Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Rundwanderweg auf den Spuren der geplanten Panoramabahn

Die Oberlandbahn an der Zwockelsbrücke.
Die Oberlandbahn an der Zwockelsbrücke.

Im nächsten Jahr soll ein Rundwanderweg eröffnet werden. Die Idee dazu hatte der Innenstadtbeirat. Er will damit ein zusätzliches touristisches Angebot in Neustadt schaffen. Kurios: Der Trassenverlauf ist gar nicht neu. Auf der Strecke sollte vor über 100 Jahren eine Straßenbahn gebaut werden.

Als im Jahr 1875 der Verschönerungsverein für Neustadt an der Haardt und Umgebung ins Leben gerufen wurde, entstanden in Neustadt der Römerweg, der Weg zum Nollenfelsen, der Haardter Weg und die Wege zum Bergstein und zur Wolfsburg. Ausgangspunkt der Vereinsgründung und des bürgerschaftlichen Engagements war die damalige Industrie- und Gewerbeausstellung in Neustadt.

Auch in den Folgejahren wurden weitere Wege, Ruhepunkte und Aussichtsplattformen angelegt, um den nach Neustadt kommenden Touristen einen attraktiven Blick auf die Stadt zu ermöglichen. Neben diesen Vereinsaktivitäten kam noch privates Engagement von Hetzel, Hauber und anderen Privatpersonen hinzu. „Gemeinsames Ziel aller Aktivitäten war die Hebung des Fremdenverkehrs“, heißt es in einem Bericht im „Stadt + Dorfanzeigher“ vom 21. Mai 1908.

Idee für Panoramabahn

Zu diesem Ziel trugen außerdem die von Neustadt ausgehenden Bahnlinien sowie die Pläne für Straßenbahn- und Kleinbahnlinien bei. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass sich an die Planungen für die Gebirgsbahn Neustadt – EdenkobenLandau (später: Oberlandbahn) Überlegungen für eine Stadterschließung und dann sogar für eine Panoramabahn in Neustadt anschlossen. Und eben diese Konzeption für die Panoramabahn ist erstaunlicherweise zu fast 100 Prozent deckungsgleich mit dem Vorschlag des Innenstadtbeirats für einen Rundwanderweg.

Ausgangspunkt der Panoramabahn sollte der Hauptbahnhof sein. Vom Schillerweg ging’s über die Karolinenstraße zur Realschule und dann entlang des Hauberwegs bis zur Haltestelle Königsmühle. Von dort aus sollte die Bahn durch das vordere Schöntal zur Wolfsburg führen. Weiter ging’s zum Ortsteil Haardt und dann zum Rosengarten, der im Konzept des Innenstadtbeirats ebenso wie der Kriegergarten außen vor ist. Vom Rosengarten sollte die Straßenbahn nach einer Vereinigung mit der Straßenbahn von Meckenheim durch die Maximilianstraße zum Hauptbahnhof führen. Alternativ war für eine bessere Stadterschließung auch eine Linienführung durch Winzingen angedacht, wo auch heute eine Weiterführung des Wegs bis zum Haltepunkt Böbig lohnen würde, sind doch die freigelegten Bachläufe von Rehbach und Speyerbach sicherlich ein attraktiver historischer Punkt.

Autobus verdrängt Bahnpläne

Zum Bau der Panoramabahn kam es allerdings nicht – ebenso wenig zum Bau der Straßenbahn quer durch die Stadt zum Lokalbahnhof oder der Überlandlinien nach Dürkheim und Meckenheim. Auch nach Lambrecht und Neidenfels wurde keine Tram gebaut, ebenso wenig wie aus der schmalspurigen Gäubahn durch „Umspurung“ eine Vollbahn wurde. Die auch schon 1908 aufkommenden Motorwagen, also die Omnibusse, ersetzten die Trambahnpläne.

Info

Werner Schreiner hat am 24. Oktober 2012 beim historischen Verein in Neustadt und am 10. März 2013 bei den Straßenbahnfreunden in Karlsruhe Vorträge zu diesem Thema gehalten. In der jüngsten Berichterstattung über den Rundwanderweg erinnerte ihn der abgebildete Trassenverlauf an seine damaligen Recherchen.

Der Weg soll auch am Speyerbach entlangführen.
Der Weg soll auch am Speyerbach entlangführen.
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