Meinung
Studien zeigen: Oh, wie schön ist Neustadt
Wenn es in Ratssitzungen an den Punkt „Mitteilungen und Anfragen“ geht, weiß man nie so genau, was kommt. Mal steht dazu nichts an, mal gibt es handfeste Neuigkeiten, mal entstehen plötzlich Debatten. Es ist ein bisschen wie bei einer Wundertüte. In diesem Sinn hat Oberbürgermeister Marc Weigel bei der jüngsten Sitzung des Stadtrats eine echte Überraschung hervorgezaubert. Man fühlte sich fast an bisschen an die Kindergeschichte „Oh, wie schön ist Panama“ von Janosch erinnert. Nun hat der OB aber nicht irgendwelche Geschichten vorgelesen, noch hat er Werbung für andere Orte gemacht. Dafür ist er viel zu gerne Neustadter und mag das Leben hier.
Was Weigel da aber aus dem Hut zauberte, könnte in einer Janosch-Anlehnung „Oh, wie schön ist Neustadt“ lauten. Wobei diese Art Rührseligkeit auch nicht wirklich zu Weigel passen würde, dafür ist er viel zu sehr Realist und weiß bei aller Freude immer auch um noch anstehende Aufgaben – von denen es ja reichlich gibt. Trotzdem entschied er sich für einen kleinen Werbeblock für Neustadt. Denn in Zeiten vieler schlechter Nachrichten und großer Unsicherheiten könne es ja nicht schaden, wenn die Bürger wüssten, was andere vom Herz der Weinstraße halten – und dass dieses sich nicht zu verstecken braucht. Weigel ist diese Botschaft wichtig, weil er weiß, dass viele Neustadter ihre Heimatstadt und deren Entwicklung sehr kritisch beäugen. Dabei gebe es „von außen“ durchaus eine andere Perspektive. Da sehe man „viel Positives“, was in Neustadt geschieht, so Weigel.
Lob für Kultur, Wirtschaft und Wasser
Er redete in der Sitzung indes nicht einfach drauf los, sondern stellte drei Studien und Ranglisten aus den vergangenen Wochen vor. Der Reihe nach. Die Süddeutsche Zeitung hat bei der Gema ein bundesweites Musik-Ranking erstellen lassen. Da ging es um die Anzahl der Kulturveranstaltungen, die Vielfalt des Angebots und die Besucherzahlen im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Insgesamt habe es Neustadt auf Platz 40 geschafft, freut sich Weigel. Im Kreis der 600 deutschen Mittelstädte gibt es sogar Rang sechs. Vor Neustadt liegen nur Orte wie Weimar. „Wir können stolz sein“, unterstrich Weigel. In Rheinland-Pfalz landete Neustadt auf Rang vier – nur geschlagen von den Großstädten Trier, Koblenz und Mainz. Aber die hätten auch andere Möglichkeiten – etwa mit eigenen Theatern, sagte Weigel.
Studie zwei: Das Trinkwasser. Ein Schweizer Unternehmen hat Werte für Blei, Uran, Nitrat, Nitrit und Fluorid untersucht. Und siehe da: Neustadt erreicht in der Liste aller 56 untersuchten deutschen Städte Platz zwei. Das hiesige Wasser sei also wirklich, wirklich gut, auch darüber könne man sich freuen, bemerkte Weigel. Und leitete über zu Studie drei. Hier hatte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) 400 Städte und Kreise bei der Frage nach dem örtlichen wirtschaftlichen Potenzial mit Blick auf Qualität und Dynamik untersucht. Bei der Qualität belegt Neustadt Platz 140 und verbesserte sich im Vergleich zu 2024 um 95 Plätze. Bei der Dynamik kletterte Neustadt gar um 166 Plätze nach oben und ist nun auf Rang 125 zu finden.
Weigel wirkte für den Moment zufrieden. Augenzwinkernd versprach er, nun nicht jede Ratssitzung für solche Werbeblöcke zu nutzen. Da diese Studien aber zeitlich geballt veröffentlicht worden seien, könnte man die Ergebnisse den Neustadtern ruhig mal präsentieren. Seine Botschaft? Erinnerte dann doch an „Oh, wie schön ist Panama“. Da begeben sich die Freunde ja auf eine große Reise und wollen ins Land ihrer Träume. Am Ende kommen sie wieder an ihrem Zuhause an. Was sie nicht bemerken. Wo es ihnen auf einmal aber einfach nur gut gefällt und sie sich begeistert an die Arbeit machen. Eigentlich keine schlechte Einstellung.