Hassloch
Rekordjahr bei der Feuerwehr: Warum Brände nicht mehr die Hauptrolle spielen
Es ist ein Rekord, der eindrucksvoll zeigt, wie wichtig die Freiwillige Feuerwehr für Haßloch ist: 284 Einsätze und 3904 Einsatzstunden haben die 77 aktiven Mitglieder im vergangenen Jahr geleistet. So oft wie nie zuvor rückten die Ehrenamtlichen 2025 aus, um zu retten, zu schützen und zu sichern. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 249 Einsätze, 2017 noch 194.
„Da, wo Menschen sind, passieren Dinge“, sagt Wehrleiter Marco Himmighöfer. Für ihn liegt ein Grund für die steigenden Zahlen auf der Hand: Das Großdorf wird immer größer. Gleichzeitig hat sich der Feuerwehralltag spürbar verändert. „Die Brandbekämpfung macht nur noch 30 bis 40 Prozent der Einsätze aus“, sagt der stellvertretende Wehrleiter Björn Steidel. Einen großen Anteil nahmen 2025 Hilfen für Menschen ein. 26 Einsätze entfielen auf diese Kategorie. Zusätzliche 21 Mal wurde die Feuerwehr zum „Türöffner“, häufig, um medizinischen Einsatzkräften den Zugang zu Menschen in Not zu ermöglichen.
Gesellschaftlicher Wandel zeichnet sich ab
Dass sich das Aufgabenprofil verschiebt, hat aus Sicht der Wehrführung auch mit dem gesellschaftlichem und demografischen Wandel zu tun. „Früher hatte der Nachbar mal noch einen Schlüssel und konnte Zugang zur Wohnung verschaffen. Solche Fälle landen heute zunehmend bei uns“, sagt er. Auch Himmighöfer beobachtet diese Entwicklung. Wo Haushalte kleiner und familiäre Netze dünner werden, fehle oft jemand, der im Notfall weiß, was zu tun ist – etwa, wenn bei einem Wasserschaden der Haupthahn zugedreht werden muss.
Und weil in Haßloch nicht nur viele Menschen, sondern auch viele Tiere leben, sind auch Tierrettungen längst fester Bestandteil des Feuerwehralltags. Zehnmal rückte die Wehr im vergangenen Jahr deshalb aus.
Wichtiger Standort im Landkreis
Hinzu kommen Einsätze, die sich weniger aus der Bevölkerungszahl als aus der besonderen Lage Haßlochs ergeben. Die Nähe zur A65, zur Bahnstrecke und Unternehmen mit entsprechendem Gefahrenpotenzial erweitern das Aufgabenspektrum der Wehr erheblich. Bei Verkehrsunfällen geht es dabei längst nicht nur um die Rettung von Menschen, sondern ebenso um das Absichern von Unfallstellen und das Binden ausgelaufener Betriebsstoffe. 2025 rückte die Feuerwehr zu 13 Verkehrsunfällen aus. Hinzu kamen sieben Einsätze wegen Ölspuren, sieben wegen auslaufender Betriebsstoffe nach Unfällen und weitere sieben Gefahrstoffeinsätze ohne Bezug zum Straßenverkehr. „So richtig harte Gefahrstoffeinsätze haben wir zum Glück wenig, obwohl das Potenzial schon da ist“, sagt Steidel.
Dass Haßloch in diesem Bereich besonders gefordert ist, hat auch strukturelle Gründe. Teile des Gefahrstoffzugs des Landkreises sind in der Gemeinde stationiert. „Wenn es eine Lage gibt, wo etwas austritt, rücken wir mit aus“, sagt Himmighöfer. Das entlaste die Gemeinde bei der Vorhaltung spezieller Fahrzeuge, bringe aber zugleich zusätzliche Verantwortung über die Ortsgrenzen hinaus mit sich. Vier Einsätze entfielen 2025 auf Nachbarschaftshilfe in anderen Kommunen, hinzu kam ein weiterer im Rahmen des Gefahrstoffzugs.
Besondere Anforderungen im Bereich der Höhenrettung stellt zudem das Plopsaland. „Der Park ist ein potenzieller Gefahrenpunkt, den wir regelmäßig beüben“, erklärt Himmighöfer. Zwar komme es dort immer wieder zu Einsätzen, „aber es ist nicht so, dass wir regelmäßig Fahrattraktionen evakuieren“.
