Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Hauptstadt-Korrespondent sagt Adé

Verbindung in die Hauptstadt: Am Entwurf für den Berliner Reichstag hat auch der Architekt der Neustadter Villa Böhm, Ludwig Lev
Verbindung in die Hauptstadt: Am Entwurf für den Berliner Reichstag hat auch der Architekt der Neustadter Villa Böhm, Ludwig Levy, mitgewirkt.

In meinen bisherigen Beiträgen habe ich oft die Unterschiede zwischen Berlin und Neustadt beschrieben, Unterschiede, die auf der Hand liegen, weil bei einem solchen Vergleich zwei Welten aufeinandertreffen. Heute will ich zum Abschluss wenigstens noch die Verbindungen betonen, die es zwischen Neustadt und Berlin gibt.

Da ist zum Beispiel das Werk von Ludwig Levy, dem Architekten der Villa Böhm. Als ich dort vorigen Sonntag das sehr amüsante Theaterstück „Ulysses“ anschaute, erfuhr ich in der Pause von Levys Werdegang. Ich wusste nicht, dass er an den Plänen für das Reichstagsgebäude in Berlin mitwirkte, und zwar im Büro des gebürtigen Oppenheimers Paul Wallot. Wenn ich wieder in Berlin bin, werde ich nach Spuren der Villa Böhm in der Reichstagsfassade suchen.

Fahnenmast aus Hambacher Holz

Bleiben wir kurz dort: In einem unterirdischen Verbindungsgang vom Reichstag zu einem benachbarten Abgeordnetengebäude befindet sich eine Schautafel, die in Text und Bild sehr anschaulich an das Hambacher Fest erinnert. Und wie ich hörte, soll der hölzerne Fahnenmast im Plenarsaal, an dem die Deutschlandfahne hängt, aus Hambacher Holz gefertigt worden sein. Man kann ihn oft im Fernsehen sehen, er steht links des Bundesadlers, rechts hängt die Europa-Flagge (an einem Metallmast).

Und die politische Klammer, die Neustadt und Berlin verbindet, wird von zwei Abgeordneten verkörpert: Johannes Steiniger (CDU) und Isabel Mackensen (SPD). Der Bad Dürkheimer und die Niederkirchenerin vertreten die Anliegen der Menschen aus dem Wahlkreis im Bundestag. Wobei Isabel Mackensen jetzt erst damit beginnt – als Nachrückerin von Katarina Barley, die nun Europaabgeordnete ist.

Bundespolitiker auf Tour

Diese Politiker üben täglich den Spagat: Einerseits nah bei den Menschen ihrer Heimat sein, andererseits in Berlin an der großen Politik mitwirken. Steiniger nutzt gerade die Ferienzeit, um eine Tour durch den Wahlkreis zu machen und sich als Ansprechpartner zu empfehlen. Am Donnerstag war er in der Neustadter Kita Hetzelstift und nahm an einer Sitzung des dortigen „Kinderparlamentes“ teil – eine zweifellos interessante Erfahrung mit Blick auf die Debattenkultur im Bundestag.

Isabel Mackensen ist noch dabei, ihr Büro und ihre Wohnung in Berlin einzurichten. Für sie beginnt der Ernst des Abgeordneten-Daseins Anfang September, wenn der Sitzungsbetrieb wieder anläuft. Für die 32-Jährige ist das plötzlich zur Realität gewordene Mandat eine „Riesenchance“, etwas für die Region zu bewegen. Ich werde beide in Berlin wiedersehen. Was sie aus dem Wahlkreis erzählen, ist auch für uns Berichterstatter wichtig.

Nicht alles geschafft

Einige Themen konnte ich leider in den vergangenen 14 Tagen nicht anpacken: So habe ich es unter anderem nicht mehr geschafft, mich mit dem sozialen Brennpunkt in Branchweiler zu beschäftigen. Helga Deidesheimer und Magdalena Pfirmann von der Caritas-Spiel- und Lernstube gilt mein Dank für ein sehr aufschlussreiches Gespräch.

Wie schnell das ging: Zwei Wochen sind vorüber. Zwei Wochen, in denen ich Neustadt und Umgebung kennenlernte, in denen ich eine Menge dazugelernt habe. Viele begleiteten mein „Berliner“-Experiment mit Sympathie, sie schickten mir Mails, griffen zum Telefon, kamen in die Redaktion oder sprachen mich in Geschäften an. Bei ihnen allen will ich mich herzlich bedanken, auch bei meinen sehr geduldigen Kollegen in der Lokalredaktion.

Sie haben vermutlich aus meinen Zeilen gelesen, dass ich mich hier sehr wohlgefühlt habe.

Adé, Neustadt!

Info

Der Autor ist RHEINPFALZ-Korrespondent in Berlin. Er verbrachte zwei Wochen Neustadt und berichtete über seine Erlebnisse.

Winfried Folz Foto:wif/Frei
Winfried Folz
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