Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Parken im Weinberg: Achtung, bald Abschleppgefahr

Da waren es schon fünf: entlang des Feldwegs von der Andergasse zur Klausentalhütte geparkte Pkw von Ausflüglern.
Da waren es schon fünf: entlang des Feldwegs von der Andergasse zur Klausentalhütte geparkte Pkw von Ausflüglern.

Rigoros aussperren oder einen Kompromiss schließen? Das ist die Frage, wenn in Stoßzeiten Wirtschaftswege und Wingerte durch Touristen zugeparkt werden. Das Ordnungsamt hofft, über einen Dreh eine Lösung gefunden zu haben.

Ortstermin mit Thorsten Völker, Chef des Neustadter Ordnungsamts, am Donnerstag auf dem Parkplatz Andergasse zwischen Diedesfeld und Hambach. In Ruhe soll dargelegt werden, was die Verwaltung mit Blick auf in der Flur geparkten Fahrzeuge gerade vorbereitet.

Binnen kurzer Zeit bis auf die letzte Stellfläche belegt: der Parkplatz Andergasse am Donnerstagmorgen.
Binnen kurzer Zeit bis auf die letzte Stellfläche belegt: der Parkplatz Andergasse am Donnerstagmorgen.

Mit der Ruhe indes wird es nichts. Ab 9.30 Uhr rollt ein Auto nach dem anderen an, fast jedes mit Heidelberger Kennzeichen. Schnell ist der Parkplatz voll Die Ausflügler, vermutlich eine Betriebstour, weichen mit ihren Pkw ohne viel Federlesen an den Rand des nahen Wingerts aus. Dann machen sie sich zu Fuß auf den Weg zum Zeter Berghaus. Den Tipp, das nächste Mal vielleicht einen Bus zu chartern, registrieren sie mit einem mitleidigen Lächeln.

Auch wenn es mit der Ruhe vorbei ist, sorgt der kurpfälzische Ansturm an einem in der Regel eher besucherschwachen Donnerstagmorgen dafür, dass das Problem direkt vor Augen geführt wird. Seit Jahren beklagen Bürger und Winzer aus beiden Ortsteilen das wilde Parken in den Wingerten und den starken Verkehr auf den Feldwegen.

Verkehrslenkung steht

Immer wieder wurde überlegt, was am besten zu tun sei. Erinnert sei an die zwar kleinen, dafür aber umso ungeliebteren Poller, die auf dem Feldweg beim Parkplatz Andergasse den Individualverkehr verhindern sollten. Am Ende stand fest, dass die Besucher über Weißkreuzstraße und Andergasse zum Parkplatz Andergasse sowie weiter über den sogenannten 7er-Weg zu Klausentalhütte oder Zeter Berghaus geführt werden sollten. Das wiederum setzte ein bessere Beschilderung voraus, auf die der Ortsbeirat Diedesfeld zuletzt Ende 2021 drang.

Während die Besucherlenkung also abgearbeitet ist, konnte das Problem Parken im Wingert nicht gelöst werden. Zumal der über Jahre gehegte Plan, den Parkplatz Andergasse zu erweitern, am Nein der Genehmigungsbehörde aus Naturschutzgründen endgültig zerplatzt ist. Dass ein alternativer Standort gefunden wird, wie es der Stadtvorstand damals noch dachte, ist mittlerweile ebenfalls Geschichte.

Erhöhte Waldbrandgefahr

Insofern geht es aktuell darum, besser mit der zu Stoßzeiten geparkten Blechlawine umzugehen. Und zwar vor allem deshalb, weil Rettungswege von gut drei Meter Breite frei sein müssen. Wegen eines möglichen medizinischen Notfalls oder eines Hausbrands, vor allem aber wegen der zunehmenden Waldbrandgefahr.

Fakt ist: Geparkt werden darf in der Flur gar nicht, von ausgewiesenen Stellplätzen abgesehen. Steht ein Auto komplett auf einer Bankette im Wingert, wäre es Sache des Winzers, den Wagen abschleppen zu lassen. Steht er zum Teil oder vielleicht auch ganz auf dem Wirtschaftsweg, wären die Feldhüter gefragt, die das aber kaum schaffen.

Hütten nicht ausbluten

Hier will das Ordnungsamt nun eingreifen, wie Thorsten Völker erklärt. Bei der Idee, die voraussichtlich ab Herbst getestet werden soll, handelt es sich nach seinen Worten um einen Kompromiss. Denn niemand wolle die motorisierten Touristen ganz aussperren, um den Hütten nicht die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen. Dass die Besucher lange Fußwege in Kauf nähmen, sei unwahrscheinlich.

Der vom Ordnungsamt ausgedachte Dreh führt über die für einen Rettungsweg vorgeschriebene Breite. Werden also entlang des 7er-Wegs Richtung Klausentalhütte, auf dem nur die Durchfahrt, aber nicht das Parken erlaubt ist, trotzdem Pkw abgestellt, greift das Ordnungsamt dann ein, wenn der Rettungsweg behindert wird. Darauf sollen Schilder hinweisen, die auch das Abschleppen darstellen.

Kontrollen angekündigt: Planskizze dazu, wo ab Herbst weitere Schilder stehen sollen.
Kontrollen angekündigt: Planskizze dazu, wo ab Herbst weitere Schilder stehen sollen.

Mit allen abgesprochen

Die Idee sei sowohl mit den Winzern als auch mit der Hambacher Ortsvorsteherin abgesprochen, sagt Völker. Der Ortsbeirat Diedesfeld wurde am Mittwochabend informiert. Die Mitglieder hätten das Vorhaben mit großer Mehrheit begrüßt, so Ortsvorsteher Volker Lechner auf RHEINPFALZ-Anfrage. Auch aus seiner Sicht sei es eine gute Lösung. Ob sie auch der Weisheit letzter Schluss sei, müsse sich zeigen. Mit der Verwaltung sei ausgemacht, dass nach einer Erprobungsphase überprüft wird, ob die „Rettungsweg-Überwachung“ den gewünschten Erfolg hat.

Dass dieser Erfolg nur möglich ist, wenn kontrolliert wird, ist Völker klar. Daher wird nach seinen Worten in Stoßzeiten und damit auch am Wochenende genug Personal eingesetzt. Das entspreche auch jenem Auftrag, den der Stadtrat 2020 erteilt habe, als er mehr Stellen absegnete, um in den Weindörfern präsenter zu sein. Sollte sich das Konzept bewähren, schließt Völker nicht aus, dass es auf andere „Hotspots“ in der Flur übertragen wird.

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