Kommentar Umbenennung heikel, aber verständlich
Wenn Straßen neue Namen erhalten sollen, weil deren Namensgeber historisch belastet sind, kann das Emotionen hochkochen lassen. Das hat man in Bad Dürkheim gesehen, wo im vergangenen Jahr ein Bürgerentscheid die Entscheidung des Stadtrats rückgängig machte. Der Rat wollte drei Straßennamen ändern, deren Namensgeber Männer mit NS-Vergangenheit waren. In Landau steht zusammen mit der Bundestagswahl im Februar ebenfalls ein Bürgerentscheid an. Die Initiatoren wollen auch da eine Entscheidung des Stadtrats kippen.
Bürgerentscheide können ein wertvolles demokratisches Instrument sein, wenn die begleitende Debatte von Sachlichkeit geprägt ist und es nicht darum geht, es „denen da oben“ mal zu zeigen.
Dass es in Neustadt sachlich geblieben ist, liegt nicht zuletzt daran, dass die Stimmen der Anwohner nicht nur gehört, sondern auch berücksichtigt worden sind, dass man die Menschen mitgenommen hat.
Natürlich kann man unterschiedlicher Meinung sein, wie man mit Geschichte umgehen sollte. Aber Straßennamen dienen nun einmal weniger dem Geschichtsunterricht. Mit ihnen sprechen Städte Würdigungen aus. Und die jeweiligen Persönlichkeiten sollten sich dieser Ehre würdig erweisen. Es geht nicht darum, dass Biografien makellos sein müssen. Aber jemand wie Karl Helfferich, der in der Weimarer Republik Demokraten übel diffamiert hat, verdient keine Ehrung – schon gar nicht in der Demokratiestadt Neustadt.
