Neustadt
Unternehmer: Haben mit der Niederlage viel Zeit verloren
Im zweistelligen Millionenbereich wollte die Agero Group GmbH im Neustadter Osten investieren. Das Ziel laut dem geschäftsführenden Gesellschafter Jochen Buley: Auf 9000 Quadratmetern in der Joseph-Monier-Straße Verwaltung und Werkstatt zusammenführen, Aus-, Fort- und Weiterbildung ermöglichen, ergänzt durch ein Boardinghaus.
In der Folge wäre der Werkstatt-Standort Edenkoben aufgegeben worden, ebenso der aktuelle Firmensitz in der Lachener Straße beim Bahnhaltepunkt Süd. 35 Verwaltungsfachangestellte plus Auszubildende sowie sieben Monteure wären umgezogen. Nun aber kommt es anders, prognostiziert der Geschäftsführer. Weil eine geeignete städtische Gewerbefläche an einen anderen Bieter gegangen ist, will sich Agero für seinen geplanten Expansionskurs nach einem Standort außerhalb von Neustadt umsehen.
„Sind seriös“
Der Personaldienstleister ist seit 30 Jahren im Geschäft. Vor allem vermittelt er Personal für die Abfall-, Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft sowie für Logistik und Transport. Dazu sucht Agero Arbeitskräfte in Osteuropa, die sozialversicherungspflichtig angestellt und bundesweit eingesetzt werden – meist zeitlich befristet. Etwa 1000 seien es aktuell, so Buley. Natürlich weiß er, dass die Personaldienstleistung nicht das beste Image hat.
„Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche, aber wir hätten uns sicher nicht seit so langer Zeit halten können, wenn wir unseriös wären.“ Das habe er auch im Stadtrat dargelegt, sagt der Geschäftsführer und gibt ein Beispiel für einen Auftrag: Das Entsorgungsunternehmen Remondis hat einen Vertrag über zwei Jahre in einer Kommune und sucht dafür Müllwerker, die Agero stellt.
Nur schneller Euro?
Vorbehalte gab es im Stadtrat auch wegen eines Grundstücksgeschäfts, bei dem zwei von der Stadt gekaufte, dann aber doch nicht benötigte Flächen nicht einfach wieder zurückgegeben wurden. Wie Buley bestätigt, hatte Agero 2013 zwei Flächen im Gewerbepark Lilienthal in Lachen-Speyerdorf erworben. Laut Geschäftsführer, um dort selbst zu bauen. Dann aber hätten sich fast zeitgleich zwei neue Dinge ergeben: Zum einen habe die Generalzolldirektion angefragt, ob Agero für sie im Gewerbepark einen neuen, zentralen Standort errichten wolle. Zum anderen sei der heutige Firmensitz in der Lachener Straße bei einer Zwangsversteigerung zu haben gewesen. Dann sei die Generalzolldirektion abgesprungen, wegen der ersteigerten Immobilie habe Agero die Grundstücke im Gewerbepark nicht mehr gebraucht und wieder verkauft. „Wir wollten nicht den schnellen Euro mit Grundstücksspekulation machen“, so Buley.
Umsatz von 37 Millionen
Dass sein Unternehmen floriert, habe er im Stadtrat belegt, unter anderem mit einem Jahresumsatz von 37 Millionen Euro und einer Gewerbesteuer im hohen sechsstelligen Bereich. Am neuen Standort sollte das Geschäft ausgeweitet werden. Während sich die Personaldienstleistung derzeit vor allem auf den Helferbereich konzentriert, kommen für Buley künftig auch Fachkräfte infrage, wie aus Medizin und Pflege.
Qualifiziertes Personal soll nach Deutschland geholt und für den bundesweiten Arbeitsmarkt weiterqualifiziert werden, beschreibt er die Pläne. Kontakte mit Hochschulen in Bosnien-Herzegowina und Bulgarien gebe es bereits. Darin sieht Buley wegen des Fachkräftemangels eine große Entwicklungschance. Zumal auch das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz dies nun erleichtere.
Alle Kriterien erfüllt
Angesichts seiner wirtschaftlichen Kennzahlen und seines Konzepts kann Buley nicht verstehen, warum der Stadtrat sich gegen Agero entschieden hat. Alle Vergabekriterien seien zu 100 Prozent erfüllt worden. Zu den insgesamt zehn Kriterien zählen beispielsweise das Verhältnis Anzahl der Arbeitsplätze zu Grundstücksgröße, die Höhe der Gewerbesteuer, die Bedeutung des Betriebs für den Wirtschaftsstandort Neustadt oder wie konkret das Ansiedlungsinteresse zeitlich und inhaltlich ist.
„Wir waren lange geduldig und hatten auch positive Signale von Seiten der Stadt“, sagt Buley. Am Ende sei sein Unternehmen aber „hinten runter gefallen“ und habe wieder viel Zeit verloren. Deshalb werde nun ernsthaft nach einer geeigneten Fläche außerhalb von Neustadt gesucht.
OB hat wenig Hoffnung
Dass schon lange Gespräche mit Agero über einen neuen Standort liefen, bestätigt Oberbürgermeister Marc Weigel. Die Enttäuschung kann er gut nachvollziehen. Der OB bietet an, erneut gemeinsam auf die Suche zu gehen. Andererseits sei es tatsächlich so, dass die Stadt zumindest derzeit nichts anbieten könne.
