lieferte alles zur Genossenschaft. Inzwischen ist alles verpachtet. Aber die Zeit als Kind dort werde er nie vergessen. „Wir durften immer mit zum Herbsten ins Feld. Die ganze Familie war dabei. Die Oma hat gekocht.“ Der Wasserturm sei daher auch ein ganz persönlicher Kraftort: „Ich bin gerne hier.“

Lesen Sie hier ein Interview mit beiden OB-Kandidaten.

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