Mehr Fehlalarme, weniger Brände
Dass es heute nicht häufiger zu größeren Bränden kommt, liege auch an der Rauchmelderpflicht, sagt Himmighöfer. „Das führt einerseits auch zu mehr Fehlalarmen, aber auch dazu, dass wir Dinge frühzeitig bemerken und größere Schäden verhindert werden.“ Insgesamt 30 Mal wurde die Wehr wegen eines falschen Alarms gerufen.
Auch zur klassischen Brandbekämpfung rückten die Einsatzkräfte aus. Im vergangenen Jahr zählte sie vier Mittelbrände und drei Großbrände. Darunter auch der Dachstuhlbrand in der Forstgasse, bei dem im ganzen Dorf die Sirene ertönte und zahlreiche Kräfte über Stunden im Einsatz waren, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Dazu kamen 16 Brandnachschauen sowie mehrere Fälle, in denen das Feuer bereits vor ihrem Eintreffen gelöscht war.
Viele Einsätze während der Arbeitszeiten
Ein Blick in die Statistik zeigt: Mehr als die Hälfte der Einsätze fällt tagsüber zwischen 6 und 18 Uhr an. Genau dann, wenn viele Berufstätige ihrer Arbeit nachgehen – oft außerhalb von Haßloch. Für die Feuerwehr ist das eine besondere Herausforderung, denn sie muss dennoch genügend Kräfte vorhalten, die innerhalb von zehn Minuten am Einsatzort sein können. „Haßloch ist ein Pendlerdorf, viele fahren morgens aus Haßloch raus und kommen abends wieder zurück“, sagt Bürgermeister und Feuerwehrdezernent Tobias Meyer (CDU). „Das ist ein Problem, weil das auch Feuerwehrleute sind.“ Die Tagesbereitschaft lasse sich zwar weiterhin sicherstellen, „aber es ist kein Selbstläufer“.
Umso wichtiger sei die Nachwuchsarbeit. „Das Thema Jugendfeuerwehr ist die logische Voraussetzung, junge Menschen für diese Tätigkeit zu begeistern und frühzeitig heranzuführen“, sagt Meyer. Das zeigt offenbar Wirkung: Der Trend in der Wehr gehe zur Verjüngung, das Durchschnittsalter liege inzwischen bei 35 Jahren. Auch Himmighöfer kam über die Jugendfeuerwehr zur Feuerwehr. Für ihn ist die Feuerwehr mehr als ein Hobby. „Es ist ein Ehrenamt, aber rechtlich auch mit Pflichten verbunden“, zugleich aber auch eines, das „wirklich fast täglich Überraschungen bereithält“. Den besonderen Reiz in Haßloch machten für ihn die vielfältigen Aufgabenfelder aus. „Hier kann jeder sein Plätzchen finden.“
Neuer Standort für Feuerwehrgerätehaus
Damit die Feuerwehr auch künftig wachsen kann, braucht sie vor allem eines: Platz. Mit den gewachsenen Aufgaben stößt das Gerätehaus zunehmend an Grenzen. Es fehlt an Raum für Fahrzeuge, Umkleiden und funktionierende Abläufe. „So langsam wird einfach alles etwas zu kuschelig“, sagt Himmighöfer.
Dass Handlungsbedarf besteht, ist auch im Rathaus angekommen. Meyer betont, dass Verwaltung und Wehrleitung das Thema früh gemeinsam angegangen seien. Eine Erweiterung des bestehenden Standorts sei geprüft worden, inzwischen würden zwei neue Standorte näher betrachtet. Klar sei aber auch, betont Meyer, dass ein Neubau Zeit brauche, Geld koste und der Zustimmung des Gemeinderats bedarf.
Für die Gegenwart sei die Wehr gut aufgestellt, erklärt Himmighöfer und lobt die Zusammenarbeit mit der Gemeinde. „Wir können für die Haßlocher das leisten, was wir leisten müssen und können darüber hinaus auch noch für den Landkreis Bad Dürkheim gesetzliche Aufgaben erfüllen.“ Damit das so bleibt, müsse man jedoch strategisch „zehn Jahre weiterdenken“.
Info
Die Freiwillige Feuerwehr Haßloch freut sich über neue Mitglieder. Interessierte können auch ohne Voranmeldung bei den wöchentlichen Übungstreffen vorbeischauen, jeweils mittwochs ab 19 Uhr.