Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Umweltpreis: Stadt ehrt Bio-Pioniere

Gruppenbild mit den Preisträgern: (von links) Gerhard Schwarztrauber (Weingut Schwarztrauber), Manuel Mühl (Permapalz), Dezernen
Gruppenbild mit den Preisträgern: (von links) Gerhard Schwarztrauber (Weingut Schwarztrauber), Manuel Mühl (Permapalz), Dezernentin Waltraud Blarr, Emmelie Öden (Permapalz) sowie Edith und Bernd Naumer (Akazienhof).

Seit 1989 verleiht die Stadt Neustadt jährlich einen Umweltpreis. Zum ersten Mal ging es 2023 um Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft. Am Mittwochabend wurden die Preise vergeben. Geehrt wurden echte Bio-Pioniere, die außer dem Preisgeld viel Applaus bekamen.

Auf die Ausschreibung zum Umweltpreis 2023 waren nur sechs Bewerbungen bei der Stadt eingegangen. Über die Zahl wunderte sich Umweltdezernentin Waltraud Blarr etwas am Mittwochabend bei der Preisverleihung, denn eigentlich ist Neustadt ja sehr stark von landwirtschaftlichen Betrieben geprägt. Aber auf der anderen Seite, so Blarr, „waren alle Bewerbungen preiswürdig“, was für die hohe Qualität der Arbeit in allen Betrieben in den Bereichen nachhaltige Bewirtschaftung und Förderung der biologischen Vielfalt spreche. Dass am Mittwochabend schließlich Winzer Gerhard Schwarztrauber und Landwirt Bernd Naumer als Preisträger im Ratssaal waren und mit viel Applaus bedacht wurden, hat einen Grund: „Der Umweltausschuss hat vor Weihnachten die Sieger gekürt, und wir wollten vor allem die Pionierleistungen würdigen, da beide schon seit Jahrzehnten als Biobetriebe tätig sind.“ Für beide gab es jeweils 700 Euro Preisgeld.

Außer den Pionieren waren noch „Newcomer“ im Ratssaal: Emmelie Öden und Manuel Mühl, zwei der Macher von Permapalz (Gimmeldingen). Für sie gab es 100 Euro als Anerkennungspreis, weil sie auf ihren im Nebenerwerb bewirtschafteten Flächen auf ein „innovatives Konzept“ setzen, so Blarr. Die Prinzipien der Permakultur leisteten einen hohen Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der Biodiversität, lobte sie.

„Weg vom Spritzen“

Laudator Matthias Trapp (RLP Agroscience/Mußbach) unterstrich angesichts der immer stärker spürbaren Folgen des Klimawandels, wie wichtig nachhaltiges Wirtschaften in der Landwirtschaft ist, die er aufgrund ihrer Bedeutung zur „kritischen Infrastruktur“ zählte. So müsse man mit immer mehr Trockenphasen und extremen Wetterereignissen zurechtkommen, hinzu kommen die Herausforderungen wegen des Rückgangs der Artenvielfalt. Die Landwirte müssten mit neuen Anbauweisen und anderen Arbeitsabläufen reagieren, sagte Trapp. Zentral sei dabei das Thema Speichermöglichkeiten für Wasser und das Regionalisieren der Wertschöpfungsketten. Beide Preisträger hätten diese Weichen sehr früh gestellt und in den 80er-Jahren zu den ersten Biobetrieben in ihren Bereichen gezählt, so Trapp: „Mein größter Respekt dafür.“ Trapp forderte generell dazu auf, „mehr zu tun, als es die Gesetze fordern“.

Diesen Aspekt griff der Mußbacher Winzer Gerhard Schwarztrauber gerne auf. Er betonte, dass er dabei auch die Unterstützung der Familie gebraucht habe bei der Übernahme des elterlichen Weinguts: „Sie sagten, wir probieren es mit der Bio-Umstellung.“ Er blicke mit Stolz zurück: „In den 80er-Jahren war es zum Teil noch ziemlich wild, was als Biowein in die Flasche kam. Mir war wichtig, dass es auch schmeckt.“ Dass immer mehr Winzer auf Biobewirtschaftung umstellen, stimme ihn hoffnungsfroh. So richtig sei ihm das im Frühjahr 2023 aufgefallen: „Da gab es in Gimmeldingen, Mußbach und Haardt so viele blühende Landschaften und so viele Insekten. So hatten wir das früher nicht gehabt.“ Die schonende und naturnahe Bewirtschaftung der Flächen zahle sich also aus.

„Wir wollten vom Spritzen weg“, erläuterte Bernd Naumer, wie er 1981 und seine Frau Edith mit dem Akazienhof zum Biolandbetrieb wurden. Anfangs habe er viel Lehrgeld bezahlt, daher sei er stolz auf die erfolgreiche Entwicklung. Doch aktuell gebe es wieder „massive Probleme“, erläuterte Naumer und griff einen Aspekt aus der Rede von Matthias Trapp auf: die zunehmende Trockenheit. Der im Vorjahr gesäte Mais habe über Wochen ohne Niederschlag auskommen müssen. „Zum Glück kam dann noch Regen, sonst hätten wir nichts ernten können“, so Naumer. „Wir müssen uns also um das Thema Grundwasserneubildung kümmern.“ Er werde auf diese Entwicklung reagieren und plane den Anbau von Kichererbsen, „denn die kommen mit sehr wenig Wasser aus“.

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