Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Namen für fünf Straßen: Demokratiefeinde und Rassenideologen verschwinden

Ihre Zeit läuft ab: Straßenschilder mit belasteten Namen.
Ihre Zeit läuft ab: Straßenschilder mit belasteten Namen.

Zu Beginn des neuen Jahres erhalten fünf Straßen in Neustadt neue Namen, weil sie derzeit die Namen von Männern tragen, deren Wirken nach Ansicht des Stadtrats keine Würdigung verdient. Den betroffenen Anliegern kommt die Verwaltung entgegen.

Der Wandel wird am Neujahrstag noch nicht zu sehen sein, doch schon wenige Tage später. Denn laut Stadtverwaltung beginnt am 6. Januar die Montage der neuen Straßenschilder. Verschwinden wird der Name Karl-Helfferich-Straße in der Innenstadt. Hier wird die sich anschließende Exterstraße einfach verlängert. Für die Anwohner bedeutet das, dass sich bei ihrer Anschrift nicht nur der Straßenname ändert, sondern auch die Hausnummer. Betroffen davon ist etwa die Polizeiinspektion. Umbenannt werden zudem vier Straßen im Afrikaviertel: Die Gustav-Nachtigal-Straße wird Nachtigallstraße heißen, die Karl-Peters-Straße erhält den Namen Maria-Merian-Straße, die Lüderitzstraße wird zur Königsmühlstraße und die Von-Wissmann-Straße zur Leibnizstraße.

Die tatsächliche Umbenennung ist der Schlusspunkts eines langen Prozesses, der – wenn man von noch früheren Debatten absieht – im September 2019 begann. Damals beschloss der Stadtrat auf Antrag von SPD und dem Vertreter der Linken, ein Gutachten zur Überprüfung sämtlicher Straßennamen im Stadtgebiet in Auftrag zu geben. „Ziel war es, sie vor allem hinsichtlich antisemitischer, nationalsozialistischer, kolonialistischer und frauenfeindlicher Gesichtspunkte zu untersuchen“, wie es heute von der Stadtverwaltung heißt. Die Stadt arbeitete dabei mit dem Institut für geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz in Mainz zusammen. Begleitet wurde der Prozess von Vorträgen von Historikern und einer Ausstellung.

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Fünf Männer im Fokus

In einem Abschlussbericht wurden im September 2022 die Biografien von umstrittenen Persönlichkeiten veröffentlicht. Dabei gerieten insbesondere die fünf Männer in den Fokus, die künftig nicht mehr Namensgeber sein werden. Hinzu kam, dass alle Straßen in der Nazizeit vom gleichgeschalteten Stadtrat ihre Namen erhielten. Der Bankier und Politiker Karl Helfferich war ein Vertreter der extremen Rechten in der Weimarer Republik und kann als Demokratiefeind gelten. Die Namensgeber der Straßen im Afrikaviertel wurden von den Nazis als Vorreiter der Rassenideologie in deutschen Kolonien geehrt.

Den Beschluss zur Umbenennung traf der Neustadter Stadtrat im Mai 2023 mit großer Mehrheit. Dagegen stimmten lediglich fünf Vertreter der Freien Wähler. Diese hätten es laut Fraktionschef Christoph Bachtler vorgezogen, mit Zusatzschildern auf die Historie hinzuweisen.

Bei der Findung der neuen Straßennamen wurden die Anwohner einbezogen, unter anderem mit Anliegerversammlungen. Für die Straßen im Afrikaviertel war zunächst angedacht, Namen mit Bezug zu Afrika zu finden. Doch das war bei den Anwohnern weniger identitätsstiftend als angenommen. Bei Umfragen kristallisierten sich dann die Namen als Favoriten heraus, die letztlich auch genommen wurden.

Übergangsfristen

Über die Umbenennung müssen die Anwohner verschiedene Stelle wie Krankenkassen und Versicherungen benachrichtigen. Alle Verwaltungsleistungen, wie neue Ausweis- oder Kfz-Papiere, die erforderlich sind, sind gebührenfrei. Gewerbetreibende und Freiberufler erhalten auf Antrag eine pauschale Entschädigung in Höhe von 500 Euro.

Ganz vorbei ist die Zeit von Lüderitzstraße und Co. im Januar übrigens noch nicht. Denn um die betroffenen Bürger zeitlich bei den Änderungen zu entlasten, wurde eine einjährige Übergangszeit festgelegt. Das bedeutet, dass jeder neue Straßenname zum 1. Januar 2025 wirksam wird, jedoch der alte Straßenname ebenfalls noch für ein Jahr gültig bleibt.

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