Neustadt Paradies für Weinliebhaber
„Meininger’s Finest 100“ feiert Premiere im Saalbau: 300 Fachbesucher treffen auf 100 der international renommiertesten Wein- und Sektgüter, die das Beste vom Besten mitgebracht haben. Wer daran keinen Spaß hat, muss eingefleischter Biertrinker sein.
Dass der Saalbau nicht nur als Kulturzentrum, sondern auch als Weinzentrum taugt, beweist er mehrmals im Jahr: Als Krönungsstätte von Weinköniginnen, als Austragungsort des Herrenweinabends, als Stammsitz der Großen Pfalzweinprobe der Weinbruderschaft der Pfalz – aber auch als Gastgeber hochwertiger internationaler Verkostungen wie der „InBianco“, die Anfang des Jahres erstmals zu Gast in Neustadt war, und seit vielen Jahren als Forum der Weinwettbewerbe „Mundus Vini“ und „Mundus Vini Biofach“ des in Neustadt ansässigen Fachverlags Meininger. Seit vier Jahren veranstaltet der Verlag im Saalbau auch den alljährlichen „Sommelier Summit“, bei dem die 100 besten Sommeliers aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Neustadt zusammentreffen. Daraus sei im vergangenen Jahr die Idee entstanden, die besten Erzeuger mit den professionellsten Verkostern zusammenzubringen, sagt Christoph Meininger, einer der Verlagsgeschäftsführer. Künftig solle „Meininger’s Finest 100“ jedes Jahr im November stattfinden. Zur gestrigen Premiere waren sie alle gekommen – Gastronomen, Fachhändler, Fachjournalisten und vor allem Winzer aus ganz Europa, deren Weine zu den Besten auf der Welt zählen. „Unter den Kultweingütern sind etliche Betriebe, die normalerweise nicht an Veranstaltungen teilnehmen, weil die weltweite Nachfrage ihr Angebot um ein Vielfaches übersteigt“, sagt Sascha Speicher, Chefredakteur des Magazins „Sommelier“ und Mitorganisator des „Gipfeltreffens“. Dass diese Betriebe trotzdem nach Neustadt gekommen seien, mache ihn und seine Kollegen durchaus stolz. Klangvolle Namen wie Domaine de la Romanée-Conti, Domaine Ponsot, Vega Sicilia, Baron Philippe de Rotschild, Giacomo Conterno und Champagne Krug, Bollinger und Louis Roederer finden sich im 500 Positionen umfassenden Verkostungsbuch ebenso wie nur Insidern geläufige Spitzenbetriebe wie die Bodegas Toro Albalá aus Südspanien und Ornellaia aus Italien. Insgesamt liest sich die Liste der Anwesenden wie ein „Best of“ aus den Weinkarten der international ausgezeichneten Spitzengastronomie. Und auch die Weine, die die Erzeuger mitgebracht haben, sorgen bei Liebhabern für feuchte Augen: Sei es der Kult-Barolo Monfortino von Giacomo Conterno, seien es die legendären Süßweine der Bodegas Toro Albalá, deren Jahrgänge 1931, 1951 und 1955 zur Verkostung bereitstehen und damit das enorme Lagerpotenzial der Don PX Convento Selección unter Beweis stellen, sei es der mit 100 Parker-Punkten dekorierte 2010er Bordeaux vom Château Pontet-Canet Cru Classé – hier ist die Crème de la Crème vertreten. „Eine solche Probe ist selbst für einen Profi hochspannend“, sagt Michael Hornickel, der uns im Saalbau zufällig begegnet. Er muss es wissen, ist er doch seit Anbeginn einer der Chefverkoster bei „Mundus Vini“ und so im besten Wortsinne einiges gewohnt. „So etwas wie hier bekommt man selten geboten, es sind wirklich die rarsten Weine der Welt vertreten“, schwärmt der Experte. Und er erklärt auch, warum die Erzeuger den Weg zu den Fachverkostern gern auf sich nehmen: „Hier treffen sie mit Sommeliers aus der Spitzengastronomie auf ideale Multiplikatoren für ihre Produkte“, sagt Hornickel. Denn es sei nicht im Sinne der Erzeuger, wenn ihre Produkte in Niedrigzinszeiten nur noch als reine Spekulationsobjekte betrachtet und gehandelt statt getrunken würden. „Für einen Winzer ist es nicht schön, wenn eine Flasche Wein für 100 Euro das Weingut verlässt und einige Zeit später für ein Vielfaches im Internet angeboten wird. In den Weinen steckt jede Menge Passion, und die will geschmeckt werden“, meint der Experte, der uns noch einen Tipp mit auf den Weg gibt: Das Champagnerhaus Agrapart & Fils, aus Avize, dem Herzen der Champagne: Abseits der ganz großen Namen produziert das 1894 gegründete Haus mit im Durchschnitt 40 Jahre alten Rebstöcken im Zentrum der Grand Crus mit biodynamischen Methoden unter anderem die rare Cuvée de Prestige „Venus“, die als einer der ganz großen Geheimtipps in der Szene gilt. „Die Besucher sind begeistert, die Aussteller sind es auch, also sind wir zufrieden“, meint Sascha Speicher: Die Sommeliers, die bereits seit zwei Tagen anlässlich des „Sommelier Summits“ in Neustadt und Deidesheim zu Gast sind, hätten sich „wie die Kinder“ auf die Veranstaltung gefreut. Sie seien begeistert davon, mit den Winzern persönlich ins Gespräch zu kommen und Antworten auf ganz individuelle Fragen zu bekommen. Ganz besonders freue die professionellen Verkoster, dass der ein oder andere Winzer „unter dem Tisch“ noch so manche Spezialität mitgebracht habe: „Da gibt es Geheimnisse zu entdecken.“|hox